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Hoch das Bein: Die Ismaninger Schäffler.
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Ehrentanz für Aschheims Bürgermeister Thomas Glashhauser, der selbst mal Schäffler war.
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Ein Schnaps vom Kasperl für Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich.
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Schäffler mit Fass in Aschheim.
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Reifenschwinger Andreas Weiß inmitten der Kirchheimer Schäffler vor dem Rathaus.
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Herzerl vom Kasperl gab es fürs Kirchheimer Publikum gratis.
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Schnaps gab es auch für Landrat Christoph Göbel.
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Freudig: Die Ismaninger Schäffler.

Schäffler starten ihr Mammutprogramm

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  • Nico Bauer
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Nur alle sieben Jahre tanzen die Schäffler, dafür aber umso öfter. Mehrere Hundert Veranstaltungen absolvieren die drei Fassmacher-Gruppen aus dem Münchner Landkreis bis zum Faschingsdienstag. Los ging es am Dreikönigstag in Aschheim, Ismaning und Kirchheim.

Aschheim-Ismaning-Kirchheim – Thomas Glashauser ist Aschheimer, war 1998 selbst Schäffler und daher gibt es keine Gnade für den Bürgermeister. In dieser Funktion bekam er gestern nach dem Pfarrer den zweiten Ehrentanz der Aschheimer Schäffler. Vor allem erwartete Glashauser eine gnadenlose Abrechnung der Kasperl, die er mit Humor nahm. Schon der Einstandswitz gab den Weg vor: „Was ist der Unterschied zwischen Jägermeister und Bürgermeister? Der Jägermeister ist die kleine Flasche.“ Und dann erinnerte Kasperl Maxi Weiß noch an den Bürgerentscheid, bei dem die Bürger mit 90 Prozent Mehrheit den Schlachthof in Aschheim verhinderten: „Den Gestank der Viecher hättest du auch nicht ausgehalten, aber erst, wenn es zu spät ist, tun Politiker das Hirn einschalten.“ Der Kasperl in Lästerform bemängelte das durch den neuen Supermarkt verschandelte Ortsbild von Feldkirchen kommend und schlug als Ausgleich die Installation eines Freudenhauses vor.

Auch interessant: Hier tanzen die Münchner Schäffler

Link zu den Schäfflern in München

Der Schäffler-Vorsitzende Günter Sassmann betonte die künstlerische Freiheit der Burschen, „denn bei uns werden die Reime der Kasperl nicht Korrektur gelesen und dann wird es auch einmal etwas härter.“

Für Bürgermeister Thomas Glashauser, der 1998 zusammen mit dem Schäffler-Vorsitzenden Sassmann tanzend durch die Gemeinde tourte, war das alles im Rahmen: „Mit dem Schlachthof habe ich doch eine Steilvorlage gegeben und wäre jetzt enttäuscht, wenn da nichts gekommen wäre.“ Glashauser witzelte, dass er nun seine Abreibung hinter sich habe und sich freue, was die anderen Aschheimer zu hören bekommen.

Bis zum Rosenmontag haben die Schäffler an 26 Tanztagen ganze 322 Auftritte bei Vereinen und Familien. Diesen werden erst die historischen Schäfflertänze gezeigt und dann folgen noch die persönlichen Verse. Ganz brav gaben sich die Schäffler gestern in ihrem Ehrengottesdienst. Dort fungierten sie als Fürbitten vortragende Ministranten für Pfarrer Konrad Eder, der mit Blick auf die Schäfflertänze von einem Gänsehautgefühl sprach. Der Vorsitzende Günter Sassmann freut sich nun auf die 26 Großkampftage mit 15 bis 20 Auftritten am Tag: „Wir sind nie gesättigt.“    

Große Auftritte vor großer Kulisse in Ismaning

Gleich mehrere Hundert Besucher kamen zu den ersten Auftritten der Ismaninger Schäffler. Traditionell begann deren Saison mit zwei ganz großen Auftritten vor ganz großen Kulissen. Die historischen Tänze starteten nach dem Gottesdienst im Innenhof der katholischen Kirche und am frühen Nachmittag vor der Bürgerversammlung an der Osterfeldhalle.

