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Tausendfreund sieht den Standort „nachhaltig gesichert“ Das Linde-Areal in Pullach – hier sollen 660 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Linde Baut Arbeitsplätze ab

Bis zu 660 Stellen in Pullach gefährdet

Der Industriegaskonzern Linde wird in Pullach Stellen abbauen – unter Umständen sogar einige hundert.

Diese Woche ist die Belegschaft darüber informiert worden, dass es zu Umstrukturierungen kommen wird. „Wir sind seit einer Woche in Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung“, bestätigte am Freitag auf Anfrage Firmensprecher Frank Herkenhoff.

Ende Oktober hatte die Konzernleitung bereits mitgeteilt, dass innerhalb der nächsten drei Jahre weltweit 370 Millionen Euro eingespart werden müssen. „Wie sich das im einzelnen herunterbricht, das ist Gegenstand von internen Planungen“, sagte Herkenhoff.

Unterdessen hatte der Betriebsratschef des Linde-Standorts Dresden, an dem 500 Menschen beschäftigt sind und der unter Umständen ganz geschlossen werden soll, der „Sächsischen Zeitung“ gegenüber gesagt, in Pullach seien 660 Arbeitsplätze gefährdet. Diese Zahl wollte Herkenhoff gestern nicht kommentieren, „es bringt nichts, Zahlen in den Raum zu schießen“.

Auch in den USA und in Indien hat Linde längst Kapazitäten abgebaut. Zu schaffen macht dem Konzern, der auch Prozessanlagen zur Förderung und Verarbeitung von Öl baut, schon seit Jahren der niedrige Ölpreis. Außerdem machten sich auch beim Unternehmen die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft bemerkbar, „in Russland etwa können wir überhaupt nicht tätig werden“. Seit längerem schon seien im Geschäftsbereich Engineering die Aufträge zurückgegangen.

Derweil kommt der drohende Stellenabbau für Pullach, den größten Standort des Unternehmens in Deutschland, überraschend. Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund sagte gestern: „Eine Einschätzung zum jetzigen Zeitpunkt abzugeben, ist schwierig. Wir wissen noch nicht, wie viele Stellen betroffen sind, wir kennen den zeitlichen Ablauf nicht. Zu hoffen ist natürlich, dass, wenn Stellen abgebaut werden, dies sozialverträglich abgefedert wird.“ Der Standort in Pullach sei „langfristig gesichert“, meinte die Grünen-Rathauschefin, in ihn habe das Unternehmen erst unlängst investiert.

Von den Einsparungen werden in Pullach alle drei Bereiche betroffen sein: die Linde AG Engineering Division, in der 2200 Leute beschäftigt sind, ebenso wie die Sektoren Linde Gas und Linde Electronics. Weltweit beschäftigt das Unternehmen an einigen 100 Standorten 65 000 Mitarbeiter. Wobei sich Beschäftigungsverhältnisse, wie Herkenhoff sagte, ständig verschieben – wenn an einem Standort Stellen gestrichen werden, werden „an anderer Stelle wieder welche geschaffen. Das ist ein fortwährender Anpassungsprozess“. Zuletzt habe man in Australien nach einem „starken Wirtschaftseinbruch einiges umstrukturieren müssen“.

In Oberbayern hat Linde noch ein zweites Standbein, in Schalchen, etwa 100 Kilometer östlich von München. Dieser Ableger wird von den Verschlankungsmaßnahmen nicht betroffen sein, dort wurde schon vergangenes Jahr ein „Restrukturierungsprogramm“ durchgezogen.

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