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Edle Damen hoch zu Ross sind am Sonntag bei der Jagd- und Kutschengala im Park des Schleißheimer Schlosses zu bewundern. 

Erstes „churbayerisches Freudenfest“

Pracht und Prunk im Schloss Schleißheim

Jagdszenen, Kutschen und Pferde gibt‘s jedes Jahr im Schloss Schleißheim. Erstmals gibt‘s  ein wahres „Freudenfest“ - mit dem Kurfürsten persönlich.

Oberschleißheim – Prächtige Kutschen fahren vor, Hofdamen üben sich im Damensattel im Dressurreiten, venezianische Gondeln gleiten majestätisch über den Kanal. Das gibt es am Sonntag, 3. September, ab 10 Uhr im Schleißheimer Schlosspark zu erleben. Dazu Mode und Musik, Tanz und Theater wie zu Zeiten des Kurfürsten Max Emanuel .

Und erstmals gibt es zusätzlich ein „churbayerisches Freudenfest“ ganz im Stile des Blauen Kurfürsten, wie der bayerische Herrscher auch genannt wird. Historiker Marcus Junkelmann organisiert dieses im Rahmen der historischen Jagd- und Kutschengala. Besonderen Wert legt er darauf, das Leben in der Barockzeit authentisch zu zeigen.

Authentisch von Berufswegen

Und mit Authentizität kennt sich der 67-jährige, mehrfach ausgezeichnete „Experimentalarchäologe“ aus. In dieser Disziplin wird versucht, praktische Aspekte der archäologischen Rekonstruktion gerade bei technischen Vorgängen zu erforschen. Kurz gesagt, die Frage zu klären: Wie haben die das damals eigentlich hinbekommen? Dafür überquerte Junkelmann mit Studenten auch die Alpen zu Fuß und in der Ausrüstung eines römischen Legionärs.

Wie beim Fest zum 350. Geburtstag

Vor fünf Jahren nahm er den 350. Geburtstag Kurfürst Max Emanuels zum Anlass, erstmals in Schloss Schleißheim Feierlichkeiten der Barockzeit zu rekonstruieren, nämlich jene zu Max Emanuels Geburt. Dieses Fest nahm seinen Anfang 1662, als der damalige Hausherr Kurfürst Ferdinand von Bayern die Taufe seines Sohnes Max Emanuel feiern ließ – mit Oper, Turnier und Feuerwerk. Damit machte er den bayerischen Kurfürstenhof zum Vorreiter dessen, was in den kommenden Jahren vom gesamten europäischen Adel gepflegt wurde. Sohn Max Emanuel erbte nebst altem Schloss auch den Kunstsinn seines Vaters und wurde selbst zu einem Kulturfürsten, unter dessen Herrschaft die barocke Kunst in Bayern ihren Höhepunkt erreichte.

Prunk und Protz lassen grüßen

Auch am Sonntag soll an verschiedene Episoden im Leben Max Emanuels erinnert werden. Die feudale Atmosphäre des Neuen Schlosses vermittelt einen Eindruck der barocken Glanzzeit Bayerns: Mehr als 300 Meter reich verzierte Schlossfasade spiegeln sich im Kanal des ausladenden Parks und geben einen Eindruck von der Pracht der Säle, die im Inneren im Licht kristallener Kronleuchter bewundert werden können. 25 Jahre brauchte es, um den 1701 in Auftrag gegebenen Neubau fertigzustellen. Anlässlich seiner Hochzeit 1684 hatte Max Emanuel schon Schloss Lustheim errichten lassen. Dort verbrachte Marcus Junkelmann seine Kindheit.

Der Kurfürst kommt zur Seeschlacht

Besucher können dort sowie im Alten und Neuen Schloss barockes Tanztheater erleben und im Park einer Falkenjagd beiwohnen. Im Gardesaal des Neuen Schlosses wird gezeigt, was die höfische Etikette an Mode empfiehlt. Am Abend gibt sich Hausherr Max Emanuel dann selbst die Ehre und demonstriert seine militärischen Fähigkeiten beim Angriff einer Schwimmfestung von venezianischen Gondeln aus. Zum Abschluss lässt es der Hofstaat dann nochmals krachen – mit Maskenball und Feuerwerk wie vor 300 Jahren. Dennoch will Marcus Junkelmann kein „barockes Oktoberfest“ veranstalten, sondern das Fest historisch genau rekonstruieren. Korbinian Bauer

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