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Atommüllfässer

Strahlen-Alarm an der Isar

TU will weiterhin radioaktives Wasser in Isar leiten - Anwohner protestieren heftig

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Seit 20 Jahren leitet die TU München schwach radioaktives Wasser in die Isar. Die Genehmigung läuft bald aus. Gegen die erneute Erlaubnis engagiert sich eine breite Front. Die Öffentlichkeit ist zugelassen.

Ismaning – Vor geisterhafter Kulisse ist gestern über Abwässer aus dem Forschungsreaktor in Garching debattiert worden. Die Technische Universität München (TU) als Betreiberin des Reaktors will auch künftig schwach radioaktives Wasser in die Isar einleiten dürfen. Seit gestern haben Kritiker Gelegenheit, Bedenken vorzutragen. 

Allzu viele Zuhörer fanden sich im Ismaninger Bürgerhaus jedoch nicht ein. Der Erörterungstermin zum wasserrechtlichen Antrag der TU richtete sich an betroffene Isar-Anlieger und an Gruppen oder Einzelpersonen, die Einwendungen gegen die Erteilung der „gehobenen“ wasserrechtlichen Erlaubnis formulierten. Der Antrag des Grünen Landtagsabgeordneten Markus Büchler, die Öffentlichkeit unbeschränkt zuzulassen, wurde genehmigt. 

Radioaktives Wasser in Isar: Zu diesem Zeitpunkt läuft die Erlaubnis aus

Doch drängten sich vormittags gegen neun Uhr nur eine Handvoll Grünen-Politiker in die erste Reihe des Bürgersaals. Dahinter gähnend leere Ränge in dem bis auf den letzten Platz voll bestuhlten Saal. Alles in allem sind kaum ein gutes Dutzend Leute mit Einwendungen vor Ort gewesen.

Leere Reihen:Zum ersten Erörterungstermin kam kaum jemand, außer einige Einwender um den Grünen-Landtagsabgeordneten Markus Büchler (hinterer Tisch, 3.v.l.).

Ende des Jahres läuft sie aus, die wasserrechtliche Erlaubnis für die TU, schwach radioaktives Wasser in die Isar einzuleiten. Schwach radioaktiv ist, was in den Laboren der Forschungs-Neutronenquelle Heinz-Maier-Leibnitz (FRMII) und im RCM, der Radiochemie auf dem Forschungsgelände, beispielsweise beim Säubern von Instrumenten kontaminiert worden ist. Seit 20 Jahren darf die TU solche Abwässer in die Isar einleiten.

Radioaktives Wasser in Isar: „Kipp ja auch nicht mal schnell ein bisschen Altöl rein“

Bis auf die Stadt Garching wenden sich Isar-Anlieger der Nordallianz gegen den TU-Antrag, den Gastgeber der Veranstaltung, die Gemeinde Ismaning, eingeschlossen. Die Kommunen sorgen sich um die Qualität des Trinkwassers, fürchten eine künstliche Erwärmung der Isar. Umweltverbände, Grüne und betroffene Anlieger wehren sich mit annähernd 1400 Einwendungen.

Seit dem ersten Erörterungstermin vor 20 Jahren – damals in Garching – versichert die TU, dass von dem Abwasser keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht. Diese Diskussion wollen Kritiker wie Markus Büchler gar nicht erst führen. „Ein bisschen Radioaktivität? Das geht schon?“, entfuhr es dem Landtagsabgeordnete. „Ich kipp ja auch nicht mal schnell ein bisschen Altöl in die Isar.“ Büchler erinnert an das Vorsorgeprinzip, das für ihn beim Plastikbecher anfängt. „In den Fluss gehört überhaupt kein Dreck.“

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Der Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, sieht die Behörden in der Pflicht, eine sichere und nicht umweltgefährdende Entsorgung zu gewährleisten. Teile der Isar seien geschütztes FFH-Gebiet. „Die Gegend ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien“, schreibt von Brunn in einer Pressemitteilung. Radioaktiv belastetes Wasser in der Isar zu entsorgen, erachtet der SPD-Politiker als „völlig undiskutabel“.

Zur Erörterung des TU-Antrags sind zunächst zwei Tage angesetzt, gestern und heute. Bei Bedarf wird der Termin verlängert. Über den Antrag entscheidet das Landratsamt. Ein Termin steht noch nicht fest. Wenn es so weit ist, geht der Bescheid zunächst an das Bayerische Umweltministerium, dann an die TU. Hernach liegt das Dokument in den betroffenen Gemeinden, von Freising bis Garching, öffentlich aus.

Weil ein knapp unter der Wasseroberfläche liegender Baumstamm Boote zum Kentern bringt, darf die Isar auf einem Teilstück nicht befahren werden.

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