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Das Auerhahn-Gemälde ist inzwischen festgedübelt. Traudl Schmidramsl weiß aber auch, dass bayerische Bierkrüge und Gamsgeweihe gern in Handtaschen verschwinden.

Diebstahl in Hotels

Wenn mit dem Gast auch der Toaster abreist

Ob Hirschgeweih, Bierkrug oder Fernseher – was in Hotels schön aussieht, taugt auch gut als Souvenir. Dekoration einfach einzupacken, ist für die meisten Gäste undenkbar. Hoteliers kennen trotzdem Beispiele. Manche Diebe lassen gar erfahrene Wirte staunen.

Ismaning – Gläser verschwinden. Bettlaken machen sich selbstständig. Gemälde wechseln den Besitzer. Gäste, die Einrichtungsgegenstände als Souvenirs mitgehen lassen, fordern Wirte immer wieder heraus.

„Handtücher können aus Versehen in der Tasche landen“, sagt Traudl Schmidramsl, doch wenn plötzlich Barockspiegel und Wandbilder weg sind, kann man ein Versehen relativ sicher ausschließen.

Die Schmidramsls pflegen in ihrem Hotel in Ismaning eine urige Atmosphäre: Das Hirschgulasch auf dem Teller und die Gamsgeweihe an den Wänden zeugen vom Jagdgeschick des Seniorchefs Max Schmidramsl. Der hat inzwischen Probleme, seine Trophäensammlung vollständig zu halten. „Gamsschädel in die Handtaschen, weg sind sie“, sagt der 74-Jährige „Ich weiß gar nicht, woher ich die Geweihe noch nehmen soll.“ Die Reihen der Bierkrüge im Nachbarzimmer sind ebenfalls deutlich gelichtet. Größer war der Schaden, als Auszubildende in einem Zimmer die Betten nicht frisch beziehen konnten, da die Matratzen plötzlich weg waren.

In einem Unterhachinger Hotel verschwand neben einem Kaffeevollautomaten sogar der Teppich aus der Eingangshalle. Beeindruckt waren die Angestellten desselben Hotels auch, als es ein Gast schaffte, während des Frühstücks den Toaster vom Buffet zu stehlen. Wie schlecht es laufen kann, erlebte der Hotelier Franz Schwaiger aus Glonn (Landkreis Ebersberg) als Diebe gleich das gesamte Mobiliar eines Zimmers inklusive Bett, Schrank und Stühlen über Nacht abbauten und einen leeren Raum hinterließen.

Die Straftäter zu fassen ist schwer. Meist bemerken die Hoteliers den Schaden zu spät, und die Polizei stellt fest, dass die Diebe beim Check-In falsche Personalien angegeben haben. Bei der Prävention sieht Traudl Schmidramsl die Wirte in der Zwickmühle: „Wir wollen den Gästen etwas bieten. Da können wir sie nicht aus allem aussperren und die ganze Dekoration anketten.“

Auch wenn die Ereignisse teils schon Jahre zurückliegen, erzählt man sie sich in der Branche, um aus den Erfahrungen der anderen Häusern zu lernen. „Wenn die Kommunikation zwischen den Hotels stimmt, kann das Risiko für Diebstähle reduziert werden“, sagt Stefan Wild, Fachbereichsleiter für Hotellerie des bayrischen Hotel- und Gaststättenverbands.

Seit die Schmidramsls darauf verzichten, ihr Logo auf Handtücher und Bademäntel zu sticken, bleiben diese Textilien dem Haus länger erhalten. Anstelle von mobilen Telefonen setzen sie wieder auf Schnurtelefone, bei denen nicht eines Morgens der Hörer fehlt. Und Bilder sind mittlerweile festgedübelt. Vorsichtshalber. Korbinian Bauer

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