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Groß geworden im Geschäft: Ludwig (l.) und Anton Zetterer mit ihrer Tante im Laden der Eltern.

Ausstellung "Made in Ismaning" zeigt wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde

Vom "Krautdorf" zum Gewerbemagnet

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Ismaning - Vom Kraut über Ziegeln zum Medienstandort: Ismanings Wirtschaftshistorie ist spannend - und enthält so manche Anekdote.

Hermann Kaplan schlendert von Stellwand zu Stellwand. Vor einer alten Schwarz-Weiß-Aufnahme bleibt er stehen. Zu sehen sind junge Burschen, die Krautkopf für Krautkopf auf den Anhänger eines Fuhrwerks stapeln. Erinnerungen werden bei dem 72-Jährigen wach. „Als Bub musste ich auch immer helfen, die Krautköpfe zu verladen“, erzählt der Sudetendeutsche, der 1946 als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Ismaning kam und auf einem Bauernhof nahe des Gasthofs Neuwirt einquartiert wurde. Bei einem Krautbauern. 

Brücke von der Historie ins Heute

Die Ausstellung „Made in Ismaning“ im Schlossmuseum erzählt ein Stück weit die Geschichte von Hermann Kaplan – und von vielen weiteren Ismaningern. Mit dem Kraut fing es an, nach der Lehre arbeitete der Heimatvertriebene bei der AGROB.  „Das ist ganz lebendige Heimatkunde, die die Brücke ins Heute schlägt“, sagt Kaplan. 

Die Ausstellung „Made in Ismaning“ zeigt nicht nur die Entwicklung des Gewerbes im Ort, sondern erzählt „die Geschichte der Gemeinde aus einem bestimmten Blickwinkel“, verdeutlicht Anita Kuisle, die das gleichnamige Buch sowie die Ausstellung im Auftrag der Gemeinde konzipiert hat. 

Vom Krautdorf zur Gewerbe-Gemeinde
mit 14.000 Arbeitsplätzen

Erzählt wird aus dem Blickwinkel der Firmen, die Ismaning zu dem gemacht haben, was es heute ist: eine wirtschaftlich erfolgreiche Gemeinde mit 2200 Betrieben und mehr als 14 000 Arbeitsplätzen, deren Wohl „nicht an einer Firma und einer Branche hängt“, sagt Museumsleiterin Christine Heinz. Sie selbst war überrascht „von der Fülle kleiner Firmen in Ismaning, die europa- und weltweit agieren“. Sei es mit dem „Nischenprodukt“ Profi-Bügeleisen aus dem Hause Krapf oder die „Watteline“ der Ganzert Wattelin, die als warmes Innenfutter für Textilien dient. 

„Millimo“ Max Kraus mit seiner Frau Maria im Milchladen in den 1960er Jahren.

Die Vitrinen in der Raummitte präsentieren so manche Einzigartigkeit aus dem „Krautdorf“. Denn das Gemüse hat Ismaning groß gemacht. Ihm und seiner Geschichte wird ebenso eine Stellwand gewidmet wie dem Torfstechen, der Papierfabrik, vielen weiteren Betrieben und der Geschichte der „AGROB – von der Aktienziegelei zum Medien- und Gewerbepark“. 

Chronologisch begibt sich der Besucher auf die Reise durch Ismanings Wirtschaftsgeschichte. Bis heute. Ausstellungen über Frauenarbeit und einzelne Betriebe gab es schon, „aber es fehlte der Blick aufs Ganze“, sagt Museumsleiterin Heinz. Auch wenn dies „Mut zur Lücke“ erforderte. Denn erzählt wird die Geschichte anhand prägnanter, bedeutender Betriebe und Entwicklungen der Wirtschaft in der Gemeinde. Gespickt mit amüsanten Anekdoten. 

"Schundhefte" aus der Papierfabrik geschmuggelt

So soll es vorgekommen sein, dass trotz Polizeikontrollen nicht alle beschlagnahmten „Schundhefte“ in der Steinwalze der Papierfabrik zermahlen wurden, sondern „durch Arbeiter geschmuggelt immer wieder den Weg nach draußen fanden“. 

Für solche Details hat Kuisle in Archiven und privaten Sammlungen gestöbert, mit Ismaningern – Firmeninhabern und Nachfahren – geredet und ist „mit offenen Augen durch den Ort gegangen“. Herausgekommen sind 216 Seiten, die „Made in Ismaning“ dokumentieren. 

Teamarbeit: Die am Buch beteiligten (v.l.) Ingrid Scharl und Franz Schiermeier sowie Autorin Anita Kuisle mit der stellvertretenden Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche, Bürgermeister Alexander Greulich und Museumsleiterin Christine Heinz.

Ihr Buch hat „zwei Ansprüche: Es soll für jeden lesbar sein und den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Forschung wiedergeben“, sagt Kuisle, die ein Büro für Technikgeschichte in München betreibt. Es ist „ein Buch zum Lesen und Arbeiten“. Und es enthält mehr als 300, zum großen Teil unveröffentlichte Fotos. Davon findet sich so manches in der Ausstellung wieder. 

Vor einem steht Hermann Kaplan und lächelt. Zu sehen sind Arbeiter in der Ziegelei AGROB. Es hätte er sein können auf dem Bild. „Da hab’ ich gut verdient“, sagt er und grinst. In seiner neuen Heimat hat er die Dinge erlebt, „die einen prägen.“ Hermann Kaplan ist „made in Ismaning".


Janine Tokarski

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