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Baustelle im Bad: Stephanie Sander kann hier nicht einmal duschen.

Falscher Handwerker verursacht Mega-Schaden

Garching - Stephanie Sander träumte von einem neuen Bad. Über das Internet geriet sie an einen Betrüger. Jetzt hat sie 17.000 Euro Schaden am Hals – und ein unbrauchbares, zerstörtes Bad. Doch das ist noch nicht alles, worüber sie sich ärgern muss.

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Etwas ganz Besonderes sollte es werden, ein Badezimmer mit Eckbadewanne und Duschkabine, schönen Fliesen. Heute, rund fünf Monate nach der Auftragsvergabe an einen Münchner Handwerksbetrieb, steht Stephanie Sander (50) vor einem Scherbenhaufen. „Das komplette Bad muss rausgerissen werden“, sagt sie. „Eine Katastrophe.“ Sieben Seiten umfasst die Mängelliste. Ein Auszug: Sie wollte ein eckiges Waschbecken, bekam ein rundes. Sie bestellte eine edle Duschkabine mit dickem Glas und Edelstahl-Einfassung, bekam aber ein windiges Plastik-Exemplar aus dem Baumarkt. Die Fliesen sind so schlampig verlegt, dass man sich barfuß verletzen kann. Und die Heizung ist falsch angeschlossen: Läuft sie im Bad, läuft sie in der ganzen Wohnung – bleibt sie aus, ist es auch in den anderen Räumen kalt. Der Schaden summiert sich auf rund 17.000 Euro. Ein Anwalt ist eingeschaltet.

Auf den Handwerksbetrieb gestoßen ist Sander bei dem Online-Portal „My hammer“, das allein in der Kategorie „Heizung, Klima, Sanitär“ derzeit über 11.800 Betriebe listet. In der Serviceabteilung heißt es, dass jeder neue Betrieb seinen Gewerbeschein und einen Personalausweis einreichen müsse. Diese Dokumente würden genau geprüft. In besagtem Fall jedoch reichte die Prüfung offensichtlich nicht aus.

Die Handwerkskammer Bayern hat mittlerweile ein Verfahren zur Überprüfung wegen Schwarzarbeit an das Gewerbeamt München weitergereicht. Laut Handwerkskammer hatte diese bereits 2008 eine erste Beschwerde gegen das Unternehmen an die Verfolgungsbehörde weitergeleitet – warum das Gewerbeamt nicht schon früher aktiv wurde, ist unklar.

In Garching ärgert sich die geschädigte Kundin derweil nicht nur über Schwarzarbeit, sondern auch über den „gefälschten Meisterbrief“ ihres Auftragnehmers. Diesen habe der Handwerker nach langem Zögern herausgerückt. „Ich hatte damals schon so ein schlechtes Gefühl“, erklärt sie. Den Vorwurf der Urkundenfälschung und des Betrugs meldete sie ebenfalls an die Kammer. Auf eine Auskunft wartet sie bis heute; die Kammer hält jeden Kommentar mit Verweis auf „laufende Ermittlungen“ zurück.

Sander hat deshalb beschlossen, nicht allein auf rechtliche Schritte zu setzen. Eine breite Öffentlichkeit soll auf ihren Fall aufmerksam werden – andere potenzielle Kunden will Sander warnen. Dafür hat sie nicht nur an unsere Zeitung gewandt, sondern auch das Sat.1-Team von „Akte 2011“ zu Dreharbeiten in ihr zerstörtes Badezimmer eingeladen. Selbst das Duschen ist darin derzeit kaum möglich. Seit der Umbau im November 2010 begann, bröckelte der Traum vom schönen Bad von Woche zu Woche.

Von Sophia Heyland

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