Irrwitzige Irrfahrten mit zündenden Ideen

- Luise Kinsehers "Schnop" im Pullacher Bürgerhaus

VON MARC SCHREIB Pullach - Sie find`s net. Auf ihren verzweifelten Irrfahrten kreuz und quer über den Globus, immer auf der Suche nach ihrem heimatlichen Wadlfing, passierte Luise Kinseher jetzt das Pullacher Bürgerhaus mit einem Rucksack voll zündender Ideen: ihrem neuen Programm "Schnop". Und was sie nicht alles hinein gestopft hat: Irrwitzige Geschichten, die sie nach und nach abschnurrt, dabei frappierde Wendungen, haarsträubende Assoziationen und Lösungen daherzaubernd. Zum Beispiel in der Geschichte des amerikanischen Traums, der bei ihr zum Alptraum wird. "I hob mir dacht, i mach`s wie die andern und versuch`s in der Computerbranche." Schnell geht es aufwärts vom Geschirrspüler zum Chief Executive Officer bis zum Overheadprojektor. Aber loswerden lässt sich das Geld nicht mehr. "Ja, geben sie mal ein paar Milliarden aus. Gerade die teuersten Boutiquen haben die geringste Auswahl." Wie in der DDR. Vergraben hilft auch nichts, Luisal findet Öl. Verschenkt sie es an die Afrikaner, kaufen die ihre Computer. "Das Geld scheißt auf die größten Affen."

Die Niederbayerin wird fahrig, raunzt, verfällt in ein pöbelndes Geschrei, das, wie so oft bei der Survival-Kinseher, auf Knopfdruck einer verdrucksten Scheu Platz macht, ihren Selbstzweifeln: "Wer san mir eigentlich?" Die Frage wird durchexerziert am Beispiel Walter Sedlmayrs, Rainer Werner Fassbinders und Max Grießers, die ganz tief unten in den Gewölben des Bürgerhauses auf einer zweiten Bühne die Revolution mit "Dantons Tod" proben.

Kinseher, die 1999 den Ersten Preis beim Passauer Scharfrichterbeil gewann, zu Gast war bei Ottis Schlachthof und zusammen mit Bruno Jonas im Bayerischen Fernsehen auftrat, imitiert den allzu gepflegten Sprachduktus Sedlmayrs pfeilgenau. Der Prototyp des Bayern entpuppt sich als original Bayer, aber nicht in Lederhosn mit einer halben Weißen, sondern in Lack und Leder mit 18 Halben. Fazit: "Wahrscheinlich san mir a net anders als die andern."

Zur Krönung des Abends schlüpft die Kinseher in ihre gelungenste Figur, eine zugeknöpfte, abgetakelte Jolle von der Waterkant, aus der die Pointen in flüssigem Friesisch heraussprudeln. Sie sucht ihren Heinz, der ihr "bei diesem Festival in Berlin verloren gegangen ist". Und wenn Kinseher "Heinz" schrillt, dann wird der Name zum unsäglich herzzerreißend schneidenden Synonym für männliches Versagen und Impotenz. So was gehört eben organisiert, wie in der Tierwelt. Da läuft alles klinisch sauber ab, "ein Bulle besamt ganz Niederbayern, und der heißt Kaiser".

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