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Für 15 Pfennig konnten sich Fahrgäste einst per Fähre über die Isar schiffen lassen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1950. Zehn Jahre später wurde der Betrieb eingestellt, als die Brücke eröffnet wurde.

Brücke an B471 derzeit gesperrt

Keine Brücke, kein Problem: Früher schiffte eine Fähre Pendler über die Isar

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Als es die Isarbrücke noch nicht gab, verband Ismaning und Garching eine Fähre. Eine Option, mit der genervte Pendler wegen der Brückensanierung samt Sperre auch heute liebäugeln.

Ismaning/Garching – Das dicke, rot gebundene Album hütet Max Schmidramsl wie einen Schatz. Historische Fotos, unzählige Zeitungsausschnitte – der 76-Jährige hat über Jahrzehnte die Geschichte der Gemeinde Ismaning akribisch dokumentiert. Und natürlich finden sich in diesem Privatarchiv auch Berichte über die Isarbrücke. Wie sie der damalige Landrat Peter Hecker im Juli 1959 mit einer Zeremonie für den Verkehr freigab. Und wie mit der Eröffnung der Brücke der Fährbetrieb, der seit 1877 zwischen Ismaning und Garching existierte, sein Ende nahm.

Den Redakteur des Münchner Merkur lassen Max Schmidramsl und seine Frau Traudl (74) in ihrem Hotel und Gasthof „Neuwirt“ stöbern; zufällig gesellt sich auch Pfarrer Markus Brunner (48) hinzu. Jeder hat zum Thema Brücke eine Meinung – und Ehepaar Schmidramsl berichtet sogar eine ganz besondere Anekdote, die so nicht im dicken Archivband zu finden ist.

Ein Blick in die Privatchronik: Pfarrer Markus Brunner (l.) blätterte mit Traudl und Max Schmidramsl durch die gesammelten Zeitungsausschnitte und Fotos.

„Die Staus im Moment sind schon mühsam. Man muss immer mit Zeitpuffer unterwegs sein“, sagt Pfarrer Brunner. Max Schmidramsl bekommt von seinen Hotelgästen den Unmut über die 20-Kilometer-Umleitung zu hören: „Es ist halt schon ein Unterschied, ob jemand nur ein paar Minuten braucht oder eine halbe Stunde.“ Manch genervter Autofahrer frotzelt – mit einem Fünkchen Ernst – ob sich nicht der Fährbetrieb wieder aufnehmen lasse.

Isarbrücke gesperrt: So war es zur Zeit der Fähre

Anlegestelle: Auf der Garchinger Seite stiegen die Fahrgäste hier aus. Die Stufen, die zum Ufer führten, gibt’s noch.

Heute wissen das viele gar nicht mehr, aber von 1877 bis 1960 verkehrte regelmäßig, etwa 500 Meter südlich der heutigen Brücke, eine Isarfähre zwischen Ismaning und Garching. Auf der Garchinger Seite sind immer noch die historischen Treppenstufen, wenngleich ein bisschen überwuchert, gut zu erkennen. Am Ufer in Ismaning indes hat ein Erdrutsch die Überreste zerstört; die Idee, an der einstigen Fähranlegestelle die Stufen wiederherzustellen und eine Infotafel aufzustellen, lehnte der Gemeinderat einst ab.

„Fähre ade!“ heißt es auf einer vergilbten Seite in Max Schmidramsls Album. „Mein Großvater war kurzzeitig Mitbetreiber der Fähre“, erinnert sich der 76-Jährige. „Man musste damals nur an einer Glocke läuten, dann kam jemand für die Überfahrt.“ Den Fährdienst hatte Ende des 19. Jahrhunderts zunächst der Isarfischer Johann Lupperger übernommen, der an beiden Ufern Holzständer errichtete, eine Leine spannte und daran sein Boot befestigte. 1905 ließ Korbinian Schmidramsl Eisengerüste setzen fürs Fährseil. Später, ab Weihnachten 1919, kümmerte sich die Familie des Isaranglers Matthias Huber um die Fähre. Fahrpreis: 15 Pfennig.

Überliefert ist auch der Drahtseilakt, der aus einer Wette während des Oktoberfests 1954 resultierte. Der Limonadenfabrikant Fritz Schauer und der Kaminkehrer Franz Kriechbaum überquerten die Isar damals auf dem Fährseil in 15 Metern Höhe – mit einem Fahrrad; Ernst Aschbacher fotografierte die tollkühne Aktion, die über Ismanings Grenzen hinaus Aufsehen erregte.

Drahtseilakt: In 15 Meter Höhe überquerten Fritz Schauer und Franz Kriechbaum die Isar auf dem alten Fährseil.

Mit dem Bau der Heckerbrücke, benannt nach dem Landrat, neigte sich der Fährbetrieb dem Ende zu – er lief nur noch knapp ein Jahr lang parallel bis zum 30. Mai 1960. „Die Brücke war ja für die Garchinger auch ein beliebter Zubringer zum Lichtspielhaus Ismaning“, blickt Max Schmidramsl zurück.

Ehepaar Schmidramsl hatte erstes Date auf der einst neuen Brücke

Fürs Ehepaar Schmidramsl bleibt die Brückeneröffnung 1959 in ganz besonderer, persönlicher Erinnerung. „Durch die neue Brücke habe ich meinen Max überhaupt erst kennengelernt“, erzählt Ehefrau Traudl. Die neue Verbindung machte es möglich: „Ich war damals Schützenfahnenbraut in Garching, Max Schützenkönig in Ismaning. Unser erstes Rendezvous hatten wir mitten auf der Brücke.“

Daraus entstand eine Verbindung für die Ewigkeit. In puncto Verkehrsverbindung müssen Autofahrer vorerst – mangels Fähre – auf den Spuren und Umwegen von anno dazumal Geduld aufbringen: Noch voraussichtlich bis zum 6. September dauert die Komplettsperre der Brücke an.

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