Handelt mit verderblicher Ware: Robert Hörl vom Blumen Outlet ins Ismaning.
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Handelt mit verderblicher Ware: Robert Hörl vom Blumen Outlet ins Ismaning.

Einkaufen nur mit Termin und Test

„Meine Kunden verstehen das Chaos nicht“: Das sagen Einzelhändler zur neuen Notbremsen-Regel

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Seit drei Tagen ist die Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis über 100. Das heißt: Notbremse. Einkaufen ist ab Freitag nur noch mit Termin und negativem Test möglich. Das halten die Einzelhändler davon.

Landkreis – Wochenlang hatten Bau- und Gartenmärkte eine Sonderstellung, seit Montag sind sie dem restlichen Einzelhandel gleichgestellt: Einkaufen nur mit Termin und negativem Test ab einer Inzidenz über 100. So jetzt auch im Landkreis München. „Wir handeln mit verderblicher Ware. Das ist unser Problem“, sagt der Chef des Ismaninger Geschäfts „Blumen Outlet“, Robert Hörl. Die Gärtnereien seien voller Blumen und Pflanzen, Hörl rechnet aber mit einem massiven Rückgang seines Umsatzes.

Corona: Testpflicht beim Einkaufen - Händler rechnet mit massivem Umsatzrückgang

Wegen der Test-Pflicht geht er davon aus, dass weniger Kunden zu ihm kommen. 30 bis 40 Prozent seines Normalumsatzes würden deshalb verloren gehen. Er befürchtet, dass Kunden in die Supermärkte abwandern werden und dort Blumen und Pflanzen kaufen. In Lebensmittelläden und anderen alltagswichtigen Geschäften gilt die Notbremse nämlich nicht.

Blumenhändler setzt auf Bestellungen

Der Abwanderung seiner Kunden will Hörl aber nicht tatenlos zusehen. Er hat seine Waren im Schaufenster drapiert, Kunden sollen nach dem Prinzip „Click&Collect“ einkaufen. Sie können Ware bestellen, Mitarbeiter stellen den Einkauf vor den Laden. Bürger mit negativen Testergebnis und Termin können seinen Laden betreten.

Um in Geschäften im Landkreis einkaufen zu können, müssen Kunden von Freitag an ein negatives Testergebnis eines PCR-Tests (maximal 48 Stunden alt) oder POC-Antigentests (maximal 24 Stunden alt) vorlegen. Auch Selbsttests vor den Läden sind laut Bayrischem Gesundheitsministerium erlaubt. Kunden müssen sich demnach unter Aufsicht des Betreibers selbst testen. Die Tests müssen vom Kunden mitgebracht oder vom Laden bereitgestellt werden.

Corona-Tests im Laden? Chef von Sportgeschäft stellt klar: „Die Aufsicht traue ich mir nicht zu“

Hans Forster, Chef der gleichnamigen Sportgeschäfte in Unterhaching und Grünwald, bietet keine Selbsttests an. „Die Aufsicht traue ich mir nicht zu“, sagt er. Außerdem gebe es in direkter Nähe zu seinen Läden Teststationen und Apotheken, die Abstriche anbieten. Trotz dieser Testmöglichkeiten: Forster befürchtet, dass ab Freitag keiner mehr in seine Läden kommt. Das Einkaufen mit Termin funktioniere gut, aber mit der Testpflicht würden wesentlich weniger Kunden kommen, prophezeit Forster.

Den Laden deswegen zuzusperren ist für ihn aber keine Option. „Wir wollen den Service für unsere Kunden aufrechterhalten.“ Auch wenn die mit den Regeln fremdeln. „Meine Kunden verstehen dieses Chaos nicht“, sagt Forster. Er bekomm viele Anfragen von Menschen, die bereits den vollen Impfschutz haben. Ihnen muss er absagen: Auch Geimpfte brauchen ein negatives Testergebnis. „Dafür haben die Leute kein Verständnis“, sagt der Unternehmer.

Corona-Notbremse: Ausnahme für Blumenläden am Muttertag

Thorsten Stroot nimmt auch wahr, dass seine Kunden immer öfters verunsichert sind. Er ist Filialleiter im Kleidungsgeschäft Wöhrl in Unterförhing. „Bis Freitag wird die Kundenfrequenz nochmal steigen“, sagt er. Ab dann, wenn die Test-Pflicht greift, werde der Umsatz „extrem“ einbrechen. Zurück zu Blumenläden: Für sie macht die Staatsregierung am Muttertag eine Ausnahme: Am 9. Mai dürfen alle Geschäfte für vier Stunden öffnen. Inzidenzunabhängig.

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