Mitten in der Kunst stehen die Besucher in der Ausstellung von Lena von Goedeke, hier das Werk „Equipment first“. Es besteht aus Gummistiefeln aus Ton und einem Vorhang, der das ewige Eis in Spitzbergen veranschaulicht.
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Mitten in der Kunst stehen die Besucher in der Ausstellung von Lena von Goedeke, hier das Werk „Equipment first“. Es besteht aus Gummistiefeln aus Ton und einem Vorhang, der das ewige Eis in Spitzbergen veranschaulicht.

Ausstellung

Inspiration bei minus 40 Grad: Kallmann-Preisträgerin verarbeitet Spitzbergen-Expedition in ihrer Kunst

  • vonNico Bauer
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Bei minus 40 Grad ist Lena von Goedeke durch Spitzbergen gereist. In einer Ausstellung verarbeitet die Kallmann-Preisträgerin die Erfahrungen ihrer Expedition.

Ismaning – Längst zieht das Kallmann-Museum überregional Besucher an, weil hier immer wieder Künstler ausstellen, deren Werke weit über das aufgehängte Rechteck hinausgehen. In diese Reihe passt auch die dritte Kallmann-Preisträgerin Lena von Goedeke, die für ihre Gewinnerausstellung einzigartige Werke geschaffen hat. Sie spielt mit den Räumen und hat Kunst zum Nachdenken geschaffen.

Während die ganze Welt gegen Corona kämpfte, war Lena von Goedeke ohne Infektionsgefahr, aber eben auch bei knackigen minus 40 Grad auf einer Expedition in Spitzbergen, einem Archipel zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Unter extremen Bedingungen machte sie Erfahrungen, die sie nun auch für die Ausstellung in Ismaning künstlerisch verarbeitet hat.

Museumsleiter: „Ich bin total begeistert“

So hängt im großen Raum ein Vorhang, der die Berge im ewigen Eis andeutet, drumherum stehen Gummistiefel in verschiedenen Zuständen. Der Gast steht damit mitten im Kunstwerk und kann die Stiefel erforschen. Was nach Gummi aussieht, ist gebrannter Ton, der dann mit Wasser wieder aufgeweicht wurde. Die Stiefel sind weiß ohne Chichi und teilweise kaputt. Eine Hommage an Spitzbergen. Die Künstlerin zeigt, dass in extremen Situationen die Kleidung des Menschen nicht schön, sondern effektiv und vor allem schützend sein soll. Ein anderes Beispiel ist eine schöne Daunenjacke mit Seepocken. Auf den ersten Blick wirken die Seepocken störend auf dem schönen Kleidungsstück. Das klimatische Umdenken der Menschheit beinhaltet aber die Aussage, dass die Kleidung der Menschen irgendwann als Müll in einem der Weltmeere landet und die Seepocken in deren Heimat stört.

Der Kallmann-Preis

Der Kallmann-Preis geht in die vierte Auflage und befindet sich nun in der heißen Phase. Zum Thema „Tier“ können sich Künstler noch bis 20. Juni bewerben. Dem Gewinner winkt eine Ausstellung von 11. Dezember bis 20. Februar sowie eine hochwertige Publikation. Tier, Portrait und Landschaft waren die drei zentralen Bereiche aus dem künstlerischen Wirken von Hans Jürgen Kallmann, deshalb werden die Themen abwechselnd für die Bewerbungen vorgegeben. 2018 startete man mit dem Thema „Tier“ und dieses Jahr kommt die zweite tierische Phase. Bewerben können sich auch diesmal alle Künstler, die ihren Lebens- und Schaffensmittelpunkt in Deutschland haben. Ausgeschlossen sind lediglich Personen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre bereits im Kallmann-Museum ausgestellt haben.

Museumsleiter Rasmus Kleine geht es nicht darum, wieder die Grenze der 400 Bewerbungen zwingend zu erreichen. „Wichtig ist, dass die eine ganz besondere Bewerbung dabei ist“, sagt Kleine. Der Museumsleiter ist demnächst auch Teil der siebenköpfigen Jury, in der auch Luca Daberto, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, sitzt. Der dritte Ismaninger in dem Gremium ist Altbürgermeister Michael Sedlmair als Vorsitzender der Kallmann Stiftung.

Die Kallmann-Preisträgerin steht für Kunst zum Nachdenken. „Ich bin total begeistert“, sagt Museumsleiter Rasmus Kleine. Die einzigartigen Werke, die nach der Ausstellung entsorgt werden, sind auch ein Ritterschlag für das Ismaninger Museum. Mit dem Aufwand und dem Spiel mit den Museumsräumen zeigt die Künstlerin, wie wertvoll und prestigeträchtig der Kallmann-Preis für sie ist. Sie war die Nummer eins unter 400 Bewerbungen und mit der bis zum 18. Juli laufenden Ausstellung bestätigt sie das Urteil der Jury.

Besuch im Museum ist durch Digitalisierung nicht zu ersetzen

In den ersten Tagen nach der Wiederöffnung des Museums war das Interesse sehr groß. „Die Leute sind nach sieben Monaten ohne Kunst richtig ausgehungert“, stellt Rasmus Kleine fest. Und gerade die Ausstellung der Preisträgerin Lena von Goedeke zeige, „dass der Besuch im Museum, bei dem man einen Raum auf sich wirken lässt, durch Digitalisierung nicht zu ersetzen ist“.

Sollten die Infektionszahlen niedrig bleiben und weitere Lockerungen kommen, könnte es auch kurzfristig rund um die Ausstellung Führungen und andere Kleinveranstaltungen geben. Das Museum informiert auf seiner Internetseite über die weiteren Entwicklungen.

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