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Der rote Bereich kennzeichnet den ersten Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Garching Süd (A9) und der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning (A 99). Der zweite Abschnitt (blau) verläuft von der B388 bis zum Birkenhof.

Bürgermeister wünschen sich andere Lösung

B 471: Kritik am vierspurigen Ausbau

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Der vierspurige Ausbau der B471 zwischen Garching und Aschheim/Ismaning steht bevor. So will es der Freistaat. Auch wenn sich Garchings und Ismanings Bürgermeister eine andere Lösung wünschen würden. Bis 2030 soll der Ausbau mindestens dauern. 

Garching/Ismaning – Über 20 000 Fahrzeuge fahren jeden Tag auf der B 471 zwischen Garching und Aschheim, Tendenz steigend. Neben dem normalen Berufsverkehr drücken sich zusätzlich Pendler von der A 9 und der A 99 auf die Bundesstraße, um den Staus zu entgehen. Nicht zuletzt deshalb staut es sich fast täglich auf der B 471. Dieses Problem will der Bund mit einem Ausbau auf vier Spuren begegnen, die Planungen werden dieses Jahr ausgeschrieben. Die Stadt Garching und die Gemeinde Ismaning sind wenig begeistert. Die Wünsche: bessere Kreuzungen sowie mehr Platz für Nahverkehr und Ortsentwicklung.

Hinauslaufen wird es wohl dennoch auf vier Spuren. „Wir haben die Aufgabe, die B 471 vierstreifig auszubauen“, erklärt Stefan Rinderer, Bauoberrat beim Staatlichen Bauamt Freising: „Das ist fast schon gesetzesähnlich.“ Heißt: Daran werden auch der einstimmige Garchinger Stadtratsbeschluss gegen den Ausbau sowie der Protest aus Ismaning nichts ändern. Die einzige Möglichkeit, den Ausbau zu verhindern: eine bessere Variante.

Gruchmann favorisiert Ausbau der Kreuzungen

Darauf hofft zumindest Garchings Rathauschef Dietmar Gruchmann (SPD). Er favorisiert eine zweispurige B 471 mit ertüchtigten Kreuzungen. „Die Kreuzungen sind der Grund, warum es sich staut.“ Deshalb schlägt er einen Kompromiss vor. „Wenn wir die B 471 verbreitern, könnte man die Tangentialverbindungen stärken. Etwa mit einer Busspur auf der Nordseite.“ Eine solche Spur könnte die geplanten Ringbus-Linien attraktiver machen und S- und U-Bahn besser verbinden. Dafür hatten sich auch viele Garchinger auf der Bürgerversammlung ausgesprochen.

Weil sich der Ausbau der B 471 wohl über Jahre zieht und „die Leute heute im Stau stehen“ wirbt Gruchmann für eine zusätzliche ÖPNV-Variante: die Seilbahn, über die zuletzt in Dachau diskutiert wurde. „Wenn eine Seilbahn schneller umzusetzen und günstiger ist und weniger Energie braucht als Busse, dann nehmen wir sie.“

Greulich hält Tunnel-Variante für vorstellbar

In Ismaning hofft Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) darauf, dass die B 471 unter die Erde verlegt wird. Im Sinne der Ortsentwicklung. „Wir haben nur nach Osten Potenzial, das wollen wir nicht abschneiden.“ Als gelungenes Beispiel nennt er den S-Bahn-Tunnel, durch den sich Ismaning an der Oberfläche weiterentwickeln konnte. Greulich unterstützt seinen Amtskollegen Gruchmann, dass die Knotenpunkte, etwa die Kreuzung Freisinger Straße/B 471, das Problem sind. Wobei er einem vierspurigen Ausbau nicht ablehnt. Aber: „Es bringt nichts, wenn sich dann der Verkehr an der Kreuzung nach Dirnismaning wieder staut.“

Der gewünschte Tunnel könnte einen weiteren positiven Aspekt haben. Auf der bisherigen B 471 könnte ein Radschnellweg entstehen. „Die Grundstücksverfügbarkeit wäre schon gegeben, die Strecke wäre kreuzungsfrei und schnell“, befindet Greulich. Ein Tunnel wäre sogar wahrscheinlicher, als dass der Ausbau verhindert wird. „Grundsätzlich ist der Lärmschutz ein großes Thema. Um den einhalten zu können, gibt es viele Varianten“, sagt Stefan Rinderer. Beispielsweise eine B 471 unter der Erde. Allerdings sei es auch eine Frage der Kosten. „Wir müssen rechtfertigen, wie wir die Steuergelder verwenden.“ Und wenn der Lärmschutz mit einer zwei Meter hohen Wand eingehalten werden kann, wäre eine Tieferlegung der B 471 wohl nicht zu begründen.

Doch welche Auswirkungen hätte ein B 471-Tunnel auch auf die Umwelt? Gerade im Bereich der Ismaninger Speicherseen stelle sich diese Frage. „Naturschutz bedeutet immer viel planerische Abstimmung und Zeitaufwand. Außerdem muss man über Ausgleichsmaßnahmen nachdenken“, erklärt Rinderer.

Hinter dem Tunnel steht also ein großes Fragezeichen. Der Bauoberrat wirbt für den vierspurigen Ausbau: „Unterm Strich bedeutet das weniger Stau.“ Wobei das während der Bauphase stark angezweifelt werden darf. Denn neben der B 471 wird die A 99 ausgebaut. Bei zeitgleichen Baumaßnahmen könnte sich der nordöstliche Landkreis endgültig zur Stauhochburg aufschwingen. Wie sich der Ausbau auf die viel diskutierte Autobahnparallele entlang der A 99 auswirkt, ist unklar.

Ausbau dauert bis mindestens 2030

Die B 471 wird in den kommenden Jahren zwischen der A 9/Anschlussstelle Garching Süd und der A 99/Anschlussstelle Aschheim/Ismaning auf vier Spuren erweitert. Zuvor wird in diesem Sommer die Isarbrücke zwischen Garching und Ismaning saniert und deshalb in den Sommerferien auf eine Spur mit Einbahnregelung verengt. Anschließend steht der Ausbau von der Staatsstraße 2350/Münchner Straße bis zur B 388 an, bei dem die Isarbrücke komplett neu aufgebaut wird. Stefan Rinderer vom Staatlichen Bauamt Freising rechnet ab Planungsbeginn mit acht Jahren, bis der erste Abschnitt ausgebaut ist. Für den zweiten Abschnitt von der B 388 bis zum Birkenhof kurz vor der AS Aschheim/Ismaning wird parallel geplant für einen lückenlosen Übergang der Bauarbeiten. Frühestens 2030 dürften die Arbeiten abgeschlossen sein.

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