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Der Kontakt zu Patienten ist für die Mitarbeiter der Pflegedienste oft nicht zu vermeiden.

Coronavirus

Helfer halten durch: Pflegedienste der Nachbarschaftshilfen trotzen dem Materialmangel

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Das Landratsamt München plant, Hotels in Pflegeeinrichtungen umzufunktionieren – für den Fall, dass häusliche Pflegedienste sich nicht mehr um Senioren kümmern können, die auf Hilfe angewiesen sind. Doch noch trotzen zumindest die Pflegedienste der Nachbarschaftshilfen der Krise. 

Landkreis – Das Landratsamt München plant, Hotels in Pflegeeinrichtungen umzufunktionieren – für den Fall, dass häusliche Pflegedienste sich nicht mehr um Senioren kümmern können, die allein leben und auf Hilfe angewiesen sind. Ansteckungen mit dem Coronavirus könnten Mitarbeiter durch Krankheit und Quarantänezeiten außer Gefecht setzen, so die Befürchtung.

Doch davon könne derzeit nicht die Rede sein, sagt Petra Apfelbeck, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe in Ismaning. Sie möchte mit eventueller Verunsicherung und Ängsten von Pflegebedürftigen im Landkreis aufräumen. „Wir sind personell gut aufgestellt“, sagt sie über sich und die Nachbar-Dienste in Garching und Unterschleißheim. Meldungen über Pflegedienste am Rande des Kollaps, wie es sie aus München oder anderswo gebe, erlebe sie im Landkreis München nicht.

Infizierte können nicht versorgt werden

Etwas pessimistischer gibt sich Andrea Schatz, Geschäftsführerin der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen. „Wir haben nicht ausreichend Schutzkleidung“, benennt sie das Hauptproblem aus ihrer Sicht. Vergangene Woche seien über das Verteilernetzwerk des Landkreises zehn Schutzmasken mit Filter geliefert worden. Wann Nachschub kommt, weiß Schatz nicht.

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„Infizierte könnten wir derzeit nicht versorgen“, sagt sie. Immerhin sei Personal da, wenngleich viele Minijobber wegfielen, die von ihrem Hauptberuf im Krankenhaus derzeit voll beansprucht würden. Ein Pandemieplan sei vorbereitet, um für den Fall von Infektionen im Team die Pflege aufrechtzuerhalten.

Umgekehrt, das beobachtet auch Schatz’ Kollegin Apfelbeck in Ismaning, gebe es derzeit Angehörige, die sich nun selbst daheim um ihre pflegebedürftigen Verwandten kümmern könnten. Das entlaste derzeit die Pflegedienste der Nachbarschaftshilfen.

Auch Hilfe im Haushalt wird weiterhin gebraucht

Das Personal sei gesund und gewarnt: „Schutzausrüstung ist vorhanden und wird sparsam benutzt“, berichtet Apfelbeck aus Ismaning. „Und beim geringsten Kratzen im Hals heißt es: daheimbleiben.“

Nicht nur Pflege, auch Hilfe im Haushalt werde weiterhin gebraucht. Die Ismaninger NBH-Chefin erzählt von einer Frau, deren Bein-Op verschoben werden musste und die nun mit Schmerzen daheim sitze. „Die können wir nicht allein lassen“, sagt Apfelbeck. Wenigstens mal das Bad und die Küche zu putzen – das müsse in solchen Fällen drin sein. Die Bewohner müssten dafür auf Distanz gehen, beispielsweise in einem anderen Raum warten, bis die Arbeit erledigt ist. Das Modell der Hilfe, die ins Haus kommt, empfindet die NBH-Chefin in der Viruskrise sicherer als die Alternativen.

Pflege im Hotel stößt auf Skepsis

Die Idee von der Pflege im Hotel sieht Apfelbeck dagegen mit Skepsis: „Ich würde mich wundern, wenn das gutgeht.“ Schließlich schaffe man so, ähnlich wie in einem Altenheim, eine Situation, in der viele Risikopatienten unter einem Dach lebten. Dazu komme, dass Demenzpatienten enorm darunter litten, aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen zu werden. „Die würden durchdrehen“, sagt Apfelbeck, wenn sie an ihr bekannte Pflegebedürftige denkt. Auch Andrea Schatz von der NBH Taufkirchen sagt: „Das kann nur die letzte Notlösung sein. So weit sind wir noch nicht.“ Stattdessen gelte es, die vorhandenen Ressourcen auszuschöpfen. 

Verwunderung herrscht bei den Nachbarschaftshilfen auch über den Plan eines Freiwilligen-Managements für haushaltsnahe Dienstleistungen wie Putzen oder Kochen. Die Nachbarschaftshilfen verfügten in dem Bereich bereits über leistungsfähige Strukturen mit geschulten Helfern, die besser qualifiziert seien als ungelernte Freiwillige. Das Landratsamt sei aber diesbezüglich nicht auf sie zugekommen, sagt Schatz.

Stärke der Pflegedienste liegt in der Zusammenarbeit

Beide, Schatz und Apfelbeck sehen die Stärke der Pflegedienste der Nachbarschaftshilfen in der Zusammenarbeit. Sollten Mitarbeiter ausfallen, könnten Kollegen aus einer anderen Gemeinde einspringen oder ein Personalpool beispielsweise über Zeitarbeitsfirmen genutzt werden. So funtkioniere die häusliche Pflege im Landkreis München trotz Coronakrise weiter, sagt Apfelbeck. „Wir Nachbarschaftshilfen sind gut vernetzt.“

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