Drei Leichen in bayerischem Wohnhaus gefunden - Ermittler glauben, dass sich „Familientragödie abgespielt hat“

Drei Leichen in bayerischem Wohnhaus gefunden - Ermittler glauben, dass sich „Familientragödie abgespielt hat“
+
Erst an den Bierbänken, später auf den Biertischen: Die Gäste feiern beim Burschenfest in Ismaning.

Was ist schiefgelaufen?

Polizei bricht Burschenfest ab

Ismaning - Irgendwas ist mächtig schief gelaufen beim Ismaninger Burschenfest. Am Sonntagabend steht die Polizei vor dem Zelt. Das Fest wird abgebrochen. Und seitdem gibt es eine Menge Gerüchte darüber, was passiert ist.

Der Sonntag ist ein brütend heißer Tag. In der Früh schon haben die Ismaninger Burschen einen Festgottesdienst gefeiert. Haben den Festumzug in Tracht und mit vielen Fahnen hinter sich gebracht. Und freuen sich jetzt, am Mittag, auf den Besuch von 45 befreundeten Burschenvereinen. 1700 Menschen sollen zusammenkommen, um bis in den frühen Abend zu feiern. Erst zu Blasmusik, dann zum Sound der Band „Born Wild“. Doch schnell ist Schluss mit Lustig: Gegen 18 Uhr muss Alexander Lutz (25), der Vorsitzende der Ismaninger Burschen, auf die Bühne steigen und den Gästen mitteilen: Aus ist’s, bitte das Zelt verlassen.

Warum die Veranstaltung am letzten der vier großen Festtage zum 120-jährigen Bestehen so jäh zu Ende gegangen ist, bleibt auch eine Woche später eher unklar: Da ist etwa Bürgermeister Alexander Greulich (SPD): Er hat sich den Bericht des Sicherheitsdienstes „Black Guardian Security Service“ durchgelesen. Und ist entsetzt. Von fehlenden Einlasskontrollen sei die Rede, vom Rauchverbot, das nicht eingehalten worden sei, und davon, dass der Burschenvorsitzende den von ihm beauftragten Sicherheitsdienst grundsätzlich gebeten habe, eher leise aufzutreten, sich im Hintergrund zu halten. „Das lässt einen gewaltig durchschnaufen“, sagt Greulich. Schuld sind in seinen Augen die Burschen selbst, denn die hätten den Sicherheitsdienst nicht richtig eingewiesen. Mehr noch: Greulich hat dem Bericht entnommen, dass es gar kein echtes Sicherheitskonzept gegeben haben und die „Black Guardians“ nichts über etwaige Auflagen der Gemeinde wussten.

Auflagen hat es schon gegeben, gibt Alexander Lutz unumwunden zu. Schriftlich hatte ihm die Gemeinde mitgeteilt, das Fest dürfe nur stattfinden, wenn es eine Einlasskontrolle gibt, auf den Jugendschutz geachtet und das Rauchverbot eingehalten wird. Nur, Lutz wusste es irgendwie besser: Kontrollen verärgern die Gäste, sorgen erst für Unmut und dann für richtig Ärger. Das wollte er vermeiden - und ließ die Kontrollen einfach weg. „Fingerspitzengefühl“ nennt er das, entstanden aus Erfahrung. Schließlich will er als Veranstalter seine Gäste nicht vergraulen. Und die zu Türmen aufeinander gestapelten Bierbänke? Die Bierbank-Rutsche? Normal bei Burschenfesten und schnell wieder abgebaut, sagt Lutz. Dass ein solches Verhalten nicht gut ankommt, versteht er Tage später durchaus.

Aber jetzt ist es halt zu spät: Greulich - er hatte bereits im Vorfeld kritisch auf das Burschenfest geschaut - und die Ismaninger Gemeinderäte überlegen offensichtlich, einen zugesagten Zuschuss von 20 000 Euro zumindest einzufrieren. Und ob die Burschen im September ihr Weinfest feiern dürfen, ist unklar.

Das Image mag ebenfalls gelitten haben, selbst wenn Lutz wiederholt vom „Brauchtum“ spricht und davon, was der Verein alles für den Ort getan hat. Sein Fazit des vermasselten Abends: „Keiner war bös’ und grantig, keiner hat was kaputt gemacht.“

Das stimmt, bestätigt das Polizeipräsidium. Abgebrochen werden musste allein, weil die „Black Guardian“ gegen 15 Uhr ihren Dienst quittiert und die Polizei verständigt hatten. So sei ein „gravierendes Sicherheitsrisiko“ entstanden, teilt die Polizei mit. Auch das BRK lobt, es habe „keine größeren Aggressionen und Streitigkeiten“ gegeben. Der Chef des Sicherheitsdienstes war am Freitag nicht zu erreichen. Seit acht Jahren hatten er und die Ismaninger Burschen zusammengearbeitet. Das ist wohl vorbei.

Was vom Fest übrigbleibt, ist schlechte Stimmung im Dorf. Und ein entnervter Burschenvorsitzender: „Es wird so viel Schmarrn erzählt. Das regt mich brutal auf.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Der Landkreis ist sehr gut aufgestellt“
Der Versorgungsarzt im Landkreis steht fest. Der  Oberhachinger Hausarzt Dr. Oliver Abbushi soll die Coronakrise managen. Darüber spricht er im Interview. 
„Der Landkreis ist sehr gut aufgestellt“
Corona-Krise: Sorge um Pflegebedürftige
Versorgungsengpässe in Kliniken müssen die Landkreis-Bürger derzeit nicht befürchten. Was den Landrat besonders beschäftigt, ist die Situation in den Pflegeheimen und …
Corona-Krise: Sorge um Pflegebedürftige
Coronavirus im Landkreis München: Neun Todesfälle - erste Trickbetrüger
Das Coronavirus versetzt den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Mittlerweile sind mehrere Menschen gestorben, viele sind infiziert. Alle Infos hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Neun Todesfälle - erste Trickbetrüger
Schleißheimer Doppelböck
Oberschleißheim und Unterschleißheim haben seit der Kommunalwahl eine Gemeinsamkeit mehr: Ihre Bürgermeister haben denselben Nachnamen. Eine Steilvorlage zum Kalauern.
Schleißheimer Doppelböck

Kommentare