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Wütend und verunsichert hören die Landwirte vor dem Goldachhof in Ismaning, was Vertreter der Regierung von Oberbayern über das Natura 2000-Programm sagen.

Bauernprotest gegen Behörde

Natura  2000: Ein echtes Reizwort für die Landwirte in und um Ismaning sowie in der Region. Die  Landwirte fühlen sich übergangen und fürchten, ihre Äcker nicht mehr bewirtschaften zu können.

Ismaning – Eigentlich sollte es eine Auftaktveranstaltung zur Information aller Beteiligten sein, doch am Ende tun sich tiefe Risse zwischen Behörden und Grundeigentümern auf: Die „Gräben und Niedermoorreste im Erdinger Moos“ nördlich des Ismaninger Speichersees sind Teil der „Natura-2000-Maßnahme“ der Europäischen Union und sorgen für reichlich Zündstoff. Die Regierung von Oberbayern musste unverrichteter Dinge abziehen: Sie wollte den Startschuss dazu geben, dass Fachleute die Felder kartieren und innerhalb von zwei Jahren einen Leitfaden zur Bewahrung schützenswerter Lebensräume und Arten aufzustellen.

Doch die Landwirte kritisierten das Vorgehen der Behörde und verweigerten die Mitarbeit. Etwa 80 Menschen stehen am Goldachhof in Ismaning, bei strömendem Regen und knöcheltiefen Pfützen. Die Grundbesitzer sind verärgert, dass die Auftaktveranstaltung mitten in die Erntezeit gelegt wurde und sie nicht einmal offiziell eingeladen wurden. Die Landwirte fürchten, dass Teile ihrer Anbauflächen in Naturschutzgebiete umgewandelt werden oder nicht mehr mit Maschinen befahren werden dürfen. 

„An Verlogenheit nicht zu übertreffen“ sei der Umgang der Behörden mit den Grundbesitzern, schreibt der Ortsverband Ismaning des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in einer Mitteilung.

Jagdgenossenschaft und Landschaftsverein Ismaning an der Seite der Landwirte

Auch die Jagdgenossenschaft Ismaning und der örtliche Landschaftsverein haben unterzeichnet. Eine „enge Beteiligung der Grundeigentümer“ durch die entsprechenden Behörden habe es seit der Ausarbeitung sogenannter Fauna-Flora-Habitat-Flächen (FFH-Flächen) im Jahr 2004 nicht gegeben. Mit der Auftaktveranstaltung „FFH Managementplanung Ismaning“ habe der Konflikt nun „seinen Höhepunkt“ erreicht. „Da wird mit lauter Tricks gearbeitet“, sagt Max Kraus senior, ortsansässiger Landwirt und ehemaliges Mitglied im Gemeinderat. „Seit Jahrzehnten werden wir übergangen.“ Dazu gehört wohl auch die Biberproblematik: Ackerflächen seien „durch Bibertätigkeit vernässt“ worden und „mussten aus der Produktion genommen werden. Immer mit dem Hinweis, es handle sich dabei um FFH-Flächen“ heißt es in der Presseerklärung. Die nächste Sorge der Landwirte: Kostet das Mehr an Naturschutzflächen womöglich weiteres Ackerland?

„Es geht nicht darum, aus Getreideflächen Wassergebiete zu machen, sondern die bestehenden Gebiete zu erhalten“, erklärt Anna Meyer von der Regierung von Oberbayern. Ziel eines späteren Managementplan zum Erhalt der 110 Hektar großen FFH-Fläche sei, dass die Bedingungen für Tier- und Pflanzenwelt mindestens gleich bleiben müssen. Der Managementplan sei eine Handlungsempfehlung für Landratsamt und Forstbehörde. Die Umsetzung dieser Empfehlung durch die Eigentümer soll auf freiwilliger Basis erfolgen. Die Freiwilligkeit wird allerdings angezweifelt. 2004 hätten die Betroffenen „keinen Einfluss“ auf die Flächenmeldung gehabt. Jahr für Jahr hätten sie nachgefragt, wann es mit dem Managementplan losgehe und seien „Jahr für Jahr vertröstet“ worden. Bis vor „sieben Tagen“. Da hätten sie kurzfristig „in der Hochsaison der Getreideernte“ überhaupt erst von der Auftaktveranstaltung erfahren. 

Grundbesitzer pochen auf mehr Mitspracherecht

Und da liegt das Hauptproblem. Die Grundeigentümer pochen auf mehr Mitspracherecht. Sie wollen informiert und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. „Wir sind nicht gegen Naturschutz. Wir wollen Maßnahmen zulassen“, sagt Max Kraus junior: „Aber eben nicht alles. Wir wollen eine grundsätzliche Diskussion mit den Behörden, Landwirten und Grundbesitzern.“ „Wenn es zusammen gemacht wird, sind wir gesprächsbereit“, sagt Kraus senior.

Die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Grundeigentümern sollte eigentlich auch das Treffen am Goldachhof stärken. Es zeigte jedoch nur, wie tief die Gräben sind. Deshalb kündigt Heinz Stellwag von der Regierung von Oberbayern einen neuen Termin „nach der Sommerpause“ an. Bis dahin werde im Erdinger Moos „nichts gemacht“. Ein konstruktives Treffen sei Voraussetzung, um sich auszutauschen. Danach dauere es etwa zwei Jahre, bis der Managementplan fertig und die Umsetzung vorbereitet sei. Die Landwirte haben mit ihrem Protest wohl erreicht, dass sie das nächste Mal besser einbezogen werden.

Sebastian Schuch

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