Letztes Bild lachender Ismaninger für lange Zeit: Junge Burschen stoßen am 18. August 1939 nach der Musterung mit Bier an.  
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Letztes Bild lachender Ismaninger für lange Zeit: Junge Burschen stoßen am 18. August 1939 nach der Musterung mit Bier an.  
Eröffnen die Schau: (v.l.) Alexander Greulich, Christine Heinz, Doris Krinninger, Anke von Leutsch, Julia Zahnweh.
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Eröffnen die Schau: (v.l.) Alexander Greulich, Christine Heinz, Doris Krinninger, Anke von Leutsch, Julia Zahnweh.
Propagandablatt: Der Stürmer von 1935.
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Propagandablatt: Der Stürmer von 1935.
Bewegende Tafel: Die Waldorfschüler haben Infos über gefallene Soldaten aus Ismaning zusammengetragen und auf einer Weltkarte dokumentiert, wo diese starben.
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Bewegende Tafel: Die Waldorfschüler haben Infos über gefallene Soldaten aus Ismaning zusammengetragen und auf einer Weltkarte dokumentiert, wo diese starben.
Ismaning 1918.
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Ismaning 1918.
Wo wäre mein Platz gewesen?, fragt das Plakat die Besucher.
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Wo wäre mein Platz gewesen?, fragt das Plakat die Besucher.
Lebensmittelmarken in Ismaning 1941
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Lebensmittelmarken in Ismaning 1941

Ausstellung im Schlossmuseum

1925 bis 1955: Ismanings schwerste Zeiten

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Es ist ein Gang durch Ismanings dunkelste Zeiten: Die neue Ausstellung zeigt den Ort zwischen 1925 und 1955. Eine Zeit, in der Ismaning bedrückend normal war.

Ismaning – Die Ismaninger sind stolz darauf, ein besonderes Dorf zu sein. Doch in der Zeit zwischen 1925 und 1955 war der Ort ganz normal. Bedrückend normal. Es ist ein Gang durch die schwersten Zeiten Ismanings, zu dem die neue Ausstellung „Dreißig Jahre“ im Schlossmuseum einlädt. Sie beleuchtet das dörfliche Leben zwischen den Kriegen sowie im Zweiten Weltkrieg.

Vieles erhalten geblieben

Die Leiterin des Schlossmuseums, Christine Heinz, erforscht die Geschichte der Gemeinde schon lange. Da der Ort im Zweiten Weltkrieg von größeren Schäden verschont blieb, sind viele Dokumente aus dieser Zeit erhalten geblieben, die die Schau nun zeigt. Diese hat die Historikerin zusammen mit Julia Zahnweh (Schlossmuseum), Anke von Leutsch und Doris Krinninger (beide Gemeindearchiv) konzipiert. Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) sieht einen dringenden Bedarf für eine solche Auseinandersetzung mit der Geschichte „in einer Zeit, in der die Demokratie in Frage gestellt wird und unsere Jüngsten den Krieg nur aus dem Fernsehen kennen“. Mehr als 70 Jahre Frieden seien keine Selbstverständlichkeit.

Bewegte Bilder als Highlight

Ein Juwel der Ausstellung sind die bewegten Bilder aus der Zeit zwischen 1925 und 1955, die der Papierfabrik-Inhaber Emil Kurz drehte. Er zeigt das dörfliche Leben sowie viele Mitarbeiter seiner Fabrik, kurz bevor sie in den Krieg ziehen mussten. 600 bis 700 Ismaninger wurden vom Militär eingezogen, rund 300 getötet oder als vermisst gemeldet. Ein Bild von 1939 zeigt junge Menschen nach der Musterung, wie sich fröhlich mit Bier anstoßen. Es war eine letzte Aufnahme lachender Ismaninger für viele Jahre. Ein weiteres Bild zeigt eine Liste möglicher Pferdekrankheiten, mit denen die Landwirte zu verhindern versuchten, dass auch ihre für die Hofarbeit benötigten Tiere vom Militär eingezogen wurden.

Ismaning wählt wenig Nazis

Die Ausstellung belegt auch anhand von Wahldokumenten: Die Ergebnisse für die Nationalsozialisten lagen in Ismaning deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt. Die Schau zeigt die schrittweise Übernahme des Nazi-Regimes, das schließlich die zwei wichtigen Hauptstraßen im Ort nach Paul von Hindenburg und Adolf Hitler benannte. In Ismaning gab es seinerzeit zwar keine jüdischen Mitbürger, aber die Ismaninger Landwirte machten Geschäfte mit jüdischen Händlern. „Für die Bauern war diese Zeit eine Katastrophe“, sagt Christine Heinz.

Der Rundgang durch die wohl schwerste Zeit der Dorfgeschichte endet mit dem Wiederaufbau Deutschlands. Ismaning machte die Veränderungen der Nazis rückgängig, bekam wieder einen demokratisch gewählten Gemeinderat und die Einwohnerzahl wuchs auf 5500 Menschen.

Christine Heinz betont, dass in der Ausstellung nichts verheimlicht werde, „denn nur ein offener, ehrlicher Umgang mit dieser Zeit führt zu einer wirklichen Aufarbeitung“. Allerdings wurden manche Namen in den original erhaltenen Dokumenten geschwärzt, um Opfer der NS-Diktatur nicht noch ein weiteres Mal zu Opfern werden zu lassen.  

Die Sonderausstellung

„Dreißig Jahre“ wird im Ismaninger Schlossmuseum bis zum 3. März gezeigt. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17 Uhr.

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