Zwei Stapel mit Euromünzen
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Noch nicht jeden Euro umdrehen müssen sie in Ismaning.

Gemeinderat

Stolz auf den Haushalt - Doch „Vermögen schmilzt extrem“

  • vonNico Bauer
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Zufrieden sind sie in Ismaning mit ihren Haushalt für 2021. Doch es gibt auch mahnende Stimmen: „Wir sollten vom fünften Gang herunterschalten, denn unser Vermögen schmilzt extrem.“

Ismaning – „Wir können stolz darauf sein, die freiwilligen Leistungen auf unserem hohen Niveau halten zu können.“ Das war die zentrale Botschaft von Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) bei der finalen Verabschiedung des Haushalts. Die Gemeinde komme einigermaßen zufriedenstellend durch die schweren Zeiten, und das zeige nun auch das Zahlenwerk. Der Rathauschef betonte, dass man die Zuschüsse für Vereine und Verbände ganz bewusst nicht gekürzt habe, um ein Zeichen zu setzen. „Das ist ein Signal an unsere Vereine“, sagte Greulich, „denn wir wissen genau, wie schwer es um sie steht.“

Neben den freiwilligen Leistungen sprach er die Investitionen in Kinderbetreuung, Schulen oder Digitalisierung an und betonte, dass die Gemeinde in zentralen Zukunftsbereichen die Infrastruktur das baut. Bürgermeister Greulich wurde in seiner Bilanz fast philosophisch: „Wir haben auf der hohen See Gegenwind, aber wir bleiben auf Kurs. Wir können auch ausgewachsenen Stürmen trotzen.“

Der Haushalt auf einen Blick

Gesamthaushalt: 147,5 Mio. Euro

Verwaltungshaushalt: 109,4 Mio. Euro

Vermögenshaushalt: 38,0 Mio. Euro

Steuerkraft: 4160 Euro pro Einwohner (Platz 6 im Landkreis, Platz 9 in Oberbayern und Platz 15 in Bayern).

Steueransätze: Gewerbesteuer 60,0 Mio. Euro

Einkommenssteuer: 15,9 Mio. Euro

Ausgaben: Personalausgaben 34,6 Millionen Euro, Betriebskosten 22,9 Mio. , Zuschüsse an Vereine und Verbände 6,7 Mio., Investitionen: Grunderwerb 8,2 Mio., Hochbaumaßnahmen 18,6 Mio. ( unter anderem Kinderhaus Dorfstraße 4,2 Mio., Ballsporthalle 3,4 Mio., Camerloher-Grundschule 3,3 Mio.), Tiefbau 2,9 Mio.

Rücklagenentnahme: 16,0 Mio. Euro

Rücklagen Ende 2021: 12,5 Mio Euro

Schulden Ende 2021: 29,8 Mio Euro

Darauf aufbauend zählte die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanna Hagn reihenweise große und kleine Investitionen auf. Ihr Fazit war ähnlich: „Wir stehen finanziell auf soliden Beinen.“ Auch wenn der Haushalt nach einer langjährigen Ismaninger Tradition einstimmig verabschiedet wurde, hatte Thomas Schweiger (FWG) doch eine kritische Anmerkung. „Wir sollten vom fünften Gang herunterschalten“, warnte er, „denn unser Vermögen schmilzt extrem, und wir werden dieses Geld in den nächsten Jahren noch brauchen.“ Er deutete an, dass die Einbußen durch Corona auch die kommenden Haushalte beeinträchtigen werden.

Bürgermeister Greulich betonte, dass Ismaning auch in den kommenden Jahren keine Kredite aufnehmen dürfe, weil man in diesem Fall wegen der millionenschweren freiwilligen Leistungen schwierige Gespräche mit der Kommunalaufsicht zu führen hätte. Die aktuell rund 30 Millionen Verbindlichkeiten sind zum Großteil rentierliche Schulden vom Bau der Grabenanger-Wohnungen, denen jährliche Mieteinnahmen gegenüberstehen.

Annette Reiter-Schuhmann (CSU) fragte in der Haushaltsdebatte, was denn nun aus den zwischenzeitlich emotional diskutierten Baumaßnahmen des Kallmann Museums werde. Hierzu sagte Greulich, dass die Gelder für den Bau vorerst in den Haushalt 2021 eingestellt sind, der Gemeinderat aber über die Maßnahme und den Umfang beschließen müsse. Greulich deutete an, dass man derzeit intensiv prüfe, ob Gemeinde, Museum oder die Kallmann Stiftung als Bauherr auftreten müssten, um eventuell öffentliche Fördergelder bekommen zu können. Die Entscheidungen, was, wie und wann gebaut werden soll, treffe der Gemeinderat zu einem späteren Zeitpunkt. An dem einstimmig beschlossenen Gemeindehaushalt scheitert das Projekt nicht.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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