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Mit ironischem Zungenschlag

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- Veronika von Quast in Ottobrunn

Ottobrunn (sta) - Über die großmäulige Wichtigkeit manch ihrer Kolleginnen auf der Komik-Schiene kann sie nur lächeln, und für hysterische Faltenpanik ist sie zu klug. Veronika von Quast, einst gräflich vermählt, Wirtin und Kochtopfmuse, nun selbst ernannte "Urmutter aller Comedy-Frauen" war jetzt zu Gast beim 35. Ottobrunner Kulturstammtisch.

Als bildschirmfüllende Kultfigur auf dem "Kanal Fatal" beim Bayerischen Rundfunk lockte sie meist middle-aged Fans und Neugierige in die Rathausstube - dazu einen wütenden Ottobrunner, der über die Kosten der Veranstaltung maulte. "Dafür bringt die Gemeinde kaum einen Pfennig auf, die Künstler kommen umsonst", stellte Bürgermeisterin Sabine Kudera wortlastig klar und outete sich: "Ich bin kein Mensch von langen Reden!"

Mit Moderatorin Ruth Eder zur Rechten und Kudera zur Linken verschmolz das TV-Fräulein Vroni zum "Trio Infernale", ohne je vergessen zu lassen, wer hier den Ton angibt. Sie tut es so charmant, besitzt dieses Gurren, das vor Sinnlichkeit siedet und doch Distanz wahrt. Exhibitionistische Exzesse hat die 58-jährige TV-Lady nicht nötig. Auch dann nicht, wenn sie mit ironisch lüsternem Zungenschlag über psychische und physische Details plaudert, sich an der sexuellen Hörigkeit festklammert. "Darüber stehen wir doch", jubiliert die von Quast. Kudera und Eder stimmen zu, und das Publikum ist überzeugt, die drei sind gegen Abhängigkeiten solcherart immun.

Schließlich war der Talk-Gast immer so frei, "meine Männer und Kinder groß zu ziehen" und die Schar von inzwischen von fünf Enkeln wahrscheinlich auch. Selten Krawall-Schachtel, nie doof, meist schön, hat die bodenständige, mit Lebensklugheit ausgezeichnete Schauspielerin den bei 55 Jahren liegenden Altersschnitt der Zuschauer beim Bayerischen Fernsehen enorm verjüngt. Auch beim Jungvolk verfügt Veronika von Quast dank ihrer Schrullen-Exzesse, die immer von solidem Theaterhandwerk untermauert sind, über die von den Fernseh-Oberen so geschätzte "andauernde Resonanz".

So mag es Ruth Eder gar nicht fassen, wenn der Gast feststellt: "Eigentlich hat mir der Erfolg von ,Kanal fatal` eher geschadet als genützt." Und die Moderatorin hakt nach. Klar doch, da die von Quast bundesweite Popularität erlangte, wird sie von fantasielosen Produzenten und Regisseuren in die "Comedy"-Schublade gesteckt. Ausflüge ins ernste, ja tragische Fach blieben ihr großteils versagt. "Man hat mir ein Wapperl aufgepappt!" Immerhin, so ein dürres, unscheinbar verhärmtes Weib habe sie in einem "Komödienstadl" schon mal gespielt. Also ist die von Quast in Marlene-Dietrich-Nachfolge "von Kopf bis Fuß auf Liebe" eingestellt und gibt erfolgreiche Chansonabende. Und nimmt der Frust mal überhand, backt sie sich einen sardischen Schoko-Mandelkuchen oder hockt an der Nähmaschine.

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