+
Lange Liste: Monika Schömer, Inhaberin des Schreibwarengeschäfts Ebensperger in Unterhaching, hilft einem jungen Schüler, alles zu finden, was er zum Schulstart braucht.

Schulanfang: So kämpfen Schreibwarenläden um ihre Kunden

  • schließen

Im Kampf um den Kunden müssen sich Schreibwarenhändler inzwischen einiges einfallen lassen. Besonders zum Schulanfang wollen die Geschäftsleute mit Service punkten. 

Landkreis – Monika Schömer beugt sich rasch über die Gasflasche und befüllt einen Luftballon mit Helium, bevor die nächsten Kunden an ihrer Kasse stehen, um Lotto zu spielen oder eine Zeitschrift zu bezahlen. Auf dem Ballon, der wie ein Ortsschild aussieht, steht in großen Lettern „Schule“, darunter ist das Wort „Kindergarten“ durchgestrichen. Schömer platziert ihn schnell in der Ecke für den Schulbedarf. Dort sind die Regale gut gefüllt – mit allen möglichen Heften, Blöcken und Ordnern. Im Schreibwarengeschäft Ebensperger ist alles vorbereitet für den großen Ansturm zum Schuljahresbeginn.

„Richtig stressig“, erzählt die 48-Jährige, die den Laden an der Münchner Straße in Unterhaching seit 1993 betreibt, „wird es in der Regel am Tag vor dem Schulstart.“ Dann geben sich Eltern und Kinder auf der Suche nach den richtigen Füllern, Schnellheftern und Umschlägen die Klinke in die Hand. Eine gute Woche herrscht Ausnahmezustand. „Solange, bis auch die Kinder an den weiterführenden Schulen von allen Lehrern die Material-Listen bekommen haben.“

Erleichterung für viele Eltern

Doch bereits jetzt liegen im Raum hinter der Kasse mehrere Papiertüten, befüllt mit Schulutensilien, und warten auf ihre neuen Besitzer. Denn gerade in den Grundschulen werden die Materiallisten oft schon vor den Sommerferien verteilt oder die Lehrer schicken sie per Mail an die Eltern. Die Listen kann man bei Schömer und ihren Mitarbeiterinnen abgeben, die das Gewünschte dann zusammenstellen. „Für viele Eltern ist das eine Erleichterung.“

Diesen Service bietet auch Carola Riedler vom Schreibshop Riedler an der Münchner Straße in Ismaning an. Sie richtet für ihre Kunden gemäß der vorgelegten Listen nicht nur die Hefte, Einbände, Filz- und Folienstifte her. „Ich stecke auch die passenden Hefte in die gewünschten Umschläge. Die Kunden bekommen das Schulmaterial sozusagen mundgerecht serviert“, erzählt sie.

Bonbons und kleine Geschenke für die Kinder

Natürlich gibt es Eltern, die sich – durchaus auch in Begleitung der Kinder – das Schulmaterial im Laden noch selbst zusammensuchen. Das kann dann schon einmal dauern. Damit den Kleinen die Zeit nicht zu lang wird, hat Riedler Bonbons oder kleine Geschenke parat. „Sie können in der Zwischenzeit auch malen“, sagt sie.

Zur Zufriedenheit der Kunden betreibt die 59-Jährige also jede Menge Aufwand – und das heuer unter besonders schwierigen Bedingungen. Erstmals trägt sie allein die Verantwortung für den Laden. Denn ihr Mann Max, mit dem sie seit 32 Jahren den Schreibshop betrieben hat, ist im Mai verstorben. Aufgeben kommt für Riedler aber nicht in Frage. „Das Geschäft ist mein Leben“, sagt sie.

Für viele Schreibwarengeschäfte ist der persönliche Kontakt mit dem Kunden, die fachgerechte Beratung und der besondere Service auch das Erfolgsrezept, um – gerade in den umsatzstarken Tagen rund um den Schulstart – im Kampf um die Kundschaft nicht ins Hintertreffen zu geraten. „Es gibt Gott sei Dank immer noch viele Menschen, denen die persönliche Beratung sehr wichtig ist“, sagt Florian Squarra von Schreibwaren Squarra in der Rosenheimer Straße in Höhenkirchen. Und wer Beratung nötig hat, weiß der 38-Jährige, der seit 15 Jahren im Laden seiner Mutter arbeitet, mittlerweile genau. „Man merkt es den Vätern oder Müttern schnell an, wenn jemand mit der Materialliste überfordert ist. Denjenigen springen wir natürlich sofort zur Seite.“ Um mit den Online-Händlern, Discountern und großen Handelsketten mithalten zu können, lockt er zum Schulstart zudem mit Sonderangeboten.

Den Trends nicht verschließen

Natürlich dürfen sich die kleinen Geschäfte auch den Trends nicht verschließen. Monika Schömer und Florian Squarra beispielsweise bieten in ihren Läden neben Plastik- und Papierumschlägen erstmals Umschläge aus Karton an. Die sind zwar deutlich teurer als Plastikhüllen. „Aber sie werden wirklich gut angenommen“, heißt es sowohl von Schömer als auch von Squarra. Ein Zeichen der Zeit: Viele Eltern, Lehrer und Schüler setzen vermehrt auf nachhaltige Produkte. Auch die Digitalisierung in den Schulen macht sich laut Schömer bemerkbar. „Gerade Schüler an weiterführenden Schulen brauchen mittlerweile deutlich weniger Hefte als früher“, sagt sie.

Damit die Schreibwarenhändler auch rechtzeitig wissen, welcher Schulbedarf im neuen Jahr gefragt ist, halten sie engen Kontakt zu den Schulen. „Ich frage auch bei Eltern nach, die mir schon früh eine Liste bringen, ob ich sie mir kopieren darf“, verrät Riedler. Das hat sich übrigens auch einmal für einen in Not geratenen Schüler ausgezahlt, wie die 59-Jährige erzählt. „Der hatte seine Liste verloren und war ganz verzweifelt. Mit meiner Hilfe hat er dann doch rechtzeitig alles besorgen können.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Wenn ich konsumiere, dann...“ - E-Scooter-Fahrer redet sich vor Polizist um Kopf und Kragen
Mit der völlig falschen Aussage zum völlig falschen Zeitpunkt hat sich ein E-Scooter-Fahrer bei einer Polizeikontrolle in Feldkirchen richtig Ärger eingehandelt.
„Wenn ich konsumiere, dann...“ - E-Scooter-Fahrer redet sich vor Polizist um Kopf und Kragen
Helmut Schleich: Nach einem Satz bleibt es totenstill
Bevor Helmut Schleich auf Tour ging, ist er gefragt worden. Bist du sicher, mit „Kauf du Sau“ als Titel? Eine elegante Alternative hätte doch sein können: „Wären Sie …
Helmut Schleich: Nach einem Satz bleibt es totenstill
Pizza-Bote (19) überschlägt sich auf Lieferfahrt
Ein Kunde, der in Unterschleißheim auf seine bestellte Pizza wartete, wurde bitter enttäuscht. Doch noch viel schlimmer erwischte es den Pizzaboten.
Pizza-Bote (19) überschlägt sich auf Lieferfahrt
Soldaten löschen  auf A 95 brennenden Audi ab
Ein Schreck wird den 43-jährigen Audi-Fahrer durch die Glieder gefahren sein, als er auf seiner Fahrt auf der A 95 Flammen aus dem Motorraum schlagen sah. Dass ihm die …
Soldaten löschen  auf A 95 brennenden Audi ab

Kommentare