600 Termine vereinbart

Ansturm auf die Friseursalons: 90 Kunden an einem Tag - „Mann hat mir 100 Euro geboten“

  • Max Wochinger
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Nach zehn Wochen Corona-Pause: Die Friseursalons in Bayern sind seit Montag wieder geöffnet. Termine gibt es derzeit nicht. Ein Besuch bei Monaco Cut in Ismaning.

Ismaning – Ritsch, Ratsch. Bei „Monaco Cut“ in Ismaning schneidet eine Friseurin die kurzen Löckchen eines Kunden ab. Ihre Kollegen im Salon schneiden, föhnen, trocknen oder färben Haare und wickeln die Strähnen in Alufolie. Chef Thomas Schweiger ist bestens gelaunt: „Servus Andi“ – der Friseurmeister begrüßt einen Stammkunden.

Corona-Lockerungen in Bayern: Friseur-Salons wieder geöffnet - 600 Termine vereinbart

„Andi“ ist einer von 90 Kunden, die am Montag einen neuen Schnitt verpasst bekommen. „Unsere Scheren glühen nicht vor Arbeit, sie schmelzen“, sagt Schweiger. Die Friseursalons sind – nach zehn Wochen Zwangspause – seit heute wieder offen.

Seit vor knapp drei Wochen nach den Bund-Länder-Beratungen die Entscheidung über die Friseurläden fiel, habe Schweiger und sein Team 600 Termine vereinbart. Fast bis Ende März gibt es keine Termine mehr. Das Telefon klingelt pausenlos, „es ist heftig“, sagt Thomas Schweiger.

Friseure in Bayern geöffnet: Schichtbetriebt für Angestellte - verlängerte Öffnungszeiten

Für seine Beschäftigten ist Schichtbetrieb angesagt: Der Laden hat von 8 bis 20 Uhr auf, vier Stunden länger als im „Normalbetrieb“. Voll ausgelastet ist der Betrieb nicht – wegen der Hygieneverordnung dürfen nur fünf statt aller neun Mitarbeiter im Laden stehen. Ein Angestellter je zehn Quadratmeter.

Die Stimmung im Laden ist gut, vor allem bei den Mitarbeitern. Sie waren in Kurzarbeit und freuen sich nun auf das volle Gehalt und Trinkgeld. Angebote, illegal Haare zu schneiden, haben die Friseure während des Lockdowns viele bekommen. „Ein Mann hat mir 100 Euro für einen Kurzhaarschnitt geboten“, erzählt Schweiger.

Illegale Angebote im Lockdown: Mann bietet Friseur 100 Euro für Kurzhaarschnitt

Einige haarige Entgleisungen musste das Friseur-Team schon verarzten. „Manche sehen wild aus“, sagt Schweiger vorsichtig. Ein Mitarbeiter erzählt von einem Unfall – die Frau des Kunden hatte während des Corona-Lockdowns mit einem Rasierer ein Loch in den Haaransatz geschnitten.

Ein Haarschnitt, das hat „auch mit Würde zu tun“: Ministerpräsident Markus Söder verteidigte vor einigen Wochen die Entscheidung, Friseure zu öffnen. Die Kunden im Monaco Cut finden das übertrieben. Glücklich über den neuen Haarschnitt sind sie allemal. „Schön, dass ihr wieder da seid“, sagt ein Mann beim Herausgehen. Die Angestellten lachen.

Im Landkreis München gab es kürzlich Corona-Ausbrüche in Grundschulen und Kitas - einige Gruppen und Klassen wurden daraufhin in Quarantäne geschickt. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.

(Von Max Wochinger)

Rubriklistenbild: © Dieter Michalek

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