Der Vorwurf: Vergewaltigung in drei Fällen.
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Der Vorwurf: Vergewaltigung in drei Fällen.

Sexuelle Übergriffe

Physiotherapeut vor Gericht: Im Missbrauchs-Prozess schildern Opfer ihre Pein

  • Nina Gut
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Im Prozess gegen einen Physiotherapeuten (56), der zwei Patientinnen und eine Kollegin missbraucht haben soll, wurde gestern noch einmal die Pein der Frauen deutlich.

Landkreis – Im Prozess gegen einen Physiotherapeuten (56), der zwei Patientinnen und eine Kollegin missbraucht haben soll, wurde gestern noch einmal die Pein der Frauen deutlich. Eine Mutter und ein Polizist berichteten, wie schlecht es den Frauen nach den Übergriffen ging. „Meine Tochter kam tränenaufgelöst aus der Praxis“, sagte die Mutter eines Opfers. Die Mutter riet ihr, sich beim Frauennotruf zu melden. Dieser wiederum ermutigte sie zur Anzeige. Die 25-Jährige zeigte den 56-Jährigen dann auch an. „Damit er nicht weiter sein Unwesen treiben kann“, sagte die Mutter. Auch zwei weitere Opfer stellten Anzeige. Seit August 2020 sitzt er in Untersuchungshaft. Seit dieser Woche muss er sich wegen dreier Fälle der Vergewaltigung vor dem Landgericht München I verantworten (wir berichteten).

Schon beim ersten Mal soll der 25-Jährigen der Besuch in der Praxis im Landkreis München komisch vorgekommen sein. Obwohl es um die Nachbehandlung einer Knieverletzung ging, musste sie sich ganz nackt ausziehen. Bei einem weiteren Termin habe er sich dann an ihr vergangen. „Sie war wie erstarrt und konnte sich nicht bewegen“, berichtete die Mutter dem Gericht. Die Tochter habe auch Angst gehabt, dass der Physiotherapeut sie nach der Anzeige zu Hause aufsuche; das ist aber nicht passiert.

Ein Polizeibeamter schilderte derweil seine Vernehmung eines weiteren, 37-jährigen Opfers. Bei diesem begann der 56-Jährige jeweils beidseitig mit der Behandlung an der Schulter, arbeitete sich dann nach unten und vergriff sich im Intimbereich. Die Frau sei in eine „Schockstarre“ verfallen, konnte sich kaum mehr bewegen, „und konnte gar nicht mit der Situation umgehen“, sagte der Polizist. Sie sei vor allem davon eingeschüchtert gewesen, dass der Physiotherapeut ein Mann von zirka zwei Metern Größe ist. In der Vernehmung brach die 37-Jährige in Tränen aus, ihre Stimme zitterte.

Sie habe erst nicht gewusst, ob das auch zur Therapie gehöre, sagte die Frau in Bezug auf die sexuellen Übergriffe. Der Therapeut habe ihr gesagt, dass sie „Verkrampfungen am ganzen Körper“ habe - sie habe dann gedacht: „Ich lasse es einfach über mich ergehen.“ Laut dem 56-Jährigen gebe es drei Methoden, um die Verspannungen zu lösen: seine Behandlung, Alkohol oder Drogen.

Das Gericht hat inzwischen einen Nachermittlungsauftrag bezüglich der DNA erteilt. Der Prozess dauert an

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