Dieses Schild kennt jeder: Das Verkehrszeichen 142-10 weist auf die Gefahr von Wildwechseln hin. Deshalb gilt in diesem Bereich: Geschwindigkeit reduzieren und besondere aufmerksam sein.
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Dieses Schild kennt jeder: Das Verkehrszeichen 142-10 weist auf die Gefahr von Wildwechseln hin. Deshalb gilt in diesem Bereich: Geschwindigkeit reduzieren und besondere aufmerksam sein.

Staatliches Bauamt stellt Präventionsmethoden vor

Wildwechsel: So sollen Unfälle verhindert werden

Verkehrsunfälle mit Rehwild oder Wildschweinen werden sich nie ganz vermeiden lassen. Aber es gibt einige Möglichkeiten, diese Gefahr zu reduzieren. Das Staatliche Bauamt Freising setzt auf einen Mix verschiedener Methoden.

Landkreis – In der kalten Jahreszeit steigt die Gefahr von Wildunfällen. Die Gründe: schlechte Sicht durch Nebel und Regen und dadurch auch längere Bremswege. Die größte Gefahr für einen Zusammenstoß mit einem Wildtier besteht in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr, wenn die Tiere ihre Futtergründe aufsuchen und abends zwischen 20 und 23 Uhr. Dann kehren sie in ihr Nachtquartier zurück. Die einfachste und effektivste Methode, einen Zusammenstoß mit Reh-, Dam- oder Rotwild, einem Dachs oder einem Wildschwein zu vermeiden ist es, die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenn man auf einem Straßenabschnitt fährt, in dem besonders viele Wildwechsel vorkommen. Angezeigt werden diese Gebiete durch das bekannte, dreieckige und rot umrandete Verkehrsschild mit einem springenden Hirsch von links oder von rechts.

Reflektoren

Auf die Abschreckung der Wildtiere zielen die blauen Reflektoren, die von den örtlichen Jagdverbänden an einzelnen Streckenabschnitten an den Leitpfosten angebracht werden. Das Prinzip dabei: Wenn das Licht der Fahrzeugscheinwerfer auf die Reflektoren der Leitpfosten trifft, strahlen die gekrümmten Reflektoren blaues Licht in einem breiten Winkel ab. Das blaue, in den seitlichen Straßenraum gestreute Licht wiederum soll Wildtiere abschrecken. Ob sich durch die Reflektoren die Zahl der Wildunfälle tatsächlich reduzieren lässt, ist umstritten. Statistisch belastbare Untersuchungen dazu gibt es nicht. Tendenziell führen Reflektoren, gleich welcher Farbe, aber wohl nicht dazu, dass das Rotwild Straßen meidet.

Wildschutzzäune

An Autobahnen sind sie Standard, an Bundesfernstraßen werden sie nur entlang stark frequentierter Abschnitte eingesetzt: Wildschutzzäune. Dass sie nicht überall errichtet werden, liegt zum einen an den enormen Kosten, etwa für den Kauf von Grundstücken, auf denen diese Zäune errichtet werden, zum anderen aber an den vielen Straßen und Wegen, die besonders in ländlichen Gegenden von den Bundesstraßen abzweigen. An diesen Stellen entstünden Lücken, durch die die Wildtiere auf die Straße gelangen würden. Der Erfolg eines Wildschutzzauns wäre also nur sehr begrenzt. Im Bereich des Staatlichen Bauamts stehen solche Wildschutzzäune deshalb nur an ausgewählten Strecken.

Nächtlicher Schnappschuss eines Rehbocks durch die Wildtierkamera auf der Grünbrücke über die B 301 zwischen Ismaning und Hallbergmoos.

Bepflanzung

Eine weitere Möglichkeit, die Gefahr von Wildunfällen zu reduzieren, ist es, keine fruchttragenden Bäume und Sträucher entlang von Straßen und Böschungen zu pflanzen. „Fallobst ist eine willkommene Abwechslung im Speiseplan von Wildtieren“, erklärt Hans Jörg Oelschlegel, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Freising. „Wir pflanzen daher an Straßen keine Obstbäume an, um die Tiere nicht unnötig anzulocken, die dann zur Gefahr für den Straßenverkehr werden.“ Außerdem hilft es, möglichst breite Flächen neben der Straße von Bewuchs freizuhalten, damit die Autofahrer die Wildtiere früher sehen können.

Grünbrücken

Ein Beispiel für gelungene Unfallprävention ist die Grünbrücke zwischen Ismaning und Hallbergmoos. Dort kreuzt die Bundesstraße 301 und die S-Bahnstrecke den Lebensraum vieler Wildtiere. Aus diesem Grund errichtete das Staatliche Bauamt beim Neubau der Straße eine 50 Meter breite Grünbrücke. Drei verschiedene Vegetationsstrukturen auf der Grünbrücke und den Ausgleichsflächen aus Magerrasen, Frischwiese und Gehölzen sollen die Tiere dazu bringen, die Brücke zu überqueren. Zusätzlich leiten Wildschutzzäune entlang der gesamten Strecke die Tiere zur Grünbrücke.

Über die 50 Meter breite Grünbrücke der B 301 zwischen Ismaning und Hallbergmoos gelangen Wildtiere gefahrlos über die Straße.

Warntafeln

Vor einem Jahr haben Bayerns Jäger neue Wildwarntafeln für einen sichereren Straßenverkehr vorgestellt. Die Plakate bestehen komplett aus reflektierender Folie, die aufleuchtet, wenn sie angestrahlt wird. Sechs Motive gibt es, die einfach ausgetauscht werden können, um einen Gewöhnungseffekt der Autofahrer zu vermeiden.

Ideen von Start-ups

Wie sich Unfälle durch Wildwechsel reduzieren lassen, damit beschäftigen sich auch viele junge Unternehmen. Relativ bekannt ist „Wuidi“, eine App, die Verkehrsteilnehmer bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit erhöhtem Wildwechsel warnt, und zwar orts- und zeitabhängig.

Eine andere Lösung bietet „AniMot“ an: An Risikostrecken, an denen öfter Wildunfälle geschehen, wird ein kleines Kästchen an den Leitpfosten angebracht. Die Box mit Wärmesensoren überwacht einen Umkreis von etwa 30 Metern entlang der Straße. Registriert es dabei Wärmequellen, deutet dies auf Tiere in unmittelbarer Nähe hin. Die Gefahr, dass diese auf die Straße laufen und einen Wildunfall verursachen, ist entsprechend hoch. Darum warnt das Wildwarnsystem Autofahrer in diesem Moment vor dem nahenden Wild, indem Lampen an den Leitpfosten aufblinken. Für die Autofahrer ist dies das Signal, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Drei Teststrecken betreibt AniMot seit Anfang 2019, eine davon befindet sich an der Bundesstraße 15 zwischen Taufkirchen/Vils und Kaltenbrunn.  

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