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Das Bankerl am nebelverhangenen Auensee ist für Maria Reuther ein Ort zum Abschalten und Auftanken.

Stille Orte in der staaden Zeit

Die stille Kraft des Waldes

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An den vier Adventswochenenden stellen wir vier staade Orte im Landkreis München vor. Im ersten Teil haben wir Försterin Maria Reuther zu einem verwunschenen Weiher im Forst begleitet.

Ismaning – Das Laub knirscht unter den Wanderschuhen, während Försterin Maria Reuther auf dem Weg zu einem ihrer Lieblingsplätze im Ismaninger Auenwald ist. Tannenzapfen und eingetretene Blätter bedecken den Waldboden, ein Vogel zwitschert hoch oben im Baum eine leise Melodie. Reuther steigt über einen herabgefallenen Ast, im Hintergrund sieht man einen olivgrünen Weiher durch die letzten tiefroten Blätter hervorschauen: Es ist der Auensee, Reuthers Lieblingsplatz im Wald. In tief liegende Nebelschwaden gehüllt, liegt der Wasserspiegel reglos im Unterholz. Ein Ort zum Abschalten und Auftanken.

Seit 23 Jahren kümmert sich Reuther um die Isarauen bei Ismaning. Fast ein Vierteljahrhundert arbeitet sie schon im Münchner Norden als Försterin. Den Wald kennt sie so gut wie Innere ihres Geländewagens. Trotzdem: Auch als Försterin kommt sie noch an Orte an denen sie noch nie war. „Die haben mich noch nicht gebraucht“, sagt Reuther. Für sie ist der Wald mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie behandelt das Leben im Wald mit Fürsorge und Respekt.

Handgezimmertes Bankerl ist ihr Ruheplatz

Auf dem handgezimmerten Bankerl am Ufer des Auensees sitzt Reuther aber nicht zu ersten Mal. „Im Winter ist der See zugefroren, im Frühjahr brühten Gänse auf der kleinen Insel. Und ab und zu springt ein Fisch raus“, erzählt sie und blickt auf den nebelverzogenen Weiher.

An einer Stelle, wo das Gebüsch wie überall sonst zu wuchern scheint, schiebt Reuther mit ihrer Hand ein paar Zweige zur Seite. Dahinter versteckt sich ein Trampelpfad, nicht einmal schulterbreit. Einige Schritte weiter taucht eine aus ein paar Brettern zusammengenagelte Brücke mitten im Gestrüpp auf. Sie führt über den Sumpfzwischen Auensee und Schwabinger Bach. Unaufgeregt plätschert der Bach vor sich hin, während Reuther über dem Fluss auf der kleinen Brücke steht, die Arme auf das Geländer gelehnt. Ein Ort, der trotz seiner Schönheit nahezu unbekannt ist. „Man kann hier drei Stunden sein und trifft niemanden, vor allem bei diesem Wetter und zu dieser Jahreszeit“, sagt die Försterin.

Nicht viel Zeit für Besinnlichkeit

In den Orten rund um den Forst verheißt die Adventszeit für viele Menschen eine lange Liste voller Erledigungen: Geschenke kaufen, Plätzchen backen, Baum dekorieren. Da bleibt nicht viel Zeit für Besinnlichkeit. Dem Wald geht es da an manchen Tagen nicht anders: Vor dem Winteranfang herrscht Trubel zwischen den Fichten, Tannen und Eschen. „Zurzeit wird gejagt und Holz gemacht“, sagt Reuther. Die wirklich staade Zeit beginnt erst nach Weihnachten, wenn der letzte Baum gefällt wurde und die letzte Kugel geflogen ist. Dann fährt die Försterin am liebsten mit ihren Langlaufskiern die verschneiten Isar entlang.

Die jährlichen Zeitläufte im Wald bleiben gleich, doch die Bewohner nicht. „Hier hat sich einiges verändert“, sagt Reuther und lässt den Blick vom matschigen Waldboden über die jungen, wachsenden Bäume bis hin zu den im Nebel verschwindenden Baumkronen schweifen. Die Arten seien heute andere als noch vor ein paar Jahren. „Früher gab es viel mehr Fichten.“ Jetzt frösteln einige kahle Eschen am Bilderbuchufer des Weihers. „Das war mal alles viel grüner“, sagt Reuther über die Zeit, als der Wald noch von Nadelbäumen dominiert wurde.

Doch die Försterin findet im Auenwald noch ihre Kraftorte. Hinter den schmucklosen Eschen ragt eine Linde empor. Die Baumkrone hoch über dem restlichen Wald schimmert an den Rändern in Bordeauxrot und Orange. „Das ist ein Baum, der lebt“, sagt Reuther lächelnd. Und der Wald lauscht ihr still.

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