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Ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau haben Sandra Brandes (r.) und Annika Seifert 2006 und 2014 im „Hachinger Hof“ in Oberhaching abgeschlossen und arbeiten inzwischen wieder und imm er noch dort. Die Inhaber würden gern neue Auszubildende einstellen, finden aber keine passenden Bewerber – so wie vielerorts in der Hotellerie.  

Heute startet das neue Ausbildungsjahr

Azubis verzweifelt gesucht

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Zum Start ins Lehrjahr sind viele Stellen im Landkreis München unbesetzt. Azubis fehlen nicht nur im Handwerk. 

Landkreis –Heute startet das Ausbildungsjahr, wobei man im Fall des Hotels Hachinger Hof in Oberhaching sagen muss: Es würde starten. Denn obwohl der Betrieb heuer fieberhaft nach angehenden Hotelfachkräften und Köchen gesucht hat, sei man nicht fündig geworden, berichtet Chefin Theresia Mair.

Seit 30 Jahren bildet der Hachinger Hof Jugendliche aus, und gerade in jüngerer Zeit seien zwei Trends deutlich zu erkennen. Erstens: „Es wird immer schwieriger, Azubis zu finden“, sagt Mair, „früher hatten wir viel mehr Bewerber“. Zweitens: Diejenigen, die sich bewerben, bringen oftmals nicht das nötige Rüstzeug mit. Oder wie es die Hotelchefin ausdrückt: „Da fehlt es manchmal ein bisschen an der Qualifikation.“

Wobei der Azubimangel im Landkreis inzwischen nicht mehr nur die seit Jahren darbenden Berufe wie Metzger oder Bäcker sowie Gastronomie und Hotelgewerbe trifft. Sondern auch angehende Büro- und Bankkaufleute sowie Lagerlogistiker würden in ganz Oberbayern fehlen, sagt Christoph Leicher, Unternehmer aus Kirchheim und Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses im Landkreis München.

Laut den Angaben der IHK für München und Oberbayern haben viele Betriebe zwischen Unterschleißheim und Sauerlach „große Mühe, zum Beginn des Ausbildungsjahres alle Ausbildungsplätze zu besetzen“. So rechne man auch heuer damit, dass im Landkreis etliche Lehrstellen frei bleiben werden. Ein Drittel aller Stellen, die zu Beginn des Jahres gemeldet wurden, sei zuletzt noch unbesetzt gewesen, heißt es bei der IHK. Und laut Statistik der Arbeitsagentur stehen 750 freien Plätzen gerade mal 400 Bewerber gegenüber, die noch keine Stelle haben.

Der Nachwuchsmangel bei Ausbildungsberufen lasse sich vor allem auf „stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung“ zurückführen, sagt Leicher. So sei die Zahl der Absolventen der Mittelschule (früher Hauptschule) in Bayern in den vergangenen zwölf Jahren um 28 Prozent zurückgegangen. Zugleich stieg die Zahl der Abiturienten um 57 Prozent. Dazu kommt das schlechte Image vieler Ausbildungsberufe. Hier seien auch die Schulen gefordert, findet Leicher, und zwar in puncto Berufsorientierung: „Die duale Ausbildung ist eins der größten Erfolgsgeheimnisse unserer Zeit. Es gibt keinen besseren Start ins Berufsleben. Die Schüler und ihre Eltern können zu Recht stolz sein, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden“.

Eine Zukunftsperspektive hätten auch die Auszubildenden im Hachinger Hof, sagt Theresia Mair und verweist auf mehrere Beschäftigte, die im Haus gelernt haben und heute noch oder wieder dort arbeiten. Zwar sei der Nachwuchsmangel für ihren Hotelgasthof nicht existenzgefährdend, „aber wir würden gerne wieder junge Menschen ausbilden“. Dass heute immerhin eine neue Köchin ihre Ausbildung antritt, kann Theresia Mair nur bedingt trösten. Denn: Die junge Frau hatte zuvor schon im Hachinger Hof eine Lehre als Hotelfachfrau begonnen und hat nun bloß die Sparte gewechselt.

Freie Lehrstellen im Landkreis München, auch mit sofortigem Ausbildungsbeginn, finden sich auf der IHK-Lehrstellenbörse unter www.ihk-lehrstellenboerse.de.

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