Jazz im Bürgerhaus Unterföhring: Schnupperabend auf der Luxus-Baustelle

Unterföhring - Der Schnupperabend auf der Bürgerhaus-Baustelle war ein voller Erfolg. Drei Spitzenmusiker weckten beim Publikum den Appetit auf mehr Kultur im neuen, 30 Millionen Euro teuren Bürgerhaus.

„Vorgestern war hier noch voller Baubetrieb“, sagt Bürgermeister Franz Schwarz und dankt den Baufirmen, „die den Schnupperabend ermöglicht haben und der Bauabteilung, die die Firmen in den letzten 48 Stunden geknechtet hat“. Am Freitagabend strömten erstmals Besucher ins neue Bürgerhaus Unterföhring. Der Vor-Eröffnung beim Jazz-Weekend folgen mit den „Valentinaden“ weitere Veranstaltungen, bei der die Gemeinde die Technik testen und gegebenenfalls nachjustieren will, damit bei der offiziellen Eröffnung am 23. September alles reibungslos funktioniert.

Das dunkle Eichenparkett wurde mit Teppichbahnen abgedeckt. Glückstrahlend, aber mit tiefen Rändern unter den Augen sitzt Architekt Dieter Guttenberger in der ersten Reihe. Dass „sein“ Haus sich nun zur ersten Veranstaltung füllt, das sei „ganz irreal“, haucht er und schaut auf die gefüllten Zuschauerreihen hinter ihm. 350 Zuhörer nehmen auf roten Stühlen im großen Saal Platz. Durch die Lochfassade fällt Tageslicht herein. Auf dem schwarzen Vorhang tanzen die roten Lichteffekte der Scheinwerfer. Ignaz Netzer, mit rauchiger Blues-Stimme, findet als munter schwäbelnder Moderator schnell den Draht zum Publikum. Seine linke Hand rutscht auf der vollen Länge der Gitarrensaiten und erzeugt einen phantastischen Slide-Klang. Sein Partner, der Pianist Thomas Scheytt, spielt am Flügel mit vollem Körpereinsatz und schlaksig wippenden Beinen auf höchstem Niveau. Seine Rhythmen sind so aufgeladen, seine Begleitungen so einfühlsam, dass der Funke sofort überspringt. Das Publikum klatscht beim zweiten Song schon rhythmisch mit und nutzt an diesem Abend jede Gelegenheit zum Applaus. Diese beiden Schwaben machen Spaß.

Doch viele kamen, um Barbara Dennerlein zu hören. Die Jazzorganistin, die in Putzbrunn lebt und in aller Welt Konzerte gibt, hat einen großen Fankreis. Ihre Hammond-Orgel, die sie seit 35 Jahren spielt, hat sie aufgerüstet, wie sie dem Publikum erklärt, so kann sie auch gesampelte Geräuschelemente anspielen. Mit Blues, Bebop und Jazz schöpft sie die Möglichkeiten des Instruments - mit beeindruckender Beinarbeit und extremem Tempo - voll aus. Erst nach zwei Zugaben und mehreren tiefen Verbeugungen lässt das Publikum die Musiker gehen. Die Stimmung ist gut.

In der Pause flanieren die Zuschauer über den Vorplatz. Viel wird gesprochen über das neue Zentrum der Gemeinde: „Außen kann es noch mehr Grün vertragen“, findet Oliver Frank (37) aus Ismaning: „Innen ist es modern und ansprechend.“ „Der erste Eindruck ist gut, das Gebäude schaut spannend aus“, sagt Walter Carli (60) aus Garching zum Bürgerhaus der Nachbargemeinde, „ich bin immer offen für etwas Neues.“ „Ein guter Rahmen für ein gutes Kulturprogramm“, findet der Unterföhringer Peter Christ, das Gebäude sei „zwar ein bissl mächtig, aber schön“.

Charlotte Borst

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