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Vereinssport macht Spaß und ist gesund für Kinder, so lange keine schädigenden Trainingsmethoden angewandt oder falsche Ideale vermittelt werden.

Falsches Training nach alten Methoden

Ein Arzt kritisiert: Vereinssport macht Kinder kaputt

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Sportvereine und Trainer machen unsere Kinder kaputt. Das sagt Werner Bartens, Arzt und Autor mehrerer Bestseller. Seine streitbaren Thesen hat er nun bei einem Vortrag vorgestellt.

Ismaning – Zwölfjährige, die im Handballtraining Übungen wie Klappmesser und Kastenspringen machen. Schnitt. Ein Dirk Nowitzki, der trotz 38,6 Grad Fieber auf dem Basketballfeld steht – und dafür gefeiert wird. Schnitt. Eltern, die sich am Rand eines F-Jugendspiels prügeln. Schnitt. Und ein Ex-Drittligakicker, der mit Ende Vierzig nicht mal mehr zum Joggen gehen kann, weil seine Knie so kaputt sind.

Es sind derlei Szenen, so erzählt es Werner Bartens, die ihn zum Nachdenken angeregt hätten. „Ich habe mir gedacht: Da läuft was falsch, das kann nicht der Gedanke von Vereinssport sein“, sagt der 50-jährige Arzt und Autor bei seinem Vortrag in der Ismaninger Gemeindebücherei. Dort stellt Bartens sein Buch vor, das den provokanten Titel trägt: „Verletzt, verkorkst, verheizt. Wie Sportvereine und Trainer unsere Kinder kaputtmachen.“

Kaum Zahlen und Fakten

Allein dieser Titel wird zigtausende Eltern, Übungsleiter und Ehrenamtliche in den Vereinen aufschreien lassen. Wobei der Autor zu Beginn seines Vortrags erst mal zurückrudert. Er selbst mache und schaue leidenschaftlich Sport, betont er. Und: „Ich weiß um seinen gesundheitlichen Nutzen.“ Überdies gebe es auch Positivbeispiele von Vereinen und Trainern, gesteht Werner Bartens zu. Doch dann folgt ein großes Aber, das er eine Stunde lang mit reichlich Anekdoten und Beobachtungen, aber leider kaum mit Zahlen und Fakten unterfüttert.

Auf drei Wegen, so argumentiert Bartens, schädige der Vereinssport oftmals die Kinder. Erstens bei falschem Training nach überholten Methoden, was zu schweren gesundheitlichen Folgeschäden führen könne – von der Früharthrose bis zum künstlichen Hüftgelenk mit Anfang Vierzig. Bartens spricht von 1,5 Millionen Sportverletzungen pro Jahr in Deutschland, sechzig Prozent davon im Vereinssport. Und davon wiederum ließen sich laut Experten achtzig Prozent verhindern – mit dem richtigen Training, den richtigen Übungen und einem richtigen Aufwärmen.

Werner Bartens ist Arzt und Autor des Buches „Verletzt, verkorkst, verheizt. Wie Sportvereine und Trainer unsere Kinder kaputtmachen.“ 

Zweitens, so Bartens, geben viele Vereine und Trainer dem Nachwuchs fragwürdige Werte mit auf den Weg, vor allem bei Teamsportarten wie Fußball. „Was lernen die Kindern besonders früh? Versteckte Fouls, Schwalben und Spielverzögerung“, zählt der Autor auf. Der Fair-Play-Gedanke sei längst in den Hintergrund gerückt. Stattdessen herrsche bereits bei F-Jugendspielen in der untersten Liga „eine aufgeheizte, aggressive Atmosphäre“, sagt Bartens. „Das ist Krieg!“ Und zuletzt würden den Kinder, drittens, falsche Ideale vermittelt – etwa wenn der Turner Andreas Toba bei Olympia trotz Kreuzbandriss ans Pauschenpferd gehe und hinterher als Held gefeiert werde. „Ich finde, das ist kein Vorbild“, betont Bartens.

Zustimmung aus dem Publikum

Sein Frontalangriff auf den Vereinssport stößt bei der anschließenden Diskussion mit den leider nur rund zwei Dutzend Zuhörern kaum auf Widerworte – und das, obwohl mehrere Jugendtrainer im Publikum sitzen. So auch Klaus Krecken, seit Jahrzehnten bei den Handballern des TSV Ismaning aktiv. „Ich war ehrlich gesagt skeptisch, als ich den Titel gelesen habe“, sagt er. „Aber der Vortrag hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die verschiedenen Trainer-Typen, das Problem mit den Eltern und falsche Vorbilder – all das trifft wirklich zu.“

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