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Traudi Siferlinger und Teilnehmer beim Jodeln.

Live dabei in Ismaning

Warum ein Jodelkurs mit Loriots Jodel-Diplom nichts zu tun hat

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Jodeln ist absolut in. Das  merkt Traudi Siferlinger, BR-Moderatorin und Volksmusikerin. In Ismaning hat sie einen Jodelkurs gegeben. Ohne Diplom.

Ismaning – Um den offensichtlichsten Scherz gleich mal abzuhaken, hier ein „Holleri du dödl di, diri diri dudl dö“ zum Auftakt. Gefolgt vom „Dö dudl dö“. Was zweites Futur bei Sonnenaufgang ist, wie ein jeder Loriot-Liebhaber weiß. Der Sketch „Die Jodelschule“, 1978 uraufgeführt, schrieb Geschichte.

Und so hat man in der Volkshochschule Ismaning, wo gleich der Jodelkurs mit dem Titel „Holla-rei-dulliö“ beginnen soll, zwangsläufig den Loriot’schen Lehrer Dr. Vogler vor Augen. Der – „es heißt dudl, nicht dudel“ – den Schülern um Frau Hoppenstedt im Institut für modernes Jodeln die hohe Kunst von Selbigem mit viel Akribie näherbringt, Silbe für Silbe diktierend.

Voller Energie vom Stau zum Jodeln

Wobei dieses Bild wie eine Seifenblase zerplatzt, kaum dass Traudi Siferlinger den Saal betritt. Genauer gesagt stürzt sie zur Tür herein, eine Viertelstunde zu spät, der Stau rund um München, „eine Katastrophe“, stöhnt sie. Sie lässt ihre Schuhe mit Schwung an die Wand flutschen und steht im nächsten Moment barfuß mitten im Raum, umgeben von einer fast greifbaren Aura der guten Laune sowie 16 neugierigen Gesichtern. 13 Frauen und drei Männer sind gekommen, um zu jodeln. Oder das Jodeln zu lernen. Von Traudi Siferlinger, Volksmusikerin und BR-Moderatorin, 51, die auch als 41 durchgehen würde, und obendrein die Energie einer 31-Jährigen zu haben scheint. Und die somit mit Dr. Vogler so wenig gemein hat wie der Humor eines Loriot mit dem eines Mario Barth.

„Wir fangen gleich an“, ruft Siferlinger, und schon wird losgejodelt. He-i-ti, ho-i-ti, he-i-ti-jä-du-ri-di. Ausgeschrieben können die Silben kaum wiedergeben, was aus 17 Kehlen erklingt. Und das bereits nach wenigen Durchgängen in beachtlicher Harmonie. Erst zwei-, drei-, dann gar vierstimmig jodelt die Gruppe, während Traudi Siferlinger mit vollem Körpereinsatz dirigiert, die Hände je nach Tonhöhe durch die Luft wirbelt.

Traudi Siferlinger und Teilnehmer beim Jodeln.

Jodeln, das ist für die Musikerin ein Stück Heimat: Schon als Kind habe sie mit Schwester und Bruder – das Trio trat als „Geschwister Siferlinger“ auf – nicht nur gesungen, sondern auch viel gejodelt. „Jodeln berührt die Seele und das Herz“, sagt sie. „Man taucht in ein Klangbad ein und vergisst alles um sich herum.“ Wobei das Jodeln wiederum fast in Vergessenheit geraten ist, vor 20, 30 Jahren. Denn wie so viele alte Bräuche und Traditionen galt es vor allem im Großstadtmilieu als rückständig, altmodisch, out. Doch inzwischen, betont Traudi Siferlinger, gebe es „einen richtigen Boom“ ums Jodeln. „Bei meinen Kursen in München kommen an die 100 Teilnehmer“, erzählt sie. „Und auch viele junge Menschen.“

Generation 60 plus will‘s wissen

Hier in Ismaning stellt dagegen die Generation 60 plus das Gros der Teilnehmer, die schon nach wenigen Minuten ihre Zurückhaltung abgelegt haben und nun aus voller Kehle mitsingen. Jodel-Anfänger stehen hier Seite an Seite mit jenen, die schon über eine gewisse Erfahrung verfügen – wie Hedwig Geiger aus Ismaning. Sie ist Mitglied im alpenländischen Singkreis in Feldkirchen, kennt Traudi Siferlinger aus TV- und Radio-Shows und ist gekommen, „weil ich dich mal kennenlernen wollte“, verrät sie der Kursleiterin in einer Pause.

Jodler mit der Rockband

Für Hubert Berrang aus Unterschleißheim sind Volksmusik und Jodeln nicht unbedingt das musikalische Milieu, in dem er sich sonst bewegt. Schließlich spielt der 65-Jährige Gitarre in einer Rockband. Aber am Ende eines Songs auf der Bühne mal einen richtigen Jodler rauslassen, das wäre doch was, sagt Berrang lachend. Und so jodelt auch er heute vom „Hi“ übers „Jä“ bis zum „Rü“ – mit Eifer und sichtlicher Freude. Und ganz ohne Jodeldiplom.

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