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Fühlen sich gut aufgehoben: (v.l.) Franz (29), Paula (4), Xaver (3) und Tanja Zeidler (27) in ihrem Garten in Ismaning

Kinderbetreuung im Landkreis

Von null bis 350 Euro: Eltern extrem ungleich belastet

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Die Summen, die Familien pro Monat für die Betreuung ihrer Kinder berappen müssen, gehen im Landkreis München weit auseinander.

Landkreis – Bis zu 200 Euro beträgt die Differenz zwischen den Kommunen beispielsweise für Kinder, die täglich vier Stunden in eine Krippe gehen. In Putzbrunn kostet diese Form der Betreuung 320 Euro, in Grünwald nur 130 Euro. Ähnlich sieht’s bei den Gebühren für Kindergärten aus.

Richtig gut geht’s diesbezüglich Familien in Unterföhring. Die schwer reiche Gemeinde bietet Kinderbetreuung zum Nulltarif. Ein Service, den Eltern sehr zu schätzen wissen. „Wir sparen uns einen Haufen Geld“, sagt Anna Schumacher (35), die mit ihrem Mann Timo (39) und ihren vier Kindern Sara (10), Lisa (8), Nino (5) und Kira (2) in Unterföhring lebt. „Wir sind total dankbar.“ Die kostenlose Kinderbetreuung sei „eine super Sache. Insgesamt fühlt man sich als Familie hier sehr wohl“.

Geringere Ausgaben entlasten den Familien-Geldbeutel

Die Schumachers spüren den Unterschied jeden Monat im Geldbeutel. Früher haben sie im Münchner Stadtteil Moosach gewohnt – und rund 200 Euro für den Kindergarten sowie 800 Euro für die Krippe ausgegeben. Nun müssen sie lediglich fürs Essen von Nino und Kira in Krippe und Kindergarten aufkommen, etwa 50 Euro pro Kind und Monat. „Vergleichsweise nichts“, sagt die Mutter.

Auch in Ismaning geht die Kinderbetreuung vergleichsweise wenig ins Geld. 160 Euro kostet sie in der Krippe für täglich vier Stunden pro Monat, 45 Euro sind es für vier bis fünf Stunden Kindergarten. Hinzu kommen monatlich 45 Euro pro Kind fürs Essen. Damit können die Zeidlers gut leben.

Entscheidung: Kinderbetreuung oder Einkommen

„Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben hier“, betont Tanja Zeidler (27). Ismaning sei in puncto Kinderbetreuung „unkompliziert und gut“. Für Paula (4) und Xaver (3) fanden sie und Ehemann Franz (29) sofort einen Platz – und zwar in ihrer Wunscheinrichtung, dem Kindergarten an der Dorfstraße. Keine Selbstverständlichkeit, denn Kita-Plätze sind in nahezu allen Kreis-Kommunen Mangelware. Beide Kinder der Zeidlers besuchen Integrationsgruppen. Der Vorteil: Diese Gruppen bestehen nur aus 15 statt 25 Kindern, und sie werden engmaschiger betreut. Zunächst blieb Tanja Zeidler daheim und kümmerte sich um den Nachwuchs, dann wollte die zahnmedizinische Verwaltungsfachangestellte aber gerne wieder arbeiten gehen. „Wir haben vorher gerechnet, ob sich die Betreuung in der Kita lohnt“, erzählt sie. Sie rechnete sich bei den relativ geringen Gebühren, die nun sogar ihr Arbeitgeber übernimmt. Ihr Fazit fällt positiv aus: „Die hohen Mietpreise mal ausgenommen, kann man hier sehr gut leben.“

So viel kostet Kinderbetreuung in den Gemeinden im Landkreis. 

Auch die Qualität entscheidet über die Gebührenhöhe

Zu hohen Mieten gesellen sich mancherorts hohe Betreuungskosten. In Hohenbrunn beispielsweise. Die Gemeinde ist in Sachen Kita-Gebühren Spitzenreiter im Landkreis: 347 Euro kostet die Krippe für vier Stunden täglich, 144 Euro der Kindergarten. „Wir haben die vergangenen Jahre die Gebühren relativ viel erhöht“, gibt Thomas Wien, Geschäftsleiter der Gemeinde, zu. Er erklärt die hohen Preise mit einer „sehr guten Qualität der Kitas“ und einer eigenen Fachstelle für die Kinderbetreuung im Rathaus. Allein diese koste mit drei Mitarbeitern 150 000 Euro pro Jahr, hinzu seien „erhebliche Tariferhöhungen“ für die Erzieher gekommen.

Gemeindliche Kitas erfordern viel Verwaltungsarbeit

Vier Kitas mit mehr als 300 Plätzen und etwa 65 Mitarbeitern gibt’s in Hohenbrunn. Diese sollen in kommunaler Hand bleiben und auch in Zukunft nicht an private Träger vergeben werden. Dieser Wunsch sei in einer Befragung der Elternbeiräte und Kita-Leitungen 2013 klar formuliert worden. Und dieser Anspruch fordere einen Aufwand, den nur eine eigene Abteilung leisten könne. Es gebe einzelne Rückmeldungen von Eltern, die sagen, die Kosten seien „sehr hoch“, bestätigt Wien. Aber ohne Gebührenerhöhung sei die Aufgabe „nicht mehr zu stemmen“ gewesen.

Denn maßgeblich entscheidend für die Kosten der Kinderbetreuung – und folglich die gravierenden Unterschiede – ist die finanzielle Situation der jeweiligen Kommune, sofern die Betreuung der Buben und Mädchen in ihrer Hand liegt und nicht in der von privaten Trägern.

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