Radioaktives Isar-Wasser: Ismaning probt den Aufstand gegen Garchings Forscher

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Dass die Garchinger Nuklearforscher weiter schwach radioaktives Abwasser auf Höhe ihrer Gemeinde in die Isar einleiten wollen, passt den Ismaningern gar nicht. 

Ismaning/Garching – Die Gemeinde Ismaning geht auf die Barrikaden gegen den Garchinger Forschungsreaktor FRM II. Einstimmig lehnte der Gemeinderat am Mittwochabend die anstehende Neugenehmigung zur Einleitung schwach radioaktiven Wassers in die Isar ab. In dem Beschluss machte das Gremium deutlich, sich in der eigenen Planungshoheit beeinträchtigt zu fühlen.

Die derzeit gültige Erlaubnis für das Abwasser aus der Nuklearforschung der Technischen Universität München läuft Ende 2019 aus und soll nach 20 Jahren Laufzeit noch einmal für 30 Jahre erneuert werden. Im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit hat die Gemeinde Ismaning Unterlagen in vier dicken Aktenordnern bekommen.

Die Kommune hatte bereits vor 20 Jahren die sogenannte Atomschwelle an Kilometer 130,3 der Isar abgelehnt – und tut das auch diesmal. Sie macht der TU München massive Vorwürfe. „Das Verfahren wurde bewusst zerstückelt und unübersichtlich gemacht“, sagte Ulrich Hilberer, Ismanings Umweltreferent. Er kritisierte weiter, dass es immer noch keine unabhängige Überwachung der Atomanlage gebe und die Eventualität eines Störfalls nie durchgespielt worden sei. Zudem bemängelte Hilberer, dass Abwärme der Anlage einfach in die Luft gelassen werde: „Damit könnte man den gesamten Campus mit Wärme versorgen.“

„Man bekommt den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird“, sagte Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) bei dem Vergleich der FRM II-Einleitung und der Ismaninger Kläranlage. „Bei uns wird mit Argusaugen auf das eingeleitete Wasser geschaut“, sagte Greulich. Beim FRM II sieht er auch die Möglichkeit, dem Wasser vor der Isar-Einleitung die restliche Radioaktivität zu entziehen: „Eine biologische Reinigungsstraße auf dem Grundstück der TUM wäre angebracht.“

Lesen Sie auch: Schwach radioaktive Forschungs-Abwässer in der Isar: Stadt Garching stimmt Erlaubnis zu

Und einen weiteren Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen: „Wir haben in Ismaning ja ein paar possierliche Tierchen, die wir trotz Gefahr für leib und Leben nicht entnehmen können. Wenige Kilometer weiter werden dann die Biber mit Radioaktivität bekämpft.“ Damit war Greulich aber noch nicht fertig: „Auch die Entnahme von Grundwasser unter der Isar auf Ismaninger Gemeindegebiet ist uns ein Dorn im Auge.“

Insgesamt fühle sich die Gemeinde Ismaning bei der Nutzung des Grundwassers im nördlichen Gemeindegebiet in seiner Planungshoheit beeinträchtigt. Diese Meinung bestätigten dann auch die Gemeinderäte. „In eine renaturierte Isar gehört kein radioaktives Wasser“, sagte Silke Levermann (Grüne) in ihrer umfangreichen Stellungnahme. Johanna Hagn (SPD) schüttelte einfach nur den Kopf über die Antragsunterlagen: „Ich war sprachlos ob dieser Dreistigkeit.“ Letztlich lehnte der Gemeinderat einstimmig die Wassereinleitung ab und behält sich vor, selbst aktiv rechtliche Schritte gegen das Vorhaben zu unternehmen.

Die Landkreis-Grünen um die Landtagsabgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler begrüßen das Votum – und hoffen auf mehr Widerstand aus der Bevölkerung: „Wenn mindestens 50 Einwendungen eingehen, muss die Erörterung öffentlich stattfinden“, sagt Büchler über den anstehenden Prüftermin im Landratsamt.

Rubriklistenbild: © dpa / Rolf Vennenbernd

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