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Führt das Familienunternehmen in dritter Generation: Roland Schreiner, Chef der Schreiner Group. 

Fachkräftemangel

„Speed Dating“ um Jobs bei der Schreiner Group

Der Landkreis München steht in allerlei Rankings weit vorne – auf einen Spitzenplatz aber könnte er verzichten: In kaum einer Region ist der Fachkräftemangel so groß wie hier. Viele Firmen gehen daher neue Wege bei der Suche nach Mitarbeitern.

Oberschleißheim - „Speed Dating“ – das klingt jung, frisch, sexy. Kein Wunder, entstammt doch der Begriff der Welt des Flirtens. Zu einem solchem Speed Dating kommen Singles, um sich untereinander im Zehn-Minuten-Takt kennenzulernen – bis ein Gong ertönt, und der Alleinstehende zum nächsten Tisch und damit zum nächsten potenziellen Partner wechselt.

Wenn nun aber die Schreiner Group aus Oberschleißheim bei ihrem Tag der offenen Tür Mitte Februar ebenfalls zum Speed Dating lädt, dann sind nicht nur Singles gefragt. Und geflirtet wird wohl bloß in seltenen Fällen. Genauer gesagt ist es ja auch ein „Job Speed Dating“, mit dem das Unternehmen neue Arbeitskräfte gewinnen will. Dabei können Interessierte ohne Anmeldung und Bewerbung vorbeikommen und zehn Minuten mit einem Personaler plaudern – „bei entspannter Wohlfühl-Atmosphäre mit Lounge-Musik“, wie es auf der Webseite der Firma heißt.

Neues Bewerbungsformat

Mit diesem neuartigen Bewerbungsformat habe man sehr positive Erfahrungen gemacht, sagt Brigitte Kustermann, Personalreferentin der Schreiner Group, die in Oberschleißheim rund 1000 Mitarbeiter zählt. Das Familienunternehmen, führender Hersteller von Spezialetiketten, ist der größte Arbeitgeber am Ort. Die Firma stellt auch die österreichischen Autobahn-Vignetten her. „Wir sind ständig auf der Suche nach Fachkräften mit technischem Hintergrund. Der Fachkräftemangel macht sich insbesondere dadurch bemerkbar, dass es zunehmend schwieriger wird, Bewerber zu finden, die neben einer technischen Ausbildung auch Berufserfahrung aus der modernen fertigenden Industrie mitbringen“, sagt Brigitte Kustermann.

Dass die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern ein Problem in der ganzen Region ist, zeigen die Zahlen der Agentur für Arbeit (siehe Kasten). Auch die IHK Bayern geht von 37 000 Fachkräften aus, die aktuell im Raum München fehlen – je ein Drittel Akademiker, ausgebildete Kaufleute und Arbeiter mit einer technischen Ausbildung. Bis zum Jahr 2030 soll diese Zahl sogar auf 99 000 ansteigen.

Engpässe im IT-Bereich

Wie das in der Praxis aussieht, sieht man etwa bei der msg-Gruppe, die ihren Sitz in Ismaning hat und dort 1600 Mitarbeiter beschäftigt. Klickt man sich auf der Webseite der IT-Firma durch die Stellenangebote, findet man allein für Ismaning 196 Gesuche. „Wir spüren den Fachkräftemangel deutlich“, bestätigt eine Sprecherin. „Und wir gehen davon aus, dass der Wettstreit um Talente noch zunehmen wird. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften, insbesondere in den IT-Berufen, ist sehr hoch.“ Und dennoch hat die msg-Gruppe 2016 tausend Mitarbeiter einstellen können – auch, weil man bei der Personalsuche neue Wege geht. Unter anderem spreche man potenzielle Bewerber aktiver an, erklärt die Sprecherin. Zudem setze man stärker auf das eigene Online-Karriereportal sowie auf soziale Medien.

Auch das Handwerk hat zu kämpfen

Dass der Fachkräftemangel nicht nur IT-Firmen betrifft, zeigt der Blick nach Unterhaching. Dort hat die Firma Develey, die sich zu diesem Thema nicht äußert, etliche Jobs ausgeschrieben. Und auch im Handwerk gestalte sich die Personalsuche schwierig, bestätigt Julia Waldhauser vom Familienunternehmen Waldhauser Wärmetechnik in Grünwald, das aktuell einen Anlagenmechaniker sucht: „Für uns ist es nicht einfach, an Fachkräfte zu kommen. Das ist im ganzen Handwerk ein gravierendes Problem, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat.“ Bei der Mitarbeitersuche setzt Waldhauser auf Aushänge, Anzeigen in der Regionalpresse, Web-Portale – und Zeitarbeitsfirmen. „Auf dem Weg bekommen wir Mitarbeiter, die wir dann intern weiterbilden“ sagt Julia Waldhauser. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Dass immer mehr Handwerksbetriebe aus der Region neue Wege bei der Suche nach Fachkräften beschreiten, berichtet auch Hartmut Drexel von der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK). „Viele stellen ihren Betrieb bei Facebook und in Filmen bei Youtube vor. Da geht es darum, sich bekannter zu machen und sich einen positiven Ruf zu erarbeiten – und das hilft wiederum bei der Suche nach Mitarbeitern.“ Doch bei allen Bemühungen weiß auch Drexel: „Der Fachkräftemangel ist längst bei uns angekommen.“ So hätten bei einer HWK-Umfrage 23 Prozent aller Betriebe angegeben, dass der Fachkräftemangel die Entwicklung ihres Unternehmens hemme.

Tag der offenen Tür bei der Schreiner Group

Anlässlich ihres 65-jährigen Firmenbestehens lädt die Schreiner Group in Oberschleißheim am Freitag und Samstag, 17. und 18. Februar, jeweils zu einem Tag der offenen Tür ein. Von 9 bis 16 Uhr können Besucher ohne Anmeldung an verschiedenen Führungen durch das Unternehmen teilnehmen; dazu gibt es einen Marktplatz mit Infoständen und Ausstellungen sowie ein Kinderprogramm. Am Samstag findet außerdem das „Job Speed Dating“ statt: Hier können sich Interessierte mit einem kurzen Lebenslauf – ohne Anmeldung und Bewerbungsmappe – in zehnminütigen Gesprächen mit Mitarbeitern der Personalabteilung vorstellen.

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