Auf gepackten Sachen: Ende April schließt Wirt Christian Harjung „Jan’s Bistro“ in Ismaning. 
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Auf gepackten Sachen: Ende April schließt Wirt Christian Harjung „Jan’s Bistro“ in Ismaning. 

nach 38 Jahren

Ismaninger Lokal schließt: Das Ende von Kultur und Kulinarik

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Schluss. Aus. Vorbei. Über Jahrzehnte war „Jan’s Bistro“ Treffpunkt und wichtiger Bestandteil des Gemeinde- und Kulturlebens in Ismaning. Ende April schließt das Lokal – coronabedingt. Einen Nachfolger soll es nicht geben.

Ismaning – Die Teller sind schon zusammengeräumt, die Gläser eingepackt. Nicht viel erinnert mehr an das Lokal im Herzen Ismanings. Ende Januar hat Wirt Christian Harjung (48) die schwere Entscheidung getroffen, „Jan’s Bistro“ zu schließen. „Es ist einfach keine Perspektive da. Man weiß nicht, wann es in der Gastronomie wieder weiter geht“, sagt Harjung.

Seit 38 Jahren gibt es das Lokal in Ismaning. In den 80ern war es noch als „Kanapee“ bekannt. Nach einem halben Jahr musste der damalige Wirt Franz Dasch den Namen aus rechtlichen Gründen ändern. „Ich kann mich noch erinnern, dass ich als 16-Jähriger im Kanapee saß und an meiner Cola genippt habe“, sagt Harjung, der in Ismaning aufgewachsen ist und dort noch immer lebt.

Das damalige „Kanapee“ in den 80ern aus. 

Vor zwölf Jahren übernahm der heute 48-Jährige „Jan’s Bistro“. Das Lokal war jedoch viel mehr als nur eine Wirtschaft zum Essen gehen. Neben Firmenfeiern, Hochzeiten und Konzerten fand seit fast 20 Jahren einmal in Monat der Jazz-Montag statt. Die Veranstaltung organisierte die Musikschule zusammen mit der Gemeinde. „Die Abende waren immer gut besucht“, sagt Harjung. Auch wegen der wechselnden Bands. Trotz der Schließung von „Jan’s Bistro“, soll der Jazz-Abend nach der Pandemie weiter stattfinden. „Das ist ein wichtiger Mosaikstein in unserem Kulturleben“, sagt Bürgermeister Alexander Greulich (SPD). Mit der Musikschule suche er nach einer neuen Location in Ismaning.

Wirt Harjung „Das Lokal ist ja wie ein eigenes Kind.“

Derweil macht sich bei Harjung Wehmut breit. Einfach war der Abschied für ihn nicht. „Die Entscheidung hat ein paar Wochen gedauert“, sagt er. „Das Lokal ist ja wie ein eigenes Kind.“ Doch die Ungewissheit, wie es weitergeht, gepaart mit den regelmäßig anstehenden Zahlungen, schlug nach einigen Monaten der Schließung und einem eher durchwachsenen Sommergeschäft auf die Psyche. „Ich weiß, dass viele andere Kollegen auch mit der Situation kämpfen“, sagt der Ismaninger. „Die lösen gerade ihren Bausparvertrag oder ihre Lebensversicherung auf.“ So weit will Harjung es nicht kommen lassen.

Jazz-Feeling im „Jan’s Bistro“ gab es einmal im Monat. 

Deshalb kündigte er seinen Vertrag zum 30. Mai. Schluss ist aber aus organisatorischen Gründen schon einen Monat früher. Bis Ende April bietet „Jan’s Bistro“ weiterhin einen Abhol- und Lieferservice für seine Kunden an. „Wir hatten gehofft, dass wir im März noch einmal aufmachen und die Gäste ein letztes Mal begrüßen können“, sagt Harjung. „Doch die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag.“

Wie es für Harjung weitergeht, weiß er noch nicht. Selbstständig möchte er nicht bleiben. „Ich will mir einen Job suchen, der nicht von Corona beeinflusst werden kann.“ Ob er nach der Pandemie wieder in die Gastronomie einsteigen will, wird sich zeigen. In „Jan’s Bistro“ soll wohl kein neues Lokal mehr einziehen, das habe ihm seine Pächterin verraten, sagt Harjung.

Alles muss raus!

Am 8. und 9. Mai veranstaltet Harjung von 11 bis 17 Uhr einen Flohmarkt in „Jan’s Bistro“.

Der Goldachhof ist ein Stück Ismaninger Geschichte über dessen Zukunft viel diskutiert wurde. Freie Wähler und SPD haben nun einen Antrag vorgelegt für eine Nutzung des Anwesens.

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