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Notunterkunft auf Zeit: das Tenniscenter Keferloh.

Notunterkunft im Tenniscenter Keferloh am 1.September 2015 errichtet

Ein Jahr Flüchtlingshilfe im Landkreis

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    Janine Tokarski
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Landkreis - Vor genau einem Jahr erreicht die Flüchtlingswelle den Landkreis. Sie hat ihn verändert, mit Sonnen- und Schattenseite. Landrat Christoph Göbel zieht Bilanz eines Jahres, das auch für ihn persönlich zu den schwersten zählte.

Der 1. September 2015 war ein Dienstag. Es war der Tag, als sich der Landkreis begann, zu verändern. Am späten Abend zogen 300 Flüchtlinge in das Tenniscenter Keferloh. Sie und tausend weitere waren mit Sonderzügen aus Budapest am Münchner Hauptbahnhof angekommen. 

In einer Nacht- und Nebelaktion haben mehr als Hundert Freiwillige ein Notlager eingerichtet. Knapp zwei Wochen später eröffnet die Aufnahmeeinrichtung in Dornach. Dort werden tausende Menschen durchgeschleust. 

„Geordnetes Chaos“ nennt Landrat Christoph Göbel (CSU) diese Phase rückblickend im Interview mit dem Münchner Merkur. „Ich hatte keine Antwort auf diese Herausforderungen“, räumt er heute ein. 

Ein Jahr später ist im Landkreis Alltag eingekehrt. 4293 Flüchtlinge leben in den Städten und Gemeinden. Fast alle wohnen mittlerweile in festen Unterkünften. Drei von sieben Traglufthallen sind abgebaut, auch die restlichen schließen pünktlich nach einem Jahr. „Dass wir den Zeitplan halten können, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass es derzeit keinen Zuzug gibt“, sagt Göbel.

Das Landkreis hat sich ein soziales Gesicht gegeben

Der Landkreis schnauft durch. Innerhalb von nur einem Jahr ist er ein anderer geworden. In jedem Ort gibt es einen Helferkreis. Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit für andere Menschen in Not. Der Landkreis hat sich ein soziales Gesicht gegeben. 

Gleichwohl sind Probleme aufgetaucht, die es nach wie vor zu bewältigen gilt. 2500 anerkannte Asylbewerber leben noch immer in Gemeinschaftsunterkünften, weil sie auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt keine Bleibe finden. Viele suchen vergeblich nach einem Job. 

Anfeindungen, Vorurteile, Widerstände

Hinzukommt: Es gibt Anfeindungen, Vorurteile und Widerstand. Der Landkreis entblößt auch ein Gesicht der Angst. Flüchtlinge und Helfer bekommen es gleichermaßen zu sehen. Kommunalpolitiker sind bedroht worden.

Auch Landrat Christoph Göbel hat es persönlich getroffen. Er bekommt Hassbriefe. Nicht mehr alle Absender verstecken sich hinter der Anonymität. Menschen feinden ihn an „mit Namen und Adressen“, sagt er. „Die Gesellschaft ist bereiter, einen gewissen Grundkonsens an Anstand zu verlassen.“ Und das ohne Limit. „Es gab konkrete Drohungen bis hin zur Aufforderung, ich soll auf meine Kinder aufpassen.“ 

Landrat Christoph Göbel: „Es gibt keine Alternative zum Handeln.“

Der 41-Jährige hat wohl das schwierigste Jahr seiner gesamten politischen Karriere hinter sich. Er hat sich für den Weg als Taktgeber der Asyl-Debatte entschieden. Mit pragmatischem und schnellem Handeln. Über Nacht stellte er das Tenniscenter Keferloh zur Verfügung. Als die Regierung den Bau weiterer Unterkünfte auf Eis legte, hätte er lieber weitergebaut. 

Für ihn war immer klar: „Es gibt keine Alternative zum Handeln.“ Das gilt für ihn auch, wenn es um Integration geht – die aktuelle Aufgabe Nummer Eins.

Janine Tokarski

Thomas Radlmaier

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