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Immer höher und höher: Gleitschirm-Flieger gerät in Turbulenzen - plötzlich klappt auch noch Schirm zusammen

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Von: Claudia Schuri

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Gleitschirmflieger Jürgen Haug auf einem Gipfel in den Alpen.
Er ist gerne in den Bergen: Jürgen Haug ist Gleitschirmflieger - und geriet in eine gefährliche Situation. © privat

Diesen Gleitschirmflug wird Paragleiter Jürgen Haug so schnell nicht vergessen: In der Luft kam ihm eine Regenwolke in die Quere - und plötzlich wurde es sehr gefährlich.

Gmunden/Ismaning - Es waren gute Bedingungen, als Jürgen Haug aus Ismaning (Kreis München) am Samstag vom Grünberg im oberösterreichischen Gmunden mit seinem Gleitschirm startete. Leichter Westwind, schönes Wetter - der 51-Jährige freute sich auf einen entspannten Flug. Doch dann kam alles anders - und Haug geriet in eine gefährliche Situation.

Die Gleitschirmflieger-Ausbildung war ein lang gehegter Traum von ihm, den er sich zu seinem 50. Geburtstag erfüllt hatte. In den vergangenen zwei Jahren hat der Hausmeister rund 100 Flüge gemacht - so etwas wie vergangenen Samstag hat er noch nie erlebt.

Gleitschirmflieger gerät in Lebensgefahr: Statt Landung plötzlich 1300 Meter über dem Boden

Eigentlich wollte der 51-Jährige an dem Tag schon wieder landen, als der Wind drehte und eine Regenwolke auftauchte. „Mich hat es immer weiter nach oben gezogen“, erzählt er. 400 bis 500 Meter stieg er auf, in einer Geschwindigkeit von fünf bis acht Metern pro Sekunde. Rasch war er wieder auf einer Höhe von rund 1300 Metern. „Ich habe versucht, nach unten zu kommen, aber es ging nicht“, berichtet er. In solchen Momenten bleibt nicht viel Zeit. „Da muss man innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen.“

Jürgen Haug war aufgeregt, „voller Adrenalin“, wie er sagt, doch er behielt die Nerven und reagierte besonnen. „Intuitiv habe ich das Richtige gemacht.“ Er entschied, die Richtung zu wechseln und sich zu drehen. „So konnte ich vor der Wolke fliegen“, erklärt er. Denn: Wäre er in die Wolke gekommen, wäre es noch gefährlicher geworden. „Dann sieht man nichts mehr und verliert schnell die Orientierung.“ Doch auch als Haug der Regenwolke über den Traunsee quasi davonflog, war er noch nicht sicher.

Gleitschirmflieger gerät in Lebensgefahr: Einsatz des Rettungsschirms hätte Wasserlandung zur Folge haben können

Denn plötzlich klappte sein Schirm zusammen. „Da hatte ich schon ein bisschen Panik, weil ich nicht wusste, ob er sich wieder öffnet“, sagt er. „Ich hatte den Rettungsschirm schon in der Hand.“ Doch: Hätte er diesen öffnen müssen, hätte er nicht mehr lenken können. Womöglich hätte er auf dem Traunsee landen müssen. Und das wäre riskant gewesen: „Eine Wasserlandung habe ich noch nie gemacht“, sagt er. Er habe zwar schon überlegt, einen Lehrgang zu machen, doch dann sei die Corona-Krise dazwischengekommen.

Haug hatte Glück: Sein Gleitschirm öffnete sich wieder und er konnte auf einer Wiese auf der anderen Seite des Sees unverletzt zu Boden gleiten. „Es war acht Kilometer weit entfernt von der Stelle, wo ich ursprünglich landen wollte“, berichtet er. „Mir kam es vor, als wäre ich zwei Stunden unterwegs gewesen, aber in Wirklichkeit waren es nur 40 Minuten.“

Gleitschirmflieger gerät in Lebensgefahr: Passanten informieren die Polizei wegen Missgeschick

Nach der Landung rief er seine Freundin an, die ihn abholen sollte. Sie war schon in Sorge: Passanten hatten den Flug beobachtet und befürchtet, dass Haug in die Regenwolke geraten sein könnte. Vorsorglich hatten sie die Polizei informiert. Es war richtig, aufmerksam zu sein, betont der Paragleiter. „Bei mir war letztendlich alles halb so schlimm, aber es ist gut, dass die Leute aufpassen“, findet er. „Es hätte ja auch etwas passiert sein können.“

Trotz des Schocks soll der Flug vom Grünberg nicht Haugs letzter Gleitschirmflug gewesen sein. Dazu liebt er sein Hobby zu sehr. „Beim Gleitschirmfliegen fühlt man sich frei, alles ist ganz ruhig und man erlebt die Flora und Fauna in der Luft anders als am Boden“, erzählt er. Deshalb freut er sich schon wieder auf den nächsten Start.

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