Der Ismaninger Golfer Thomas Rosenmüller beim Abschlag bei den Starnberg Open im August; er belegt dort als bester Profi Platz zwei. 	Foto: Frank Föhlinger
+
„Ich spiele in diesem Jahr mein bis dato bestes Golf“: Bei den Starnberg Open im August belegt Thomas Rosenmüller als bester Profi Platz zwei.

Thomas Rosenmüller aus Ismaning über seinen ersten Profi-Sieg, Corona und eine grandiose Idee

„Golf ist ein sehr einsamer Sport“

  • vonGuido Verstegen
    schließen

Für den Ismaninger Thomas Rosenmüller geht dieser Tage ein verrücktes Jahr zu Ende: Erster Sieg als Profi-Golfer, erste Zwangspause im Corona-Lockdown, weitere Erfolge und Aufstieg zur European Challenge Tour, zweiter Corona-Lockdown und neue Ungewissheit. Der 23-Jährige über einen einsamen Sport und eine grandiose Idee.

Ismaning – Als Thomas Rosenmüller Mitte Februar in Casablanca/Marokko souverän den Auftakt zur Pro Golf Tour 2020 gewann, da strotzte er nur so vor Selbstbewusstsein. Er wolle mit drei Siegen direkt zur European Challenge Tour aufsteigen, formulierte er damals ein klares Ziel. Dann kam die erste Corona-bedingte Zwangspause, und er drohte seinen Flow zu verlieren.

Doch Rosenmüller behielt die Nerven, zog in einem selbst gezimmerten Golf-Käfig im Garten seines Elternhauses in Ismaning diszipliniert sein Trainingsprogramm durch und setzte dann sein Vorhaben in die Tat um. Ende August siegte er auch beim Turnier im tschechischen Kynzvart, Anfang September machte der 23-Jährige mit seinem dritten Saisonerfolg in Haus/Österreich den Aufstieg in die Zweite Liga der Profi-Golfer perfekt und ließ sich beim Saisonfinale in Adendorf bei Hamburg als Gesamtsieger feiern.

„Ich spiele in diesem Jahr mein bis dato bestes Golf“, sagt der 23-Jährige, den jetzt der zweite Corona-Lockdown ausbremst. Diesmal begegnet er der neuerlichen Ungewissheit nicht mit Technik-Übungen im Käfig Marke Eigenbau, sondern mit Range-Training auf saftigem Rasen in Texas: „In den letzten Tagen habe ich in T-Shirt, kurzer Hose und Top-Bällen trainiert, das ist schon ein gutes Gefühl.“

Abschlagkäfig Marke Eigenbau: Im Garten seiner Eltern trainiert Rosenmüller während des Lockdowns.

Herr Rosenmüller, war der erste Corona-Lockdown im Frühjahr für Sie ein Hindernis – oder eine Fügung?

Es war beides – am Anfang war es natürlich schwierig, weil ich kurz vor der Corona-Pause sehr gut gespielt habe. Da hatte ich meinen ersten Sieg, war dreimal in den Top Ten und bin dann ziemlich weit oben in der Order of Merit gewesen. Dann hieß es plötzlich, es ist erst einmal alles auf unbestimmte Zeit gestoppt. Ich war in einer super Position, mich direkt zu qualifizieren – und dann das.

Wie sind Sie mit diesem Rückschlag umgegangen?

Ich habe mich entschieden, zuhause zu trainieren: Am Freitag, dem 13. März, kam ich aus Marokko zurück – einen Tag später hat das Land komplett dichtgemacht, ich saß glaube ich im vorletzten Flieger, der Marokko verlassen hat. Eine Woche später waren dann in Deutschland außer den Supermärkten alle Geschäfte zu, mein Vater und ich sind noch schnell in den Baumarkt und haben Material für eine Abschlaghütte bei uns im Garten gekauft – die Golfplätze waren ja auch geschlossen. Mit einer alten Matte aus dem Golfclub und meinen eigenen Bällen habe ich mich dann ausschließlich auf meinen Schwung konzentriert. So gesehen war es also eine Fügung…

…inwiefern?

Als ich aus der Corona-Pause rauskam, war ich mit meinem Schwung, mit meiner Technik so zufrieden wie noch nie, und auch mein Trainer Ken Williams meinte, in der Hinsicht hätte es fast nicht besser laufen können. Eineinhalb Monate habe ich da ohne Leistungsdruck meine Bälle schlagen können, dabei hat es Klick gemacht bei mir.

