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Stolz auf ihr Kraut: Nikolaus Kraus und Max Kraus verkaufen den Traditionskohl noch auf ihrem Hof in Ismaning.

Nur noch zwei Landwirte verkaufen es

Das Ismaninger Kraut verschwindet

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Einst vom Freisinger Bischof eingefordert, droht das Ismaninger Kraut heute zu verschwinden. Die letzten Kraut-Bauern kämpfen nun für seinen Erhalt. Die „Arche des Geschmacks“ soll dabei helfen.

Ismaning – Seine Generosität hat sich Bischof Philipp von Freising fürstlich entlohnen lassen. Als er vor über 500 Jahren den Ismaninger Bauern die Gemeindegründe überschrieb, knüpfte der Bischof das an eine Bedingung: Im Gegenzug waren die Bauern verpflichtet, jährlich 2500 Köpfe ihres berüchtigten Krauts an den Bischofshof zu liefern.

Urkundlich erwähnt wurde das Ismaninger Kraut, heute ob seiner Geschichte auch als „Bischofskraut“ bekannt, somit erstmals im Jahr 1509. Schon damals war die Ismaninger Köstlichkeit weit über die Region hinaus, bis hinauf in die höchsten Gesellschaftsschichten geschätzt. Heute sieht das ganz anders aus.

Das Ismaninger Kraut kämpft ums Überleben. Immer weniger Landwirte bauen es an. Von ursprüngliche Dutzenden sind es derer heute nur noch drei oder vier. Der Aufwand zu groß, Nachfrage und Ertrag zu niedrig, fasst Nikolaus Kraus, einer der letzten Ismaninger Kraut-Bauern, die Bedenken derer zusammen, die den Anbau in den vergangenen Jahren eingestellt haben. „Wir sind einfach nicht mehr konkurrenzfähig“, konstatiert Kraus.

Fluch und Segen des Krauts ist seine Besonderheit. Die Köpfe unterscheiden sich in Gewicht und Größe von modernen Weißkohl-Sorten und lassen sich daher nicht maschinell ernten. In Ismaning ist die Krauternte Handarbeit. Bei Köpfen mit bis zu zehn Kilogramm Gewicht eine schweißtreibende Aufgabe. Hinzukommt, dass das Ismaninger Kraut nicht allzu lange lagerfähig ist, und Dem Handel die Krautköpfe schlicht zu groß sind.

Das Besondere am Ismaninger Kraut, schenkt man Experten Glauben, ist sein feiner süß-milder Geschmack – und natürlich seine Jahrhunderte alte Tradition. Damit die nicht verloren geht und das Ismaninger Original erhalten bleibt, wurde es nun in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen.

Die Arche ist ein internationales Projekt der Stiftung „Slow Food“. Durch die Arche sollen Nutztierrassen, Kulturpflanzen und Lebensmittel geschützt und gefördert werden, die vom Verschwinden bedroht sind, aber als besonders erhaltenswert eingestuft werden. Weltweit hat die Geschmacks-Arche rund 4000 Passagiere, wie die einzelnen Nahrungsmittel bezeichnet werden. Neuester Passagier: das Ismaninger Kraut.

Das verkaufen nur noch zwei Höfe direkt in Ismaning. Das soll sich ändern. „Wir müssen das Kraut wieder bekannt und beliebt machen“, sagt Rudolf Böhler, der Leiter der Arche. Dafür will er das Kraut wieder nach München bringen. Dort ist es derzeit nicht erhältlich. Auch an Restaurants will man gezielt herantreten und ihnen das Kraut schmackhaft machen. „Nur wenn die Verbraucher mitmachen“, sagt Nikolaus Kraus, „gibt’s das Ismaninger Kraut weiterhin – vielleicht keine 500 Jahre mehr, aber wenigstens weitere 50.“ florian prommer

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