In der Kirche holten sich die Schäffler den Segen für die nächsten Wochen ab. Alle sieben Jahre tanzen die Schäffler traditionell zwischen dem 6. Januar und dem Rosenmontag. 31 Tanztage mit einigen Hundert Auftritten haben die Ismaninger, bei denen gestern auf Anhieb das Programm passte. Und im Publikum stand auch so ziemlich alles, was in Ismaning Rang und Namen hat. Zuvor in der Kirche hielt Luis Eisenreich, der Vorsitzende des Vereins Ismaninger Bauerntheater, zu welchem die Schäffler gehören, eine Ansprache und erinnerte an die Anfänge der Tradition. Einst starteten die Schäffler ihre Aktivität, um den Menschen in schweren Zeiten eine Freude zu machen. Eisenreich weiß auch um die veränderte Gesellschaft im Wohlstandsland Deutschland, „aber teilweise haben wir heute noch den gleichen Zweck. Es gibt auch heute eine Zeit, in der die Leute verbittert sind und die Freunde weniger werden, weil man sich nur noch im Internet bewegt.“

Die Schäffler tanzen auf den Straßen von Ismaning und Umgebung auch mit dem Ziel, dass die Menschen zusammenkommen und miteinander Freude haben. „Wir wollen den Leuten Freude machen“, sagte Eisenreich, „und wir haben für schöne Schäfflertänze alles getan, was wir tun konnten. Ich bin stolz, Euer Vorstand sein zu dürfen.“ Nach dem Auftritt vor der Kirche und als Vorgruppe der Bürgerversammlung geht es nun auf eine kleine Tournee. Der Reisebus „Ismaninger Schäfflertanz 2019“ steht für die nächsten Wochen schon bereit. Interessenten können Bei Max Kraus (Telefon 089 – 9612213) oder im Internet (www.bauerntheater-ismaning.de/schaefflertanz) noch Termine buchen an den 31 Tanztagen bis zum Montag, 3. März.  

„Heit is sakrisch koid“ passte perfekt in Kirchheim

In Kirchheim überstanden die vielen Hundert Zuschauer den kalten Nieselregen samt kräftigem Wind nur mit viel Applaus und damit Bewegung. Die Dauerschleife der Blaskapelle „Aber heit is sakrisch koid“, zu der die Schäffler traditionell ihre Tänze aufführen, passte perfekt. In einem fast einstündigen Auftritt zeigte die Kirchheimer Schäfflerzunf, was sie seit Oktober schweißtreibend einstudiert hatte.

Fünf Jahre nach dem letzten Auftritt zum 100. Jubiläum krachten zunächst die Schusssalven des Salutzuges der Schützengemeinschaft Kirchheim. Dann zogen sie zu den Klängen des „Erzherzog-Albrecht-Marsches“ vor das Rathaus: Die Blaskapelle Kirchheim, angeführt von Dirigent Christian Boche, gefolgt von mehr als 30 Männern der Schäfflerzunft: Fahnenträger, Vorstand, Tänzer, Fassklopfer, Kasperl, Ersatztänzer. Immer zwei Tänzer trugen einen der schweren Buchs-Bögen. Anfangsformation war ein Kreis, dicht umringt von den vielen Kirchheimern, die das Schauspiel nach vielen Jahren endlich wieder sehen wollten. Und dann ging das „Aber heit is koid“ los – mehr als 100 Mal. „Nach ein paar Wochen träumt man davon, so oft spielen wir das“, sagt eine Musikerin der Blaskapelle. Acht verschiedene Figuren tanzten die acht Paare, angeleitet von den Vortänzern Stefan Mayr und Florian Sift, die mit ihren Fähnchen die Figuren vorgaben: „Schlange“, „Bienenhaus“, „Vierer-Häusl“, „Kreuz“ oder „Krone“ heißen diese, uralte Tradition und seit Oktober geprobt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Alles klappte perfekt.

Auch bei Reifenschwinger Mathias Westermeier. Sein Urururopa hatte 1914 den traditionellen Tanz aus München nach Kirchheim gebracht. Heute darf sein Enkel zeigen, was er kann und beide Reifen mit gefüllten Gläsern herumwirbeln, ohne etwas zu verschütten, um dann mit Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) anzustoßen. Nachdem auch die anderen Reifenschwinger Florian Sepp und Andreas Weiß ihr Können mit drei kräftigen „Vivat Hoch“ demonstriert hatten, bedankte sich Böltl namentlich einzeln bei allen Schäfflern. „Auch wenn es den meisten von uns heute gut geht, steht der Ursprung des Schäfflertanzes doch dafür, die Menschen nach Schicksalsschlägen oder in einer schweren Zeit wieder aufzumuntern.“

Seit 1949 tanzten die Kirchheimer Schäffler in ununterbrochener Abfolge, „es ist toll, dass diese Tradition beibehalten wird. Es wäre schön, wenn die Lebensfreude auch über den Aschermittwoch hinaus bleibt“, sagte Böltl. Schäffler-Vorstand Wolfgang Dasch erinnerte an den großen Zeitaufwand für das Training und die fast 200 Auftritte. „Aber uns ist es wichtig, gerade auch in Kindergärten und Schulen gelebte Tradition zu zeigen und so für unseren eigenen Nachwuchs zu sorgen.“ Die vier Kasperl Franz, Christian, Klaus und Alois beendeten mit launigen Reden, natürlich stilecht auf großen Holz-Weinfässern gehalten, einen tollen, „koiden“ Sonntagmorgen vor dem Kirchheimer Rathaus.  

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