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Eschentriebsterben: Auenwald droht Kahlschlag

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Von: Nico Bauer

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Bitter: Tausende Bäume werden im Winter im Auenwald gefällt. Das Eschentriebsterben hat herbe um sich gegriffen. Doch der Kahlschlag hat auch etwas Gutes.

Schon im Sommer kahl: Die toten Eschen sind nicht mehr zu retten und werden im Winter gefällt.
1 / 9Schon im Sommer kahl: Die toten Eschen sind nicht mehr zu retten und werden im Winter gefällt. © Bauer
Spuren von 150 Jahren Leben: Den Baumstumpf einer alten Esche in den Isarauen zeigt Förster Michael Matuschek.
2 / 9Spuren von 150 Jahren Leben: Den Baumstumpf einer alten Esche in den Isarauen zeigt Förster Michael Matuschek. © Bauer
Heimat für das grüne Heupferd sind die Bereiche des Auenwalds mit viel Sonnenlicht. Die größte Heuschreckenart der Region zählt zu den gefährdeten Arten.
3 / 9Heimat für das grüne Heupferd sind die Bereiche des Auenwalds mit viel Sonnenlicht. Die größte Heuschreckenart der Region zählt zu den gefährdeten Arten. © Bauer
Neues Leben: Auf dem Eschenstumpf wächst eine Ulme.
4 / 9Neues Leben: Auf dem Eschenstumpf wächst eine Ulme. © Bauer
Bereit zum Abtransport: Das Holz der schon gefällten Eschen ist hochwertig für den Möbelbau.
5 / 9Bereit zum Abtransport: Das Holz der schon gefällten Eschen ist hochwertig für den Möbelbau. © Bauer
Dieses hier zum Abtransport bereite Eschenholz ist hochwertig für den Möbelbau. WBV bedeutet Waldbauernvereinigung.
6 / 9Dieses hier zum Abtransport bereite Eschenholz ist hochwertig für den Möbelbau. WBV bedeutet Waldbauernvereinigung. © Bauer
Der Vergleich der Blätter einer toten und einer noch gesunden Esche.
7 / 9Der Vergleich der Blätter einer toten und einer noch gesunden Esche. © Bauer
In diesem Bereich der Isarauen wachsen junge Bäume nach. Die Mischkultur entwickelt sich aus der Natur heraus. Zupflanzungen der Förster sind kaum notwendig.
8 / 9In diesem Bereich der Isarauen wachsen junge Bäume nach. Die Mischkultur entwickelt sich aus der Natur heraus. Zupflanzungen der Förster sind kaum notwendig. © Bauer
Dr. Georg Kasberger, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg, betrachtet eine sterbende Esche. Der kahle Ast in der Mitte zeigt das eindeutig.
9 / 9Dr. Georg Kasberger, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg, betrachtet eine sterbende Esche. Der kahle Ast in der Mitte zeigt das eindeutig. © Bauer

Ismaning – Der Auenwald an der Isar steht vor einer schweren Probe. Das Eschentriebsterben hat dem idyllischen Wald schwer zugesetzt. Im nächsten Winter stehen deshalb Fällungen im großen Stil an. Doch die Krise des Auenwaldes ist auch gleichzeitig eine Chance für die Natur, sagt Förster Michael Matuschek.

Er läuft durch den herrlich grünen Wald, der für den Laien auf den ersten Blick Idylle pur ist. Doch er muss nicht lange suchen, um in den Baumkronen die Entwicklungen des Eschentriebsterbens zu zeigen. Die Bäume sind dem Tode geweiht, der Hallimasch-Pilz gibt vielen Bäumen den Rest. Die Isarau bezahlt nun den Preis für die Dominanz eines Baumes: „Rund 80 Prozent der Bäume sind Eschen, und null bis maximal fünf Prozent können überleben.“ Der Förster hat nach seinen Erfahrungen in den heimischen Wäldern wenig Hoffnung, dass sich gegen die Krankheit resistente Eschen entwickeln und diese sich dann vermehren.

Komplizierte Fällaktion

„In den Wintermonaten müssen wir die kranken Bäume fällen“, sagt Matuschek, „denn hier besteht Lebensgefahr.“ Absterbende Bäume werden immer schwächer und können sowohl auf den viel genutzten Radweg an der Isar fallen als auch auf Häuser, die in Ismaning bis direkt an den Auwald herangebaut wurden. Der Förster weiß um die Probleme in den Hanglagen der Isarau, „wo wir durch die Fällungen die gesunden Bäume nicht treffen dürfen“. Die Aktion wird vor allem im Winter zur Herausforderung. Matuschek hofft auf das Verständnis der Bürger und appelliert an die Vernunft: „Bei den Fällungen hoffe ich inbrünstig, dass sich auch jeder an die Sperrungen hält.“

Es stehen dem Auenwald Fällungen bevor, bei denen ganze Flächen kahlrasiert werden. Diese bieten der Natur nun aber die Chance, den für Pflanzen und Tiere so wichtigen Auenwald breiter, mit mehreren verschiedenen Baumarten aufzustellen. „Wir lassen die Natur so viel wie möglich selbst machen“, sagt der Förster. Mit Freude beobachtet er, wie sich seit Jahren Ulmenarten, Ahornsorten und die in Überschwemmungsbereichen so wertvolle Silberweide vermehren. „Man sieht die großen Selbstheilungskräfte der Natur“, sagt Matuschek, „nur denkt die in ganz anderen Zeiträumen als wir Menschen.“

Grünes Heupferd freut sich

In einem schwer zugänglichen Bereich zeigt sich bereits, wie der Auenwald der Zukunft aussehen könnte. „Wir mussten hier kaum etwas pflanzen“, sagt Matuschek und zeigt auf eine Fläche, auf der tausende Bäume verschiedener Arten wachsen. Die Natur startet selbst einen Wettbewerb, bei dem sich die stärksten Pflanzen durchsetzen, um am Ende 150 oder 200 Jahre alt werden zu können.

Diese Lichtungen mit kleinen Bäumen bieten auch Lebensraum für Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. In den nicht verschatteten Zonen der Isarau findet man etwa das grüne Heupferd. Das ist eine der größten Heuschreckenarten der Region. Der Förster betrachtet mit Freude, wie die Natur schon den neuen Auenwald vorbereitet, in dem es nach den Fällungen der Eschen den einen dominierenden Baum nicht mehr geben wird. Matuschek unterstützt die Natur dabei, dass der Auenwald in den nächsten Jahrhunderten nicht noch einmal eine Krise wie in diesem Jahr erleben wird: „Je breiter der Wald mit den Baumarten aufgestellt ist, desto geringer ist das Risiko, so etwas noch einmal erleben zu müssen.“  

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