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50 Jahre Physik-Department: Hier haben sechs Nobelpreisträger geforscht

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Wiedersehen im Hörsaal: Sie gehörten Anfang der 1960er-Jahre zu den Professoren, die mit Maier-Leibnitz die Umwandlung des Physik-Instituts in ein Department anstießen, (v.l.) Wolfgang Wild, Wolfgang Kaiser, Wilhelm Brenig und Gerhard Abstreiter.  Foto: Gerald Förtsch
Wiedersehen im Hörsaal: Sie gehörten Anfang der 1960er-Jahre zu den Professoren, die mit Maier-Leibnitz die Umwandlung des Physik-Instituts in ein Department anstießen, (v.l.) Wolfgang Wild, Wolfgang Kaiser, Wilhelm Brenig und Gerhard Abstreiter. Foto: Gerald Förtsch

Garching - Das 1965 gegründete Physik-Department bildete eine Keimzelle des heutigen TU-Campus

„An Seine Magnifizenz den Rektor der Technischen Hochschule.“ So beginnt jenes Schreiben vom 16. März 1962, dessen Inhalt Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) heute als „visionären Ansatz“ beschreibt. Unterzeichner des Briefes sind vier Physik-Professoren der TH München, wie sie damals noch heißt - allen voran Heinz Maier-Leibnitz, auf dessen Initiative 1957 der erste Forschungsreaktor in Deutschland errichtet worden ist, das Atomei im Norden von Garching.

In seinem Schreiben schlägt das universitäre Quartett einen radikalen Umbau der Physik-Fakultät vor - in ein Department nach amerikanischem Vorbild. Unter anderem sollen die großen Einzelinstitute kleineren, flexibleren Einheiten weichen; dazu kommen flache Hierarchien und eine drastische Erhöhung der Lehrstuhl- und Professorenzahlen. Und nicht zuletzt fordern die Physiker ein gemeinsames Institut, „das in Garching zu errichten wäre“.

All diese Ideen seien bahnbrechend in der deutschen Hochschulgeschichte gewesen, sagte TU-Präsident Wolfgang Herrmann anlässlich der Feier zum 50. Jahrestag der Umwandlung in ein Physik-Department. Denn drei Jahre nach dem Brief der Professoren wurde aus ihrer Vision Wirklichkeit: Zum 1. Januar 1965 trat die neue Struktur in Kraft, und in der Folge wurde aus der „Hilfswissenschaft Physik“ (Herrmann) eine zentrale Wissenschaft der Technischen Hochschule München, die wenig später den Namen Technische Universität erhielt.

Als einen der zehn Gründungs-Professoren konnten die Münchner Rudolf Mößbauer gewinnen, der vier Jahre zuvor den Nobelpreis erhalten hatte. Er hatte die Umwandlung in ein Department zur Bedingung gemacht, um aus den USA an seine Heimat-Uni zurückzukehren. In den folgenden Jahren brachte das Physik-Department der TU fünf weitere Nobelpreisträger hervor (siehe Kasten). Die Strukturreform sei dabei „sicherlich ein wichtiger Grundstein für diese großartige Erfolgsbilanz“, lobte Spaenle.

Auch für den Forschungsstandort Garching war das neue Physik-Department wegweisend. Als erstes Institut der TU wurde es 1970 eröffnet und bildete somit eine Keimzelle des heutigen Campus. Dieser habe in den vergangenen Jahrzehnten „eine phänomenale Entwicklung erlebt“, sagte Physik-Dekan Johannes Barth. „Fast die gesamte Osthälfte des Campus hat einen Physik-Bezug.“

Der Physik-Dekan wies jedoch auch auf den schlechten Zustand des Physik-Gebäudes hin, dessen Substanz inzwischen in die Jahre gekommen sei. Umso mehr sehne man die Sanierung herbei. Für 44,5 Millionen Euro werde dabei zunächst ein Verfügungsbau errichtet, erklärte Minister Ludwig Spaenle. Dieser solle zum einen die Sanierung im laufenden Betrieb ermöglichen und zum anderen den gestiegenen Raumbedarf der TU-Physiker decken. Denn, so Spaenle: „Wir brauchen Exzellenz nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Infrastruktur.“

Patrik Stäbler

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