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Betroffene heben die Hand: Fast hundert Neubiberger pilgern zur Infoveranstaltung in die Aula der Grundschule.

Schädling wütet in Neubiberg

"Es werden nicht die letzten Fällungen sein"

Vor der Infoveranstaltung zum Laubholzbockkäfer in Neubiberg hoffen viele Bewohner Neubibergs auf einen Aufschub der rigorosen Fällmaßnahmen. Schnell ist klar: Umsonst.

Neubiberg – „Alternativlos“: Bereits bei der Begrüßung nimmt Bürgermeister Günter Heyland das Wort in den Mund, das keiner der Bürger hören will bei der Infoveranstaltung zum Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) und den bevorstehenden Fällarbeiten in Neubiberger Privatgärten. Ein Raunen geht durch die Aula in der Grundschule, Kopfschütteln. Denn obwohl die betroffenen Gartenbesitzer bereits die Bescheide der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bekommen haben – einige scheinen mit der Hoffnung gekommen zu sein, die radikale Abholzung „befallsverdächtiger“ Bäume abwenden zu können. Heyland wird noch deutlicher: „Die Fällmaßnahmen, die am Dienstag, 24. Februar, beginnen werden wahrscheinlich nicht die letzten sein“ (siehe Kasten).

Harmonie? Fehlanzeige

Die Fronten sind also von Beginn an geklärt. Trotzdem: Ein harmonischer Abend ist es nicht für die Vertreter der LfL. Immer wieder unterbrechen Zwischenfragen und -rufe die Vorträge von Jakop Opperer, dem Präsidenten der LfL, und seinen Experten. Gerhard Metzner etwa beklagt, dass sein Widerspruch gegen den Fällbescheid nicht zum Aufschub führt und damit nutzlos sei. „Warum steht denn da, dass ich Widerspruch einlegen kann?“, will der Rentner wissen. „Das ist doch Makulatur!“ Eine befriedigende Antwort hat Peter Nawroth, Leiter der Arbeitsgemeinschaft zur Ausrottung des Schädlings, nicht parat. „Da steht öffentliches über privatem Interesse“, erklärt er lapidar. Und, dass sich die Anwesenden die Widersprüche sparen können.

Bürger kritisieren die Informationspolitik

Besonders die Informationspolitik der LfL macht die Bewohner in Neubiberg wütend. „Nennen Sie uns genaue Zahlen“, fordert Herbert Bauer mehrmals. Er will wissen, wieviele Larven und Käfer die LfL-Männer nach den Fällarbeiten in der Hauptstraße 48 tatsächlich gefunden haben. Und wird enttäuscht. „Etwa 20“, erklärt Opperer. Eine Antwort, die Andrea Keinert von der Bürgerinitiative „Gegen ALB-Traum Neubiberg“ schon schriftlich bekommen hat. „Was ist daran genau?“ Rechtfertigen die Funde überhaupt den Kahlschlag? Keinert und ihre Mitstreiter bezweifeln das. Opperer betont, dass die LfL gemäß den Vorschriften der EU-Richtlinie handele. „Wir werden nicht jeden einzelnen Stamm aufbrechen und untersuchen können“, sagt er. Das sei weder finanziell noch personell machbar.

Eine 100-prozentige Kontrolle? Gibt es nicht

EU-Richtlinie hin oder her: Einer der Anwohner hält das Prozedere, mit dem der Schädling ausgerottet werden soll, sowieso für aussichtslos. „Wer garantiert mir denn, dass beim Transport von Neubiberg zum Flugplatz kein Käfer vom Laster fällt“, will er wissen. „Das ist, als ob sie einen Lepra-Kranken auf der Bahre durch München tragen.“ Bis nach 23 Uhr nehmen die Anwesenden die LfL-Experten in die Mangel. „Hier hatten sie nicht so ein leichtes Spiel wie in Feldkirchen“, sagt Wieland Keinert, Mitbegründer der Bürgerinitiative. An eine Ausrottung des Krabblers glauben er und seine Mitstreiter indes nicht mehr. „Wie denn auch, wenn immer neue Käfer aus China eingeführt werden.“ Ein Vorwurf, den sich die LfL-Verantwortlichen gefallen lassen müssen. Denn eine 100-prozentige Kontrolle, weiß Präsident Opperer, „die wird es nie geben.“ Stephanie Dahlem

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