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„Meine Passion“: Thomas J. Krebs beim Aufhängen einer Fotografie von Miles Davis. Ihn hat er in Hamburg kennengelernt. „Allen Gerüchten zum Trotz“, sagt Krebs über den als mürrisch geltenden Trompeter, „ich hatte Glück. Er war sehr nett.“ 

Thomas J. Krebs fotografiert Live-Konzerte

Im Schatten der Jazzer

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Thomas J. Krebs begann vor 50 Jahren zu fotografieren und ist seit über 40 Jahren auf Konzerten unterwegs. Den Großen der Jazz-Szene kam er ganz nahe.  In Unterföhring präsentiert er eine eindrucksvolle Porträt-Sammlung.

Unterföhring– Thomas J. Krebs ist im Stress. Gerade ist ein Bilderrahmen aus der Halterung gerutscht, das Glas liegt zersprungen am Boden, das Foto ist beschädigt. Aber Scherben bringen ja angeblich Glück. Unbeirrt hängt er Bild für Bild an die Betonwände des Unterföhringer Bürgerhauses. Der 56-Jährige präsentiert ab heute eine eindrucksvolle Sammlung: Al Jarreau, Miles Davis, Dizzie Gillespie oder Chat Baker im Live-Konzert.. Jedes Bild – eine Begegnung.

Den New Yorker Schlagzeuger Art Blakey beispielsweise fragte Thomas J. Krebs in einer Konzertpause, ob er ein Foto machen dürfe. Das war in den 80er Jahren in Hamburg, Krebs war damals Student. Der Jazz-Drummer erwiderte: „Nur wenn du mir sagst, wer die blonde Frau ist, die neben dir sitzt.“ Krebs sagte, das sei seine Freundin Sabine – und er durfte während des Konzerts fotografieren. „In dem Moment, in dem ich abdrücke, wirft er Sabine einen Kussmund zu“, und ein sagenhaftes Foto entsteht.

Geschichten wie diese kann der Jurist zu jedem seiner Bilder erzählen. Krebs fotografiert seit 50 Jahren. Zum Jazz kam der gebürtige Hesse, der in Hamburg aufwuchs und seit 1995 in München lebt, durch seinen Vater. Der schenkte ihm auch seine erste Kamera, damals war Krebs sechs Jahre. Mit 13 ging er auf Konzerte, nachts entwickelte er in der Küche die entstandenen Fotos.

Die besondere Beziehung zu den Künstlern macht seine Bilder erst möglich. Den scheuen Pianisten Brad Mehldau versuchte Krebs zehn Jahre lang zu fotografieren. Vergeblich. „Er hat immer gesagt, er will es nicht.“ Bei einem Konzert auf Schloss Elmau ergab es sich, dass Krebs als einziger Fotograf zugelassen war. „Da sagte Brad Mehldau zu mir: Du wartest schon so lange, du darfst während der Zugaben ein Bild machen.“

Krebs fotografiert grundsätzlich mit Teleobjektiv und ohne Blitz. Der Respekt vor den Musikern steht an erster Stelle. Sein „Erweckungserlebnis“ hatte er 1981 in Hamburg, als er Carla Bley und Steve Swallow ein Foto von einem früheren Konzert gab. Swallow sagte erstaunt: „Hunderte machen Fotos von uns, aber noch keiner hat uns ein Bild gegeben.“ Seither bringt Krebs den Künstlern stets ein Foto von einem früheren Auftritt mit. „Das macht die Sache so nett.“

In Unterföhring zeigt er auch Aufnahmen der Unterföhringer Jazz-Weekends und von seinem Projekt „Keys and Sticks“. Dafür lichtet er Drummer mit Maxi-Sticks und Pianisten mit Mini-Piano ab.  icb


Die Ausstellung „JAZZ – live, keys & sticks“ ist bis zum  5. August im Bürgerhaus Unterföhring zu sehen. Von Freitag, 14. Juli, bis Sonntag, 16. Juli, läuft das Internationale Jazz-Weekend in Unterföhring.

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