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Vilmos Holczhauser ist Vorstandsmitglied im AfD-Kreisverband München-Land.

Beim Stammtisch

AfD-Kreisvorstand vergleicht Merkel mit Hitler

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Ismaning - Einmal im Monat treffen sich Mitglieder und Sympathisanten der AfD zu einem „Dorfgespräch“ beim „Neuwirt“ in Ismaning. Zu Besuch beim AfD-Stammtisch.

Hinten im Stüberl beim „Neuwirt“ reden an diesem Abend alle durcheinander. Am AfD-Stammtisch prophezeit einer, dass von den USA gesteuerte Politiker die anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt manipulieren würden. Ein anderer sagt, „es menschelt überall“, und winkt ab. Gleichzeitig ruft ein Dritter vom Nachbartisch: „Das passiert nicht. Ich war selber schon Wahlhelfer.“ Darauf nochmal der erste: „Doch doch, die sind dann unter sich und können alles fälschen.“ Dann bringt die Bedienung Kaiserschmarrn und Wurstsalat.

"Was ist dran an der Verteufelung der AfD?"

Willkommen beim monatlichen „Dorfgespräch“ des AfD-Stammtisches in Ismaning beim „Neuwirt“. Elf Menschen – hauptsächlich Rentner, darunter drei Frauen – sind an diesem Abend gekommen. Einige Besucher sind AfD-Mitglieder, andere dagegen lediglich Sympathisanten, wie der Organisator Alexander Kügel. Und wiedere andere outen sich zwischendrin als „Beobachter“. Eine ältere Frau mit voluminöser Frisur sagt, sie wolle herausfinden: „Was ist dran an der Verteufelung der AfD?“

Im Stüberl beim Neuwirt liegen Exemplare der Jungen Freiheit aus

Wer das Stüberl betritt, bemerkt sofort die AfD-Broschüren und Flyer, die im Eingangsbereich auf einem Tisch ausliegen. Darauf stehen Sprüche wie: „Asylchaos stoppen“ oder „Wer in einer Demokratie nicht wachsam ist, der wacht in einer Diktatur auf“. Daneben auf einem zweiten Tisch können die Besucher einen AfD-Mitgliederantrag unterschreiben und ein kostenloses Exemplar der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit mitnehmen. Alexander Kügel sagt, der Schießbefehl der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry sei „eine reine Erfindung der Medien“. Nur die Junge Freiheit habe seriös darüber berichtet.

Weiter vorne sitzt man an zwei Tischen. Nach Angaben des Kreisvorstandes gibt es im Landkreis mehr als 100 AfD-Mitglieder. Manfred Wagner, 71, aus Aschheim ist vor drei Jahren kurz nach der Parteigründung eingetreten. Er und andere wollen einen AfD-Ortsverband für Aschheim, Ismaning und Unterföhring etablieren.

Was halten Sie vom Schießbefehl an der Grenze? "Möglichst in die Beine" schießen

Spricht man Wagner auf den Schießbefehl an der Grenze an, hält er die Hand an die Hüfte und sagt: „Ich stelle mir jetzt mal vor, ich bin ein Grenzpolizist.“ Wenn jemand unerlaubt über die Grenze laufe, würde er zunächst einen Warnschuss abfeuern, sagt er. Und wenn derjenige weiterläuft? Dann sollte man „möglichst auf die Beine“ schießen. Neben Wagner hockt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hält die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung freilich für falsch. Gleichzeitig findet er: „Die Bewohner von Traglufthallen gehören entlastet. Da sollte man mehr tun.“ Später unterschreibt er einer AfD-Mitgliedsantrag.

AfD-Vorstandsmitglied vergleicht Merkel mit Hitler

Der Rentner lobt den Vortrag, den Vilmos Holczhauser, Vorstandsmitglied im AfD-Kreisverband München-Land, an diesem Abend gehalten hat zum Thema: „Die Verfassungsbrüche der Bundeskanzlerin Angela Merkel“. Der Vortrag gehe in die Tiefe, sagt Wagners Tischnachbar. Einmal vergleicht Holczhauser Merkels Entscheidung, im September die Grenzen offen zu lassen, mit Hitlers Ermächtigungsgesetz. „Ich hoffe, der 4. September 2015 wird nicht in die Geschichte eingehen wie 1933“, sagt der 71-jährige Politologe. Am Ende des Vortrags applaudiert man gleich zwei Mal.

rat

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