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Jung und fachlich äußerst kompetent: Matthias Ehmann, Restaurator, Kirchenmalermeister und geprüfter Bausachverständiger, erklärt die Arbeiten im Roten Saal des Schlosses.

Restaurator, Kirchenmalermeister und geprüfter Bausachverständiger

Der Mann fürs Feine

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Ismaning  - Wer in Ismaning das Schloss oder die Seidl-Villa besucht, kann sich der Macht der Farben und der Schönheit der Ornamente an den Decken- und Wandmalereien nicht entziehen. Die Arbeiten in den Prunkräumen des Schlosses und im Blauen Zimmer sind kunsthandwerkliche Schätze. Matthias Ehmann hat sie restauriert.

Der 32-Jährige leitet in vierter Generation einen der wenigen Handwerksbetriebe in Deutschland, die sich auf Restaurierung und Kirchenmalerei spezialisiert haben. Er ist Restaurator, Kirchenmalermeister und geprüfter Bausachverständiger. Seine Firma „Ehmann Form & Farbe“ mit Sitz in Fürth ist von der Gemeinde Ismaning in den vergangenen Jahren gleich mehrfach beauftragt worden: Neben Blauem und Rotem Saal im Schloss und den Arbeiten in der Seidl-Villa, haben der 32-Jährige und sein Team die Fassadenarbeiten am Goldachhof übernommen. 

Prachtstück in blau: Auch im Blauen Saal des Ismaninger Schlosses hat Matthias Ehmann (l.) mit seinem Team kunsthandwerkliche Schätze freigelegt und restauriert. Es ist nicht der erste Auftrag für die Fürther Firma. Bereits mehrfach waren die Experten in der Gemeinde im Einsatz, unter anderem haben sie die Fassade des Goldachhofs hergerichtet.

An dem Gutshof, Ende des 19. Jahrhunderts im Erdinger Moos gebaut, führten die Profis alle restauratorischen Putz-, Stuck-, und Malererarbeiten an den wesentlichen Gebäuden aus – und gaben dem Anwesen sein historisches Erscheinungsbild zurück. „Hier war alles kaputt“, sagt Ehmann, der mit einem Architekten, aber auch eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammengearbeitet hat. 

Wie bei seinen früheren Ismaninger Projekten: Die Restaurierung der Seidl-Villa und vor allem des Blauen Zimmers zählt zu den Prestigeobjekten der Firma, von denen sie einige vorweisen kann: etwa das Kloster Benediktbeuern, das Opernhaus in Bayreuth oder die Kaiserburg in Nürnberg. Das Blaue Zimmer in der Seidl-Villa hat eine außergewöhnlichen wie aufwändige Imitation einer Damasttapete, die gereinigt, gefestigt und an einigen Flächen auch rekonstruiert werden musste. Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Schablonenmalerei in Palmettenornamentik – eine anspruchsvolle und hervorragend ausgeführte Technik in drei verschiedenen Ultramarintönen. Für die Stellen, die rekonstruiert werden mussten, erstellten die Fachleute zunächst Schlagschablonen. Nach Proben und Musterflächen legten sie in den beschädigten Bereichen den jeweiligen Grundton an und schablonierten schließlich die Ornamente. Fehlstellen, Ausbrüche und andere Oberflächenschäden an Wand- und Deckenflächen wurden mittels Leinfarbe und Pigmenten retuschiert. Bei seinen Projekten verwirkliche er sich nicht selbst, vielmehr gehe es darum, sich dem dem ursprünglichen Werk und seinem Künstler anzupassen, betont Ehmann. Entscheidend sei, „alte und neue Zeit zusammenbringen zu können“. 

Dies ist ihm auch bei den im Schloss mit pompejanischer Malerei ausgestatteten Räumen gelungen: Roter und Blauer Saal, einige der wenigen originalgetreuen Zeugnisse der Neurenaissance in Deutschland. Decke und Wände des Roten Saals beispielsweise waren in keinem guten Zustand. „Die Decke hatte vor allem am Rand starke Risse, es gab auch Hohlstellen“, erläutert Ehmann. Dazu kamen Schäden durch Feuchtigkeit, Putzrisse auch in den Wänden. „Die Deckenmalerei waren von Staub, Spinnweben und anderen Verschmutzungen bedeckt, die Malschicht neigte zum Teil zu Abpuderung.“ An der Wand neben der Eingangstür waren Überschmierungen der Malerei durch abgelöste Hintergrundfarbe, verursacht durch frühere Reinigungsmaßnahmen. Zu viert, darunter drei Kirchenmaler, war das Team im Einsatz. „Die Verwaschungen wurden mit Wattestäbchen und deminieralisiertem Wasser vorsichtig entfernt“, sagt Ehmann. Gravierende Putzrisse wurden über eine Wachspapiereinlage mit Sollbruchstellen versehen und mit Weißkalkhydrat geschlossen. Lockere und stark schwingende Hohlstellen haben die Experten in einem mehrstufigen Injektionsverfahren mit Weißkalkhydrat hinterfüllt und so konsolidiert. Mit Pigmenten und dem historischen Bestand entsprechendem Material wurde retuschiert, Kittungen und Rissen wurden farblich angepasst. 

Der Weg von der Abgabe eines Angebots bis zur Abnahme eines Objekts kann lang und steinig sein. „ Man muss kämpfen, natürlich“, sagt Ehmann. Dass er den Traditionsbetrieb einmal weiterführt, stand für ihn trotzdem nie außer Zweifel. „Seit ich drei war, war ich beim Opa in der Werkstatt.“ Als Jugendlicher fand er zunächst keine Lehrstelle – andere Ausbilder befürchteten, dass er Betriebsgeheimnisse ausspähen könnte. Aber dann klappte es in der Oberpfalz, und als er mit 19 in München seinen Meister machte, war er Deutschlands jüngster Kirchenmalermeister. Als Jahrgangsbester erhielt er den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung. 

Weil der Vater krank war, übernahm der junge Mann den Betrieb mit damals drei Mitarbeitern. Heute beschäftigt das 1920 gegründete, mittelfränkische Familienunternehmen mehr als 60 Festangestellte – Restauratoren, Kirchenmaler, Stuckateure, Maler. Die Familie hat laut Firmenarchiv seit der Gründung vor mehr als 95 Jahren an mehr als 1000 historischen Gebäuden gearbeitet, ein Großteil davon Kirchen. Manchmal bekommt Matthias Ehmann auch ganz weltliche Aufträge – vor einigen Jahren haben er und sein Team auf einem Luxusliner der „Aida“-Flotte die Illusionsmalerei und Vergoldungsarbeiten ausgeführt.

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