Benedikt Daschner
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Innovativ: Benedikt Daschner mit dem essbaren Schriftzug seiner Firma.

Mit seiner Firma chocolate³ beschreitet Benedikt Daschner ganz neue Wege

Ismaninger Konditor auf 3D-Mission mit Schokolade

  • Doris Richter
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Man nehme feinste Schweizer Schokolade, einen3D-Drucker und einen innovativen Konditor - willkommen bei der Ismaninger Firma chocolate³.

„Oft ist es ja so: Die Geburtstagstorte schmeckt so richtig gut, aber die aufwendige Schokoladendekoration bleibt einmal angebissen auf dem Teller zurück. Weil sie eben nur so mittelprächtig schmeckt. Und weil Mittelmaß so gar nicht Benedikt Daschners Ding ist, hat sich der Ismaninger schon während seiner Ausbildung zum Konditor Gedanken gemacht, wie man dieses Qualitätsgefälle auflösen könnte. „Damals kam das Thema 3D-Druck auf und ich dachte mir, das müsste doch auch mit Schokolade funktionieren, und zwar mit richtig guter Schokolade“, sagt der 29-Jährige. Denn üblicherweise besteht die Schokodeko aus Fettglasur.

Schriftzüge für Hochzeitstorten

Seit drei Jahren produziert er nun mit seiner Firma chocolate³ Schriftzüge, Logos und kleinere 3D-Gegenstände aus feinster Schweizer Schokolade. Der Großteil seiner Kunden kommt aus dem Marketing. Firmen, die ihr Logo in Schokolade drucken lassen für Veranstaltungen oder als Geschenke. Catering-Unternehmen nutzen das Angebot für ausgefallene Deko, Konditoren bestellen Schriftzüge für Hochzeitstorten, Privatleute für die Geburtstagstorte oder als Geschenk. Je nach Größe und Bestellmenge kostet das Stück zwischen 19 und vier Euro.

Vom Physikstudium in die Backstube

So einfach das alles klingt – der Weg dorthin war alles andere als das. Geschafft hat Daschner es wohl nur, weil er eine Art Daniel Düsentrieb, ein Tausendsassa ist, gesegnet mit vielen Talenten. Es gibt Fotos von ihm mit zwei Jahren, wo er mit seiner Oma Kuchen bäckt. Fünf Jahre später produziert er schon die Torten für die Familienfeiern. Gleichzeitig spielt er gern mit Fischertechnik. Sein Abi schafft er mit links, ohne groß zu lernen. „Für jeden war klar, dass ich irgendwas Mechanisch-technisches studiere“, erzählt Daschner. Er entscheidet sich für Physik. „Doch mir war das zu weit weg von der Praxis.“ Er macht doch seine andere Leidenschaft, das Backen, zum Beruf. Er wird Konditor, durchläuft verschiedene Stationen. Sein Interesse für die Technik bleibt.

Zugute kommt es ihm, als er sich intensiver mit 3D-Druck beschäftigt. „Ich hab mir einfach einen gebrauchten Drucker gekauft, ohne Ahnung zu haben“, erzählt Daschner und lacht. Ein halbes Jahr probiert er herum, wälzt Fachbücher, experimentiert mit Schokolade, baut den Drucker nach seinen Bedürfnissen um, tüftelt an Computerprogrammen. Mit Erfolg: Die erste Version seines Schokoladendruckers bringt ihm den Bundespreis für besondere innovatorische Leistungen im Handwerk ein. Das Geschäft läuft gut an. „Von Anfang an haben Kunden auch immer wieder gefragt, ob man nicht auch den Drucker kaufen könne“, sagt Daschner. Doch die erste Version sei für den Verkauf zu kompliziert gewesen. „Mir war klar, ich muss den Drucker weiterentwickeln, maximal benutzerfreundlich.“

Durch Corona brechen 90 Prozent der Aufträge weg

Zeit dazu findet er erst, als Corona sein Geschäft lahmlegt, 90 Prozent der Aufträge wegfallen. Daschner optimiert Prozesse, tauscht da eine Schraube aus, wechselte dort ein Behältnis, passt die Software an. „Irgendwann hab ich nur noch einzelne Schrauben bestellt, weil ich mir den Zehnerpack nicht mehr leisten konnte.“ Als seine Reserven aufgebraucht sind, beschließt er im Frühjahr, Geld für die Produktion des Druckers über eine Crowdfunding-Kampagne zu sammeln: Er bietet unter anderem Drucker vorab zum Kauf an zu günstigen Konditionen und sucht so Geldgeber. „Ich dachte, wenn was kommt, mach ich weiter, andernfalls höre ich auf und arbeite wieder als Konditor“, sagt Daschner. Über sein Ziel ist er schnell hinausgeschossen: Das Interesse ist riesig, 18 „choc mate 2“ – so heißt der Drucker – werden innerhalb kurzer Zeit bestellt. Im Raum hinter seinem kleinen Ladenbüro am Korbinianplatz stapeln sich Kisten mit Material. Rund 1000 Einzelteile braucht es für den choc mate 2.

Arbeiten mit der besten Schokolade

In einem weiteren Zimmer stehen ein paar Exemplare bereit für den Arbeitseinsatz. Schön kühl ist es hier. „19 oder 20 Grad ist die ideale Arbeitstemperatur“, erklärt Daschner. Auf einem Tisch liegt abgepackt die Schweizer Schokolade der Firma Felchlin. „Die dunkle Variante mit 65% Kakaogehalt wurde schon als beste Kuvertüre der Welt ausgezeichnet“, sagt Daschner. Für seinen Drucker stellt er daraus Schokoladensticks her, quasi eine Druckerpatrone aus Schokolade, die oberhalb des Druckerkopfes eingeschoben wird. Zwei Heizelemente sorgen für die optimale Temperatur. Über feine Düsen mit rund 0,5 Millimeter Durchmesser wird die Schokolade in Schichten von 0,1 bis 0,5 Millimeter Höhe gedruckt. In 15 bis 20 Minuten wächst ein Zentimeter in die Höhe. Wobei auch mehrere Elemente auf das Druckbett passen. Um eigene Designs zu Schokolade zu bringen, gibt es eine spezielle Software dazu. Bedient wird der Drucker über einen Touchscreen. Ausgetüftelt hat das alles Daschner alleine. Nur bei der Software hat er sich Hilfe geholt.

Sein Ziel: Marktführer für 3D-Druck mit Premiumschokolade

Etwa 4900 Euro soll der chocmate 2 netto kosten. Wann Daschner die ersten ausliefern kann, ist noch unklar. Wie viele Produzenten plagt er sich mit dem derzeitigen Materialmangel herum. „Manches ist nicht lieferbar, andere Teile erst in Wochen und die Preise steigen“, sagt Daschner. Sein Ziel behält er dennoch klar vor Augen: „Marktführer für 3D-Druck mit Premiumschokolade“ will er werden, seinen Drucker immer weiter optimieren, vielleicht auch mal Mitarbeiter haben. Ob er Konkurrenz fürchtet? „Wer sich mit Technik auskennt, dem fehlt meistens das Knowhow für Schokolade.“ Und Konditoren? „Die interessieren sich meist nicht für Technik.“

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