"Ihr werdet von mir hören": Wiedemann geht für die SPD ins Rennen

- Genossen wählen Brunnthaler zum Landtagskandidaten - "Nach der Decke strecken"

VON STEPHEN HANK Landkreis - Die ersten Formalien waren gerade abgehakt, die Kandidaten sollten in Kürze mit ihrer Vorstellung beginnen, da drang von nebenan zünftige Blasmusik ins Münchner Zimmer im Hofbräuhaus. Blasmusik und SPD - das will auf Anhieb nicht passen, doch immerhin nominierten die Genossen an diesem Abend den Landtagskandidaten für den Stimmkreis München-Land Süd, und da vermag so ein Tusch womöglich Wunder bewirken. Thomas Wiedemann kann eins brauchen: Mit 27 zu 20 Stimmen setzte sich der 40-jährige Brunnthaler im zweiten Wahlgang gegen seine Mitbewerberin Ingrid Lenz-Aktas (42) aus Aschheim durch und hat nun die schwere Aufgabe, den Stimmkreis am 21. September für die SPD zurückzuerobern. Für den Bezirkstag tritt in bewährter Weise Jan Murken aus Ottobrunn an, der bei einer Enthaltung mit voller Stimmenzahl gewählt wurde.

Im Gegensatz zu den anderen Parteien hatte es sich die SPD nicht leicht gemacht. Immerhin vier Kandidaten - neben den beiden Finalisten auch Christian Köhler (26) aus Neubiberg und Heidi Plank-Schwab (45) aus Gräfelfing - buhlten um die Gunst der Genossen. Einige Vorstellungsrunden in den Ortsverbänden waren der Aufstellungsversammlung vorausgegangen (wir berichteten), und doch klagte Peter Paul Gantzer an diesem Abend über "undemokratisches Verhalten". Speziell stieß sich der SPD-Landtagsabgeordnete aus Haar an der Empfehlung von sieben Ortsvereinsvorsitzenden aus dem Süden für Thomas Wiedemann und an der Aussage der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), die sich in einem Rundschreiben für Lenz-Aktas ausgesprochen hatte. "Meines Wissens hat es keine AsF-Veranstaltung gegeben, das ist eine reine Empfehlung von einigen wenigen Vorstandsmitgliedern", polterte er. "Warum sind wir von unserem Vorsatz abgekommen, fair miteinander umzugehen?" AsF-Vorstandsmitglied Waltraud Rensch aus Unterhaching beurteilte die Lage anders. Es sei das gute Recht der AsF, sich für jemanden zu entscheiden. "Viele Jahre war das nicht nötig", spielte sie auf die eingeschränkte Kandidatenauswahl in der Vergangenheit an. "Die Situation hat sich eben geändert."

Während Rensch also für Ingrid Lenz-Aktas eintrat, brach Hermann Rumschöttel aus Neubiberg eine Lanze für den jungen Offizier Christian Köhler. "Die Erststimmen werden nicht entscheiden", prophezeite er. "Es wird auf die Zweitstimmen ankommen, und da hat Köhler die besten Merkmale für überregionalen Erfolg." Zum Zug kam dann letztlich doch Thomas Wiedemann, von dem die Taufkirchner SPD-Ortsvorsitzende Ingrid Räther-Still sagte, er sei der einzige, der sich Gedanken über ein Wahlkampfkonzept gemacht habe.

Gantzer auf Landesliste unter ersten Zehn?

Das wird nötig sein. Da mit Peter Paul Gantzer - so deutete es der Unterbezirksvorsitzende Marcel Schaller an - bereits ein Bewerber aus dem Landkreis auf der Landesliste unter den ersten zehn zu finden sein wird, sinken wohl Wiedemanns Chancen auf einen vorderen Listenplatz. "Wir müssen uns im Süden noch mehr nach der Decke strecken", so Schaller. Thomas Wiedemann zumindest gab sich nach seiner Wahl selbstbewusst und optimistisch: "Ihr werdet von mir hören!"

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