Die Ergebnisse sprachen dann tatsächlich für sich.

Stimmt, nach dem Re-Start habe ich in Adamstal in Österreich Mitte Juli zum ersten Mal bei einem Turnier der European Tour den Cut geschafft und bin 13. geworden.

Hatten Sie da eine Wildcard?

Na ja, man meldet sich eigentlich überall an und schaut, dass man irgendwo ins Feld reinrutscht. Wegen der unterschiedlichen Corona-Reiseregelungen konnten Spieler vieler Nationen gar nicht starten.

Danach ging’s bei der Pro Golf Tour weiter.

Ja, wieder zwei Stufen tiefer. Das war dann tatsächlich eine Gratwanderung – du darfst nicht überheblich werden, nur weil du mit den Großen mitgehalten hast. Du musst ja immer wieder eine richtig gute Woche haben. Und auf der Pro Golf Tour kann man seine Kosten nur decken, wenn man unter den Top Ten landet.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Charakterzug, um im Profi-Golf Fuß fassen zu können?

Man muss mit sich selbst auskommen. Es ist ein sehr einsamer Sport, du bist knapp 35 Wochen im Jahr unterwegs.

Wann denken Sie, geht’s mit der Tour weiter?

Ich warte tagtäglich darauf, dass unser Turnierplan fürs nächste Jahr rauskommt. Auch wenn’s erst im Mai weitergehen sollte, muss ich nicht noch ins kalte Deutschland fliegen. Trainieren kann ich hier eh viel besser – im Moment sind’s 19 Grad.

Klingt gut…

Zumal wir mit den besten Bällen trainieren, das gehört hier einfach zum Standard. Jetzt ist es wichtig, mit der bestmöglichen Vorbereitung über den Winter zu kommen und auf kleineren Turnieren möglichst viel Spielpraxis zu sammeln. Turniererfahrung ist unbezahlbar, vielleicht geht’s ja doch im Januar in Südafrika weiter.

Wie oft trainieren Sie?

Fast jeden Tag, aber nicht so viel wie andere. Mein Training ist inzwischen sehr strukturiert, ich muss nicht jeden Tag zehn Stunden auf dem Platz sein, da reichen zweieinhalb Stunden mit vollem Fokus.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Klar, erst einmal die Karte halten. Aber im Grunde genommen will ich geradeaus durchmarschieren, ich habe dieses Jahr durchgängig sehr gutes Golf gespielt, und jetzt geht’s darum, dieses Level zu halten.

Was geben Sie denn im Jahr an Geld aus fürs Fliegen?

Zu viel. Aktuell bin ich immer noch Sponsor-frei, vor ein paar Wochen habe ich mich für eine Management-Agentur entschieden, die mich in dieser Richtung unterstützt. Der Sprung von der Pro Golf Tour auf die Challenge Tour bedeutet eine Verdreifachung von dem, was man an Geld braucht, da liegen die Reisekosten zwischen 50.000 und 80.000 Euro. Ich bezahle alles aus eigener Tasche, das heißt auch mehr Druck.

Was zeichnet Sie als Golfer denn am meisten aus? Wo liegen Ihre Stärken?

Erfolgreiches Gespann: Thomas Rosenmüller (l.) und sein langjähriger Trainer Ken Williams.

Früher hätte ich gesagt, das sind meine kurzen Putts oder auch mein Driven. Inzwischen ist aber alles auf einem guten Level, das zeigen auch meine persönlichen Statistiken in diesem Jahr.

Seit 13 Jahren coacht sie der Engländer Ken Williams, seit fast 30 Jahren ist er beim GC Eichenried. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit, und was zeichnet Ihr Miteinander aus?

Er hat mich damals sehr schnell in eine seiner Leistungsgruppen geholt, seitdem bin ich bei Ken. Zwischen Trainer und Spieler muss das Menschliche passen, da muss eine Freundschaft da sein und eine gewisse Ehrlichkeit. Wir haben auch unsere eigene Art, uns zu verständigen, Ken motiviert mich auf die ihm eigene Weise, für Außenstehende ist das nicht immer nachvollziehbar. Ein Beispiel: Ich bin nach zwei gewonnenen Turnieren auf der Range, stehe da und schlage ein paar Bälle, Ken kommt um die Ecke, da stehen noch 15 Leute außen rum und er brüllt einfach nur „Junge, du kannst gar nichts!“ Das ist seine Art, mir zu sagen, dass wir noch lange nicht da sind, wo wir hinwollen.

.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare