Ein Jahr nach dem Brand: Lumen-Christi-Kapelle wird eingeweiht

Baierbrunn - Vor einem Jahr hatte ein Brand die Lumen-Christi-Kapelle zwischen Baierbrunn und Buchenhain völlig zerstört (wir berichteten). Am Sonntag wurde das wieder errichtete Kircherl mit einem Gottesdienst und vielen Gästen eingeweiht.

Heinrich Schmid (69) hatte die Kapelle 2009 als Dank nach Genesung von langer Krankheit errichtet. Auch er war bei der Einweihung dabei. Gut 200 Baierbrunner, gekommen mit Rad oder Hund, in Tracht oder Jeans, wohnten der Feierlichkeit unter freiem Himmel bei.

Wie der Dichter Rainer Maria Rilke in Paris einer Bettlerin, an der er täglich vorbeiging, irgendwann eine Rose in die Hand legte, und wie die Frau dann lebte von der Rose - damit begann Pfarrer Luigi Gonzales, von den Baierbrunnern liebevoll „Don Luigi“ genannt, seine Predigt. Auf die Frage: „Wovon lebt der Mensch?“, meinte er, könne auch die Kapelle eine Antwort geben. Bekanntlich hat sie Schmid genau dort errichtet, wo er vor 25 Jahren - übrigens auch am ersten Sonntag im September - eine Lichterscheinung gehabt hatte, auf dem Weg zur Jagd. „Die Kapelle beschenkt uns alle mit Kraft und Trost“, sagte der Geistliche, sie sei ein „Geschenk an unsere Herzen“. An dem durchaus einige Baierbrunner mitgewirkt haben. Bauer Seitz, indem er den Grund, auf dem das Kleinod steht, zur Verfügung stellte. Die Gemeinde, indem sie einen Weg dorthin anlegte. Und der Frauenbund, indem er, nachdem die Kapelle ausgebrannt war, gleich ein Spendenkonto einrichtete.

Jetzt, bei der Wieder-Einweihung der Mini-Kirche, strahlte die Sonne vom weiß-blauen Himmel. Heinrich Schmid, eigentlich ein „rational denkender“ Diplom-Ingenieur, der die Geschehnisse in Zusammenhang mit seinem Gotteshaus als „größtes Erlebnis meines Lebens“ bezeichnet, stand in der Lederhose irgendwo am Rand - und machte auch, nachdem ihm von Silvia Duschka, der Elternbeiratsvorsitzenden der Grundschule, Kinderbilder überreicht worden waren, keine großen Worte. Er sei es nicht gewohnt, öffentlich zu reden, meinte er bescheiden, daher beschränke er sich auf ein „vergelt’s Gott“. Aber man sah ihm die Freude darüber, dass sein Kircherl so gut angenommen wird, durchaus an. Er selbst sucht die Kapelle fast täglich auf, und auch der Frauenbund pilgert bei seiner Lichterprozession regelmäßig dorthin.

Die „Erscheinung von Licht und Flammen“, die er gehabt hat, wolle, so Don Luigi, daran erinnern, „dass Christus das Licht ist“. „Menschen brauchen mehr Raum für das Atmen der Seele“, sagte er. Und weil in dem von Jagdbläsern der Kreisgruppe München aufs Festlichste umrahmten Gottesdienst zum Singen wenig Gelegenheit bestanden hatte, intonierte die Festgemeinde dann das „Vater Unser“. „Ich bin schon längst über 70, aber sowas habe ich noch nie erlebt“, sagte der Pfarrer.

Andrea Kästle

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