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Debatte um Instrumentensammlung Grünwald

Wohin mit 130 Dudelsäcken?

Der Garchinger Herbert Grünwald hat eine einmalige Instrumentensammlung hinterlassen. Nun will ein Verein die Stadt überzeugen, dass sie einen Teil davon erwirbt. Doch die Aussichten sind schlecht, denn die Familie hat andere Pläne.

Für mindestens drei Dinge ist Garching über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nicht nur Studenten kennen das Forschungsgelände samt TU-Campus; nicht nur Autofahrer kennen den Ortsnamen aus dem Verkehrsfunk; und nicht nur Fußballfans kennen den VfR – spätestens, seit er im Vorjahr in die Regionalliga aufgestiegen ist. Geht es nach den Freunden der Garchinger Musikinstrumentensammlung, dann könnte diese Liste bald um einen Punkt erweitert werden. Nämlich: Garching als Hochburg der Dudelsackkultur. Denn in der Universitätsstadt gebe es eine „europaweit bedeutende Sammlung von Sackpfeifen (Dudelsäcke)“, schreibt die Vorsitzende Carola Mang in einem Brief an Bürgermeister und Stadtrat. Sie gehört zum Fundus von Herbert Grünwald, der 2012 gestorben ist. Nun will der Verein den Stadtrat überzeugen, Geld für den Ankauf der Dudelsäcke bereitzustellen. Die Sammlung sollte „nach unserem Ermessen für um die 40 000 Euro zu erwerben sein“, heißt es in dem Schreiben. „Unser Verein würde 5000 Euro beisteuern.“ Blieben 35 000 Euro für die Stadt – eine Ausgabe, der CSU-Fraktionschef Jürgen Ascherl „aufgrund der prekären Haushaltssituation eher skeptisch“ gegenübersteht. Auch Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) verweist auf den aktuellen Haushalt, obgleich er betont: „Die Sammlung wäre in unserer Musikschule gut aufgehoben und eine Bereicherung.“ Bevor sich der Stadtrat aber mit dem Thema beschäftige, müsse man die genaue Summe kennen, sagte Gruchmann, und mit der Familie Grünwald sprechen. Genau das hat der Instrumentenverein bislang nämlich nicht gemacht, wie Witwe Gerlinde und Sohn Gerhard Grünwald sagen. Nennt man ihnen gegenüber die Summe von 40 000 Euro, erntet man einen erstaunten Blick samt Kopfschütteln. „Ich weiß nicht, wie man darauf kommt, aber das entspricht nicht unseren Vorstellungen“, sagt Gerhard Grünwald. Und seine Mutter ergänzt: „Wir haben uns das Geld für die Instrumente abgespart. Wir können das nicht alles verscherbeln.“ Ohnehin habe die Familie nicht vor, Instrumente an die Stadt zu verkaufen. Vielmehr soll die Sammlung komplett an das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl gehen. Noch zu Lebzeiten hat Herbert Grünwald rund 18 000 Schellackplatten und 3500 Instrumente dorthin verkauft. Bleiben im Hause Grünwald noch gut 2000 Instrumente, darunter mehr als 1000 Flöten und die rund 130 Dudelsäcke. „Der Wunsch meines Vaters war es, dass seine Sammlung komplett zusammenbleibt“, sagt Gerhard Grünwald. Deshalb will seine Familie auch die restlichen Instrumente ans Volksmusikarchiv verkaufen. „Uns wurde signalisiert, dass Interesse besteht“, sagt er. „Wir hoffen, dass das irgendwann einmal unter dem Namen ‘Sammlung Grünwald’ ausgestellt wird.“ Ein „Museum Grünwald“ werde das Volksmusikarchiv jedoch nicht aufbauen können, sagt dessen Leiter Ernst Schusser. Denn: „Wir sind ein Archiv und kein Museum.“ Allerdings sollen die Instrumente für Ausstellungen dienen sowie Forschern zur Verfügung gestellt werden. Derzeit sei man dabei, die von Grünwald erworbenen Instrumente zu katalogisieren, sagt Schusser. „Und das wird auch noch ein paar Jahre dauern.“ Für den Ankauf weiterer Instrumente von der Familie Grünwald stünden heuer keine Geldmittel bereit, so Schusser. Jedoch bestehe daran prinzipiell Interesse. „Nun muss man schauen, wann das wieder auf der politischen Agenda steht.“ Das Vorhaben der Grünwalds, die Sammlung geschlossen zu verkaufen, bezeichnet Schusser als „großartiges Angebot“ vonseiten der Familie. „Sie hätten sicher viel mehr Geld dafür bekommen, wenn sie die Instrumente einzeln verkauft hätten.“

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