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250 Jahre Farben-Dynastie: Die "hubergroup" aus Kirchheim

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Um 1930: Der Buntfarbenreibsaal mit riemenbetriebenen Maschinen zur Farbmischung. © hubergroup

Kirchheim - Bunt bedruckte Lebensmittelverpackungen sind für den Verbraucher Gewohnheit. Doch wie kommt die Farbe auf Pappkartons, Dosen oder Plastiktüten? Ein Kirchheimer Unternehmen hat sich im Bereich der Herstellung von Druckfarben etabliert. Seit 250 Jahren produziert die „hubergroup“ – früher „Farben Huber“ – Farben und ist nach eigenen Angaben Deutschlands älteste Druckfarbenfabrik.

Neben den Farben für Verpackungen, Zeitungen und Prospekten stellt das Familienunternehmen auch Drucklacke und andere Druckhilfsmittel her. Das Prinzip für die Herstellung von Farben hat sich in den 250 Jahren seines Bestehens nicht geändert. „Nur die Produktion läuft heute viel automatisierter ab“, wie Rainer Herbst, Leiter für Zentrale Werbung bei der hubergroup, erläutert.

So wie ein Koch hat auch das Unternehmen verschiedene Rezepte, die es hier und da verfeinert, um einen bestimmten Farbton zu erzielen, wie zum Beispiel das für Coca-Cola typische Rot. Das Prinzip der Herstellung ähnelt dem des Kuchenbackens: „Es gibt ein Rezept nach dem die einzelnen Zutaten zu einer Farbe gemischt werden“, sagt Herbst.

Wer aber denkt, dass Wasser und Pigmente die einzigen Inhaltsstoffe einer Farbe sind, irrt. Der Herstellungsprozess sei viel umfangreicher. Die Rezepte für die Farben, die Chemiker in den firmeneigenen Laboren erforschen und entwickeln, werden individuell angepasst. Zu den vier Grundzutaten gehören neben Farbmittel, den sogenannten Pigmenten, auch Bindemittel, Lösemittel und andere Hilfsmittel, Additive genannt.

Die hubergroup verfügt über rund 20 000 unterschiedliche Rezepte für Farben, die in der firmeneigenen Fabrik hergestellt werden. In der Halle für die Farbproduktion werden die Grundfarben Gelb, Rot und Blau wie in einer Küchenmaschine in großen Bottichen von einem Rührwerk gemischt. Der leuchtende und glibberige Inhalt erinnert von der Konsistenz her an flüssige Schokolade. Und tatsächlich ähneln sich der Herstellungsprozess von Farbe und Schokolade. In beiden Fällen werden sogenannte Dreiwalzwerke verwendet, bei denen drei gegenläufige Walzen zum Beispiel dafür sorgen, dass die Luft wieder aus der Farbmischung herausgepresst wird.

160 000 Tonnen Farbe produzieren die rund 3500 Mitarbeiter der hubergroup im Jahr. Das entspricht etwa dem Gewicht von 2500 startbereiten Jumbo-Jets. Am Münchner Standort in Kirchheim sind es 60.000 Tonnen.

Vor 250 Jahren war der Produktionsumfang noch viel geringer. 1765 zog Mathias Mittermayr vom oberbayrischen Land nach Haidhausen. In der Farbproduktion, die sich Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte, witterte er einen Markt. Er gab seinen Beruf als Maurerpolier auf und wurde Farbmacher. In den Anfangszeiten hatte die Firma, die nach seinem Enkel Michael Huber benannte wurde, alle beliefert, die etwas einfärben wollten – Kleidung, Wände oder Bücher. Erst nach dem zweiten Weltkrieg spezialisierte sich der Familienbetrieb auf die Herstellung von Druckfarbe.

„Heute ist die Farbe manchmal so wertvoll, dass sie mit einem gepanzerten Lkw abgeholt wird“, sagt Rainer Herbst mit einem Schmunzeln. Etwa wenn sie am Standort in Berlin hergestellt wird. Der Partner Gleitsmann Security Inks produziert die Farbe des Geldes, sogenannte Sicherheitsdruckfarben für Geldscheine. Die rund 50 Mitarbeiter des Berliner Unternehmens entwickeln und liefern unter anderem Farben für russische und türkische Geldscheine. Auch Euro-Scheine sind mit der Farbe von Gleitsmann bedruckt.

Der Wertdruck erweist sich als ein krisensicheres Geschäft für die durch die Wirtschaftsrezession gebeutelte Druckfarbenbranche. Während die klassischen Bereiche, wie der Offsetdruck, der beispielsweise für die Herstellung von Prospekten verwendet wird, stagnieren, boomt das Geschäft im Verpackungssektor. Hierin sieht auch die hubergroup ein Wachstumspotenzial und hat ihr Spektrum auf Lebensmittelverpackungen ausgedehnt. Ein vielfältiges Aufgabengebiet, wie Herbst erklärt. Nach asiatischem Vorbild werden die Verpackungen in den Supermarktregalen künftig auch mit Effekten ausgestattet sein, die nicht nur optisch auffallen, sondern die der Kunde beim Griff ins Regal, durch die besondere Haptik wie Runzeleffekte, ertasten kann. 

Christina Seipel

Ausstellung im Haidhausen-Museum

Zum Firmenjubiläum zeigt das Haidhausen-Museum in München unter dem Titel „Münchner Lacke und echter Karmin - 250 Jahre Farben Huber“ Fotos und Exponate aus der 250-jährigen Firmengeschichte der hubergroup. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar 2016 zu sehen

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