Investitionsstau im Brunnenzentrum

Kirchheim - Nach seiner Standortanalyse für das Kirchheimer Brunnenzentrum attestiert der Wirtschaftsgeograph Ralf Popien der Gemeinde dringenden Investitionsbedarf.

Der Münchner Wirtschaftsgeograph Ralf Popien präsentierte dem Gemeinderat innerhalb von zehn Monaten das dritte „Gutachten“ zur wirtschaftlichen Situation des Einzelhandels in Kirchheim. Seine Vorschläge: dringende Sanierung des Brunnenzentrums, Überdenken des Engagements für den Bonus-Markt, keine weiteren Super- oder Drogeriemärkte, optische Aufwertung, mehr Parkplätze, ein besserer Branchenmix und mehr Veranstaltungen.

Im Januar hatte Eberhard Weidner, Vorsitzender des ehrenamtlichen Finanz- und Wirtschaftsbeirats, seine Analyse zur Situation des Einzelhandels im Kirchheimer Ortskern vorgestellt. Im März befragte die Kirchheimer Verwaltung die Geschäftsleute mündlich und schriftlich. Im April erhielt dann Popien den Auftrag, Passanten wie Geschäftsleute zum Thema Einzelhandel zu befragen.

Seine Ergebnisse sind eindeutig, seine Vorschläge mutig bis provokant, da mussten einige Gemeinderäte doch schlucken. „Ich als externer Berater darf, kann und muss dem Gemeinderat doch auch Vorschläge machen, die nicht populär sind, jemand aus dem Ort könnte das so nicht!“

Vier Ortszentren könne man in Kirchheim laut Popien unterscheiden: das Räterzentrum, den alten Ortskern in Kirchheim, das Brunnenzentrum Kirchheim und den alten Ortskern von Heimstetten. „Speziell das Brunnenzentrum ist sehr veraltet, völlig verkorkst und dringend sanierungsbedürftig! Geschäftsleute wie Passanten bewerten dort die Parksituation, den Branchenmix, das Kundenaufkommen und das Angebot an Gastronomie als schlecht.“

Er empfiehlt ein grundlegendes Überdenken der Subvention des Bonus-Marktes. „Ist es wirklich die Aufgabe einer Kommune, einen Supermarkt zu stützen? Sinnvoller wäre beispielsweise ein Shuttle-Bus für Senioren zum Brunnenzentrum oder in den Ort.“ Popien befragte 210 Passanten vor dem Edeka in Kirchheim-West sowie im Ortskern Kirchheim zum Bonus-Markt. „Weniger als ein Fünftel besucht nur ein Geschäft, 80 Prozent koppeln den Einkauf beim Bäcker mit Apotheke, Post oder Rathaus. Jeder besucht im Schnitt 2,7 Einrichtungen.“

Die „Frequenzbringer“ im Kirchheimer Ortskern sind die Bäckerei Aumüller sowie die Post mit täglich 300 bis 350 Kunden, gefolgt vom Rathaus (164 Besucher). Auf den weiteren Plätzen folgen die Apotheke (70 bis 80 Kunden) und Arztpraxen (50 bis 70).

„Insgesamt loben die Befragten am Kirchheimer Ortszentrum die vielen Parkmöglichkeiten, die Nähe zur Autobahn, den wöchentlichen Markt, die Kombinationsmöglichkeit Rathaus-Post-Bank-Wirtshäuser, die Optik und den alten Charme.“

Kritisiert werden hingegen das Kopfsteinpflaster, die schlechte Verkehrsregelung am Marktplatz, die mangelnde Vielfalt an Läden - vor allem eine Drogerie fehle, ebenso eine „gescheite Wirtschaft und ein Biergarten“ - und dass es keine gemeinsamen Aktivitäten wie im REZ gebe.

Popiens Rat an die Lokalpolitiker: „Ich empfehle so schnell wie möglich die Leitplanke mit Schranke an der Heimstettener Straße abzubauen, die Dauerparker zu verbannen, den Ortskern insgesamt optisch aufzupimpen, eine bessere Beschilderung und viel mehr Feste, Events und Veranstaltungen auf dem Marktplatz.“

Konkret riet er dazu, vor dem „Neuwirt“ alle Parkplätze abzuschaffen und stattdessen eine Freischankfläche zu installieren. „Machen Sie aber nichts, was das REZ schwächt, führen sie keine Regionalwährung ein oder verkaufsoffene Sonntage. Halten Sie unbedingt Kindergarten, Post und Apotheke im Zentrum. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre auch das Rathaus hier geblieben!“

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) dankte für die Vorschläge, „die müssen wir diskutieren und Vieles davon umsetzen. Allerdings wird unsere Unterstützung für den Bonus-Markt bleiben - dass das Brunnenzentrum so negativ bewertet wird, muss ein Alarmsignal für uns sein!“ Marcel Prohaska (SPD) konnte die Kritik nicht ganz nachvollziehen: „Die Gastronomie dort ist sehr gut, und der Bonus-Markt ist der einzige Supermarkt in Kirchheim, der muss da bleiben!“ Popien schloss mit der Einschätzung, dass das Hauptproblem für den Einzelhandel die bestehende Zweiteilung Kirchheim - Heimstetten sei.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hier war das Handwerk lebendig
Das alte Schusterhaus an der Hauptstraße in Neubiberg war einzigartig. Jetzt  muss es Neubauten weichen.
Hier war das Handwerk lebendig
Riesen-Schreck am Isar-Ufer: Spaziergänger machen exotische Entdeckung
Ein Krokodil an der Isar - diese absurde Kombination wurde am Dienstag Wirklichkeit. Spaziergänger entdeckten das Tier bei Ismaning in dem Gewässer. Zum Glück bestand …
Riesen-Schreck am Isar-Ufer: Spaziergänger machen exotische Entdeckung
Coronavirus im Landkreis München: Zahl der Todesfälle steigt
Das Coronavirus versetzt den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Noch immer werden Todesfälle vermeldet. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Infos …
Coronavirus im Landkreis München: Zahl der Todesfälle steigt
Gefangenenbefreiung: Trio geht bei wilder Unfall-Festnahme Polizisten an
Auf der Flucht vor der Polizei ist ein 17-Jähriger  in Unterschleißheim gegen ein fahrendes Auto gelaufen.  Doch dann eskalierte die Situation erst richtig.
Gefangenenbefreiung: Trio geht bei wilder Unfall-Festnahme Polizisten an

Kommentare