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Sie erklimmt Berge aus Leidenschaft: Bela Bach ist es gewohnt, neue Wege zu gehen. Nicht nur wenn sie in den Alpen wandert, sondern auch in politischen Fragen.

Im Porträt: SPD-Bundestagskandidatin Bela Bach

Ihr nächster Gipfel ist der Bundestag

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Vor der Bundestagswahl am 24. September porträtieren wir die Direktkandidaten. Heute: Bela Bach von der SPD – die 26 Jahre alte Jura-Studentin aus Planegg hat nach der Ad-hoc-Kandidatur von 2013 diesmal gute Chancen, über die Landesliste der Sozialdemokraten erstmals in den Bundestag einzuziehen.

Landkreis– Bela Bach (26) will hoch hinaus, und dafür nimmt sie allerlei Strapazen in Kauf. Steht mitten in der Nacht auf, leuchtet mit der Stirnlampe die nächsten Meter auf dem Gletscher aus, trotzt Eiseskälte und dünner Höhenluft. Im Schweizer Monte-Rosa-Massiv hat sie neulich die Signalkuppe (4559 Meter) und die Zumsteinspitze (4563 Meter) bestiegen. Als Wahlkampfaktion war auch eine Tour auf Deutschlands höchsten Gipfel, die Zugspitze, geplant; neun Interessierte hatten sich angemeldet, aber dann spielte das Wetter nicht mit.

„Neue Wege, klare Kante.“ Das offizielle Wahlkampfmotto von Bela Bach ist (auch) eine Anspielung auf ihr größtes Hobby, das Bergsteigen. „Es existiert nicht immer ein vorgegebener Weg. Weder in den Bergen, noch in der Politik“, sagt sie beim Interviewtermin im Münchner Biergarten „Aumeister“. Tauchen Schwierigkeiten auf, zaudert die 26-Jährige nicht, sondern packt sie an: „Ich mache mein Ding.“

Diese Haltung vom Bergsteigen, das sie seit zehn Jahren immer intensiver betreibt, überträgt Bela Bach mit herzerfrischendem Elan auf die Politik. Dass sie mit namhaften Politprofis konkurriert, nimmt sie sportlich: „Durch deren Routine geht ihnen viel Kreativität verloren – darin wiederum liegen meine Stärken.“ Neue Wege will sie über digitale Kommunikationswege beschreiten, für Bürger deren Mitbestimmungsmöglichkeiten forcieren. Aber auch klassisch-analoger Dialog ist geplant, mit vier Bürgerforen pro Jahr, für die Bela Bach den Landkreis quasi vierteln möchte. „Politik ist nichts Abstraktes, was in Berlin entschieden wird. Die Rückkoppelung an die Bevölkerung darf nicht fehlen“, sagt die 26-Jährige. Und was die „klare Kante“ angeht: Es gelte, die „Scheu vor politischen Routinen abzulegen“ und bereit zu sein, „die Positionen der SPD auszufechten“. Da will Bela Bach „ihr Ding machen“, wie in den Bergen.

Dass sie in Berlin Berge versetzen könnte, nein, das wäre übertrieben. „Aber im Bundestag besteht die Chance, Dinge zu ändern und nicht bloß darüber zu reden.

In puncto Altersstruktur und Geschlechterverteilung braucht unser Bundestag eine bessere Durchmischung.“ 2013 kam Bela Bach auf 20,3 Prozent der Erststimmen, und auch, wenn sie inzwischen wesentlich bekannter ist, an einen Sieg im Kampf ums Direktmandat glaubt die 26-Jährige aus Planegg kaum. Das Hauptaugenmerk gilt deshalb den Zweitstimmen, sie steht aussichtsreich auf Platz 20 der bayerischen SPD-Landesliste. „Ob nun 19, 20 oder 21 Listenkandidaten in den Bundestag einziehen, darüber können ein paar Tausend Stimmen entscheiden. Das Potenzial im Landkreis München dafür ist da.“

Ihren Wahlkampf hat die Jura-Studentin – das erste Staatsexamen steht im Frühjahr 2018 bevor – in zwei Phasen eingeteilt. Von Mai bis Mitte Juli transportierte sie „schwere politische Inhalte“, inzwischen ist der Modus der Veranstaltungen mit Biergartengesprächen oder Formaten wie „Politik & Pizza“ lockerer geworden. Locker lassen wird Bela Bach freilich nicht: Viele Wähler seien immer noch unentschlossen – da sieht sie ihre Chance.

Inhaltlich liegen die Schwerpunkte auf sozialer Sicherheit und auf Verkehrsfragen. Um hierzulande bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müsse der Staat regulierend eingreifen: die Mietpreisbremse nachjustieren, durch die Wiedereinführung der Grundsteuer C Bodenpreisspekulationen eindämmen, das Bauen durch steuerliche Begünstigungen zugleich wieder attraktiver machen. Beim Thema Verkehr hinke die Region München politisch dem Wirtschafts- und Zuzugs-Boom hinterher, das werde auch der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke nicht ändern: Bela Bach plädiert für Tangential-S-Bahnen und den Ausbau von Radschnellwegen.

Ein heikles Thema in diesem Kontext: ein mögliches Diesel-Fahrverbot in Großstädten. „So, wie die Debatte zurzeit läuft, ist das ein sozial unverträgliches Eliten-Thema, das sachlich an den Problemen vorbeizielt“, findet die Sozialdemokratin, die übrigens selbst einen Diesel fährt. „Ein Fahrverbot träfe vor allem Familien und den kleinen Verbraucher, von all den Umrüstungsprämien haben die nichts. Für wen wird da denn Politik gemacht?“ Ihre Augen blitzen energisch auf: „Entweder rüstet die Autoindustrie so nach, dass es die Kunden nicht belastet. Oder es kommt ein Elektro-Volkswagen, den sich jeder leisten kann.“

Es spricht viel Idealismus aus Bela Bach, wenn sie ihre Ziele formuliert. „Die Welt ist ungerecht, die Menschen werden nicht gleich an Chancen und Möglichleiten geboren.“ Ihr Ansporn: das zu ändern. Vielleicht doch ein bisschen Berge zu versetzen. Oder, wie Bela Bach es zum Abschluss des Gesprächs mit dem Münchner Merkurausdrückt: „Ich will die Welt ein Stück besser machen.“

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