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Den Hofalltag lernen die Besucher bei Magdalena Stangl kennen. Die Kinder dürfen die Hühner füttern, deren Eier es beim Frühstück zum Essen gibt.

„Der Verbraucher weiß ja oft gar nicht, was Sache ist.“

Erleben, wie Heimat schmeckt: Landwirtin sucht Dialog mit Verbrauchern

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Ismanings Vize-Ortsbäuerin Magdalena Stangl lädt Interessierte zu einem „Frühstück auf den Bauernhof“ ein. Dabei will sie mit den Verbrauchern über die Landwirtschaft sprechen.

Ismaning – Inmitten ihrer Hühnerschar steht die Bäuerin Magdalena Stangl und schaut hinaus in die braun und grün gefleckte Weite der Münchner Schotterebene. Staubwirbel wabern über die Äcker, auf denen ihre Nachbarn mit dem Pflug unterwegs sind. Der Wind zerzaust ihr das Haar. „Brutal“, sagt sie über die Trockenheit vor ihren Augen. Dann schaut sie auf die sich zu ihren Füßen drängenden und pickenden Hühner, die die letzten Körner ausraufen, die die 58-Jährige soeben ausgestreut hat, und lächelt. „Weizen mögen sie am liebsten.“

Stangl, stellvertretende Ortsbäuerin von Ismaning, ist keine, die hadert. Aber sie setzt sich ein für ihren Berufsstand, möchte den Menschen vermitteln, was die Landwirte der Region umtreibt – im Guten wie im Schlechten. Deshalb macht sie mit bei der Aktion der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband, lädt 20 Besucher zum Frühstück auf ihren Hof „beim Schimpf“, so der Hausname, ein. „Der Verbraucher weiß ja oft gar nicht, was Sache ist“, sagt sie. „Viele würden bestimmt gerne mal mit jemandem über Landwirtschaft reden.“

Frühstücken, Hof besichtigen, ratschen

Deshalb wird sich die Bäuerin Mitte Mai in ihre Küche stellen und Landkräuter-Omelettes aus Eiern von ihren gut 70 Hühnern brutzeln. Außerdem gibt es hausgemachten Erdäpfelkäs mit Kartoffeln vom Nachbarhof, frisch gebackene Donauwelle und selbst eingeweckte Marmelade. Erdbeere, Johannisbeere, Quitte, das sind die Haussorten. Der genaue Speiseplan steht noch nicht fest, vielleicht gibt es mittags auch noch Weißwürste vom Metzger aus dem Ort und Ismaninger Bier. Regional soll das „Frühstück am Bauernhof“ jedenfalls ausfallen, damit die Besucher aus der Stadt und der Region merken, wie Heimat schmeckt. Und dabei über Landwirtschaft ratschen, während die Kinder eine Runde auf dem Traktor mitfahren oder die Hühner füttern dürfen.

Stangl, die ihren Elternhof und den ihres Mannes wenige Kilometer gemeinsam mit ihm betreibt, ist dafür eine ideale Gastgeberin. Schon als Kind hat sie aus dem Schupfen Krautköpfe verkauft, während die Eltern auf dem Feld arbeiteten. Damals, als die Familie noch Kühe, Stiere und Schweine hielt. Heute sind noch die Hühner übrig, und Stangl baut auf dem berühmten Ismaninger Almboden Rotkraut, Weißkraut, Mais, Weizen und Gerste an. Eier, Kraut und dazu Kartoffeln vom Nachbarn verkauft sie ab Hof an eine treue Stammkundschaft. Den alten Stall ersetzt eine neue Lagerhalle, quer zum Hof, damit der Wind nicht so durchpfeift. Dort drin, schwebt der Landwirtin vor, auf einem Hänger, wird sie das Büfett aufbauen.

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Es hat sich immer wieder was getan auf dem Hof der Familie. Stangl macht nicht den Eindruck, als ginge es ihr bei dem Frühstück darum, den Ruf der Landwirtschaft zu retten, den nach dem „Volksbegehren Artenschutz“ manche ramponiert sahen. „Wir sind keine Eiferer“, sagt sie. Blühstreifen für die Insekten gebe es auf ihrem Hof eh schon seit Jahren, drüben am Krautacker, ganz freiwillig. Und statt Klärschlamm als Dünger bleibt lieber das Stroh nach dem Dreschen auf dem Feld.

Vergangenes Jahr war die Gerstenernte auf ihrem Hof zwischen Ismaning und der Landkreisgrenze zu Erding ein Ausfall – die Dürre. „Aber der Almboden hält das Wasser gut“, gibt sich die Bäuerin zuversichtlich. Stangl ist keine, die hadert. Aber eine, die mit den Leuten reden will.

Anmeldung und Frühstück im Landkreis-Süden

Das Frühstück auf dem Bauernhof findet auf dem Hof von Magdalena Stangl, Erdinger Straße 27 in Ismaning, am Sonntag, 19. Mai von 10 bis 13 Uhr statt – Anmeldung notwendig unter Tel. 089/96 73 65. Die Teilnahme kostet zwölf Euro Unkostenbeitrag für Erwachsene und vier Euro für Kinder. 

Im Landkreis-Süden laden Monika (38) und Martin (44) Stadler tags zuvor am Samstag, 18. Mai, von 9.30 bis 13 Uhr auf ihren Hof in der Holzkirchener Straße 15 in Peiß bei Aying ein. Dort gibt es zum Frühstück eine deftige Brotzeit mit Kartoffeln, Eiern und Milch vom eigenen Hof. Anschließend gibt es für die Besucher eine Betriebsführung, unter anderem durch den Milchkuhstall mit Melkroboter. Anmeldung unter Tel. 080 95/87 33 52. Der Unkostenbeitrag beträgt 18 Euro für Erwachsene und acht Euro für Kinder bis 14 Jahre.

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