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Bunter Überblick: Die Schulleitung der Grund- und Mittelschule am Sportpark, (v.l.) Eva Belm, Rektorin Christa Grasl und Vanessa Ziegler, vor den Stundenplänen.  

Nachmittags-Unterricht für Viertklässler

Eltern regen sich über Stundenplan auf

Sportunterricht am Nachmittag: Geht gar nicht für Viertklässler, finden einige Eltern. Doch anders lässt sich der Stundenplan in Unterhaching kaum bewältigen.

Unterhaching – Gerade erst hat das neue Schuljahr angefangen, schon gibt es Ärger in der Grundschule am Sportpark in Unterhaching. Der Grund: Der Sportunterricht der vierten Klassen findet nachmittags statt.

Für Irene Rottenwallner (70) ein Unding: „Meine Enkelin kam am ersten Schultag ganz schockiert nach Hause und hat gesagt: ,Oma, Oma, ich kann nicht mehr in den Hort, zum Flötenunterricht oder in den Schwimmverein‘.“ Der Hort ist für eine bestimmte Mindestanzahl an Tagen gebucht. „Durch den Nachmittagsunterricht muss sie jetzt eine andere Aktivität streichen“, klagt Rottenwallner. Die ehemalige Lehrerin versteht nicht, wieso Kinder schon in der Grundschule vor so eine Entscheidung gestellt werden: „Sportunterricht am Nachmittag? Da gibt es eine Dreifachturnhalle, in der vormittags 90 Schulstunden pro Woche möglich wären.“

Turnhalle voll belegt

Doch so leicht ist das nicht. Zwar steht der Schule die Dreifach-Turnhalle zur Verfügung, doch mit den sogenannten Leistungssportklassen, die es neben den Regelklassen gibt, wird die Halle voll genutzt. Um den Sportunterricht nicht auf Einzelstunden über die ganze Woche zu verteilen, entschied sich die Schulleitung, den Sport der vierten Klassen auf den Nachmittag zu verlegen. „Wir sind froh, dass es nur die vierten Klassen sind“, sagt Konrektorin Eva Belm. An Tagen, an denen Nachmittagsunterricht stattfindet, haben die Schüler mittags dafür schon früher aus. Dadurch sollen sie mehr Zeit haben, zum Mittagessen in den Hort zu gehen. Auch die Lehrer habe man angehalten, an diesen Tagen weniger Hausaufgaben aufzugeben.

Die Schulleitung es sich nicht einfach gemacht mit den Stundenplänen. „Ende Juli haben wir angefangen, diese zu erstellen“, erzählt Belm. „Und auch die Woche vor Schulbeginn waren wir dafür jeden Tag zehn Stunden da.“ 20 Klassen der Grundschule und 15 der Mittelschule haben die Rektorinnen dabei unter einen Hut zu bringen. „Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass der Stundenplan so pünktlich fertig geworden ist“, betont Rektorin Christa Grasl.

Eltern wollen Doppelstunden

Das Ergebnis ist eine Tafel, bei deren Anblick wohl selbst der Bundestrainer neidisch würde. Hunderte bunte Magneten bedecken die beiden Whiteboards. „Wir haben versucht, die Stunden so zu verteilen, dass Schüler, die in Ganztagsklassen sind, eher am Nachmittag Unterricht haben. Außerdem haben sich die Eltern gewünscht, dass der Sportunterricht in Doppelstunden stattfindet“, sagt Belm zu den Gründen für die Sportstunden am Nachmittag.

Und trotzdem sind nicht alle Eltern und Großeltern wie Irene Rottenwallner zufrieden mit dem Stundenplan. „Meine Tochter ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern und angewiesen auf die Hortplätze“, sagt Rottenwallner. Die Kombination aus Hort, Musikunterricht und Sportverein wird für ihre Enkelin in Zukunft nicht mehr möglich sein.

 Fachlehrer entscheidend

„Wir unterliegen da einfach gewissen Zwängen“, erklärt Rektorin Grasl. Denn nicht alle Klassenlehrer können alle Fächer unterrichten. Deshalb gibt es zusätzliche Fachlehrer, die Englisch oder Sport an der Schule unterrichten. Erst kurz vor Schuljahresbeginn erfuhr die Schulleitung, wie viele Lehrer hierfür zur Verfügung stehen. Dieses Jahr unterrichten 17 Fachlehrer an der Grund- und Mittelschule in Unterhaching. Die muss sich die Schule allerdings mit weiteren 16 weiteren im Landkreis teilen. Der neue Stundenplan müsse sich deshalb nach der Verfügbarkeit dieser Fachlehrer richten.

Elternbrief und -info

Trotzdem hat die Schulleitung Verständnis, dass sich Eltern über den Stundenplan beschweren, sagt Belm, „aber ich würde mir wünschen, dass man bis zum ersten Elternabend wartet“. Dort wollen die Rektorinnen den Stundenplan nochmal genau erklären. Auch einen Elternbrief habe man in der ersten Schulwoche speziell zu diesem Thema herausgegeben. „Transparenz ist uns wichtig“, betont Rektorin Grasl, „aber wir können nicht jedem Einzelnen den Stundenplan erklären.“

Trotzdem wolle man Lösungen anbieten: „Zwei Eltern haben wir schon angeboten, dass ihr Kind am Sportunterricht in einer anderen vierten Klasse teilnehmen kann“, sagt Belm. Die Pläne grundsätzlich zu ändern sei jedoch „utopisch“. Auch das Ministerium sei in Bezug auf Fachlehrer Zwängen unterworfen, sagt Grasl. „Die können uns nur schicken, wen sie haben“. 

Korbinian Bauer

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